OBWALDEN: «Ki-kri-ki» braucht neue Lebensgeister

Auf dem Fasnachtsprogramm der Sarner Gugger steht das 60-Jahr-Jubiläum. Zu feiern haben sie aber nichts. Die ungewisse Zukunft plagt sie.

Christoph Riebli
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So zahlreich wie zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum im Jahr 2004 (Bild) können sich die Sarner Gugger heute nicht mehr aufstellen. (Archivbild Josef Reinhard)

So zahlreich wie zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum im Jahr 2004 (Bild) können sich die Sarner Gugger heute nicht mehr aufstellen. (Archivbild Josef Reinhard)

Aus dem Tambouren-Verein entstand 1954 in Sarnen die Guuggenmusig «Ki-kri-ki». Hauptinitiant war Walter Müller alias «Jazz-Müller», der mit einem guten Dutzend fasnachtsfroher Sarner Musikanten und deren Instrumenten die Bevölkerung erfreuen wollte. Und zwar als einzige Obwaldner Guuggenmusig. Bei einem ersten Mitgliederschwund in den 1960er-Jahren gab «Jazz-Müller» als frisch gewählter Präsident kurzerhand die Anweisung, dass jedes Mitglied im nächsten Jahr einen Kandidaten zu stellen habe. Gesagt getan, und es ging wieder aufwärts. 1973 wurde der Name «Ki-kri-ki» abgelegt. Der Verein hiess fortan Guggenmusik Sarnen.

Nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen – mit einem Unterschied: Trotz ihres 60-Jahr-Jubiläums haben die Sarner Gugger nichts zu feiern. «Wir mussten uns Gedanken machen, ob wir das Jubiläum als Verein überhaupt noch erleben», sagt Präsident Marco von Wyl. Vor acht Jahren, als er selbst dazu gestossen sei, habe man noch 40 Mitglieder oder mehr gezählt. «Heute sind wir noch 21.» Nachwuchs zu finden, werde immer schwieriger – auch mit Methoden à la «Jazz-Müller». Denn auch für die Vorstandsarbeit lasse sich kaum mehr jemand einspannen.

Generationenwechsel schwierig

Folge: Die Sarner Fasnachtseröffnung in Sarnen wird seit zwei Jahren durch die Guuggenmusig Rätschbäsä organisiert – im Alleingang. Für die Sarner Gugger bedeutet der Verlust ihres einstigen Steckenpferdes aber kein Gesichtsverlust: «Wir haben uns lange selbst grossen Druck gemacht. Vor drei Jahren waren wir deswegen kurz davor, den Bettel hinzuschmeissen», erinnert sich von Wyl, «Aufwand und Ertrag hatten einfach nicht gestimmt».

Statt aufzugeben, habe man sich darauf geeinigt, die Kräfte zu bündeln und auf die Instrumente konzentriert. «Spielerisch wollen wir uns auf einer Bühne schliesslich nicht schämen müssen.» Es soll zwar nicht wie bei einer Brassband tönen, «nur schiefe Töne sind aber auch nicht schön». Bereits sind die Sarner Gugger in der noch jungen Fasnachtszeit zweimal aufgetreten und «haben gute Rückmeldungen erhalten», ist der 27-jährige Kägiswiler stolz. Musikalisch sei es jedoch schwierig. «Wenn schon nur einer krank ist, merkt man das.» Zudem sei bei den Proben oftmals auch die Motivation der Mitglieder schwer aufrechtzuerhalten. Denn die wenigen Neuen müssten erst die alten Stücke lernen. Für neues Material fehle oft die Zeit. «Es ist ein Rattenschwanz», meint von Wyl, «bei uns hat der Generationenwechsel einfach nicht geklappt.»

Fusionen: Ein schwieriges Thema

Eine Fusion mit einer anderen Guuggenmusig oder die Reaktivierung altgedienter Mitglieder hält von Wyl für keine Lösung. «Oft gibt es ja einen Grund, dass man in einer bestimmten Guuggenmusig ist», sagt er. Bei ihm als Kägiswiler seien beispielsweise die Kollegen ausschlaggebend gewesen, dass er nach Sarnen gekommen sei. Guuggenmusigen zusammenlegen sei deshalb ein schwieriges Thema. «Oftmals verstecken sich dahinter ganz unterschiedliche Philosophien. Das zeigt sich etwa beim Liedgut oder bei den Kostümen.»

Die Reaktivierung altgedienter Mitglieder sei oft nur eine befristete Lösung. «Die kommen für zwei, drei Jahre zurück und verschwinden dann wieder.» Ein Glücksfall sei, wenn man eine gute Clique gewinnen könne, die stets wieder Mitglieder nachrekrutiere. Oftmals sei es aber auch so, dass das Interesse, einer Guuggenmusig beizutreten, unmittelbar nach der Fasnachtszeit abflache. «An der Fasnacht selber haben alle gerne Fasnacht. Beim Probenstart im September sieht es dann wieder anders aus.»

Hoffnung auf junge Interessierte

Es sei zwar bedauernswert, dass man das 60-Jahr-Jubiläum nicht ausgiebig feiern könne. «Wir wissen auch nicht, ob wir an der nächsten Fasnacht noch dabei sein werden», macht sich von Wyl keine Illusionen. Trotzdem wolle man nicht kampflos untergehen und mit den verbleibenden Auftritten noch möglichst viele Junge ansprechen. Auch stehe jeden Mittwoch das Probelokal beim Schlachthof in der Ei für Interessierte offen. Schliesslich wäre es schade, wenn die älteste Gugge des Kantons sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden würde, sagt von Wyl.

Übrigens: Die beiden jüngsten Mitglieder der Sarner Gugge sind 14 Jahre alt. Das älteste ist 34-jährig. Ihr nächstes Konzert geben die Sarner am 15. Februar am Dossäbängeler-Ball in Kägiswil. Spätestens dann wird ihr Markenzeichen, die «Swiss Lady» von Pepe Lienhard, zum nächsten Mal ertönen.

Hinweis

Die Sarner Gugger proben jeweils mittwochs im oberen Stock des Sarner Schlachthofs in der Ei. Und das bis am 26. Februar immer zwischen 19 bis 21 Uhr. Weitere Infos: www.sarnergugger.ch