OBWALDEN: Kirche nimmt sich unter die Lupe

Derzeit laufen im Kanton die Visitationen der Pfarreien. Der Genralvikar verschafft sich dabei einen Überblick über Leben und Zustand der Pfarreien.

Martin Uebelhart
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Der Generalvikar Martin Kopp. (Bild: Archiv / Pius Camenzind)

Der Generalvikar Martin Kopp. (Bild: Archiv / Pius Camenzind)

Angesprochen auf das aktuelle Obwaldner Pfarreiblatt (siehe Kasten) lacht Generalvikar Martin Kopp: «Visitationen laufen heute schon etwas anders ab als früher.» Derzeit besucht er mit der theologischen Mitarbeiterin Brigitte Fischer sämtliche Pfarreien im Kanton Obwalden. «Die Visitationen sind im Kirchenrecht vorgesehen», erklärt Kopp. Der Bischof sei gehalten, seine Pfarreien zu besuchen und zu schauen, wie es bei ihnen laufe. Im Bistum Chur, das aus drei Regionen besteht, sei das so geregelt, dass die Generalvikare diese Aufgabe übernähmen.

«Visitation ist ein uralter Ausdruck», so der Generalvikar. Das Wort beinhalte zunächst mal den Besuch, aber auch, dass man etwas genauer hinschaue. Er vergleicht es mit einer grossen Firma, wo die Leitung ab und zu ein Auge auf die Abteilungen werfe, und dies auch zu Recht erwartet werde.

Fragebogen als Grundlage

Im Bistum Chur hätten seit Jahrzehnten keine Visitationen mehr stattgefunden, sagt Martin Kopp. «Vor fünf, sechs Jahren wurde beschlossen, das wieder in Angriff zu nehmen.» Für die Pfarreien sei das zunächst etwas ungewohnt gewesen. Im Gegensatz etwa zu den Bistümern St. Gallen oder Basel, wo die Visitationen an der Tagesordnung seien.

«Wir sind überall gut aufgenommen worden», sagt Kopp. Grundlage für die Besuche sei ein Fragebogen, den die Pfarreien im Vorfeld ausfüllen. «Darin geht es etwa darum, wie die Gottesdienstzeiten sind, wie viele Personen für die Pfarrei tätig sind oder wie viele Ministranten es gibt», erläutert er. Bei den Besuchen vor Ort trifft sich Kopp mit dem seelsorgerischen Personal sowie mit den Pfarrei- und Kirchenräten. «Grundsätzlich ist das eine gefreute Sache. Wir sehen, dass es sehr viel Leben gibt in den Pfarreien.» Insbesondere beobachte er riesiges Engagement von Freiwilligen. «Das unterschätzt man: In einer etwas grösseren Pfarrei hat es schnell 200 und mehr Freiwillige, die mitarbeiten.» Ein Anliegen sind dem Generalvikar in seinen Gesprächen die Angebote der Kirche für junge Familien und Jugendliche. «Da insistiere ich jeweils.» Und auch der soziale Einsatz der Kirche liegt ihm am Herzen. «Derzeit spreche ich immer das Thema Flüchtlinge an», so Kopp. Und generell gehe es um Aufmerksamkeit für jene, denen es nicht so gut gehe.

Die Besuche bedeuteten durchaus einen gewissen Aufwand, sagt der Generalvikar. «Die Vor- und Nachbereitung nimmt einige Zeit in Anspruch. Für die Besuche setzen wir pro Pfarrei einen Tag oder mindestens einen halben Tag ein.» Am 30. Januar beispielsweise war er am Vormittag in Sarnen und am Nachmittag besuchte er die Pfarreien Schwendi und Kägiswil.

Gespannt auf den Schlussbericht

Einen gewissen Aufwand im Vorfeld bedeutet die Visitation auch für die Pfarreien. «Es gilt einen rund 30-seitigen Fragebogen auszufüllen, der die verschiedensten Facetten der Pfarrei beleuchtet», sagt der Sarner Pfarrer Bernhard Willi im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Visitation sei auch Anlass, anzuschauen, wie die Pfarrei aufgestellt sei. «Das machen wir immer wieder einmal, doch wenn der Anstoss von aussen kommt, ist das auch Gelegenheit, gewisse Dinge noch vertiefter zu betrachten.» Vonseiten des Generalvikars würden höchstens Empfehlungen kommen. «Wir werden später noch einen Kurzbericht über den Besuch erhalten», so Willi. Die Visitationen seien für den Generalvikar interessanter als für die einzelnen Pfarreien, sagt der Sarner Pfarrer. Er könne sich so einen Überblick verschaffen, nicht zuletzt auch über die personelle Situation. «Diese wird ja in der Kirche immer schwieriger.»

Josef Inderbitzin sitzt im Kirchgemeinderat von Sarnen und ist dort zuständig für das Personal. «Der Besuch des Generalvikars hat nur am Rande mit uns zu tun gehabt», sagt er auf Anfrage. Der Kirchgemeinderat kümmere sich in erster Linie um die organisatorischen Belange und mische sich nicht ein ins Kerngeschäft der Pfarrei, die Seelsorge. «Martin Kopp war es wichtig, uns aufzuzeigen, was die rund 40 Mitarbeiter in der Pfarrei tun.» Eine wichtige Rolle spiele der Kirchgemeinderat in der Frage, wie es mit der Pfarrei weitergehe. «Wir müssen uns fragen, wo wir in fünf oder zehn Jahren sind.» Inderbitzin ist sehr interessiert am Schlussbericht, den der Generalvikar über die Visitation verfassen werde. «Wir sind gespannt darauf, wie er das sieht.»

Auch Kirchenschatz wird geprüft

Über jede Visitation entsteht am Ende ein Schlussbericht, sagt Martin Kopp. Später werden die Pfarreien noch einmal Besuch erhalten. «Ein Berufsarchivar schaut sich die Archive an. Viele Dokumente insbesondere auch aus der Vergangenheit, sind sehr wertvoll», hält Kopp fest. Auch auf die Kirchenschätze, sofern sie vorhanden sind, liegt ein Augenmerk: «Man schaut, ob sie in geeigneter Weise aufbewahrt werden und ob sie fotografisch dokumentiert sind.» Mit diesen Überprüfungen sei man im Verzug. Das werde dann im Nachgang gemacht.

Obwalden ist der letzte der vier Urschweizer Kantone, mit dem die Visitationen nun bis Anfang März abgeschlossen werden. Kopp schätzt, dass es ganz persönlich seine letzten gewesen sind. Mit dem absehbaren Amtsende des Churer Bischofs Vitus Huonder im kommenden Jahr werden auch die Generalvikare abgelöst. «Wir haben jetzt das Glück, das wir auch das abschliessen konnten.»

Martin Uebelhart