OBWALDEN: Künstler begeben sich auf Spurensuche von Bruder Klaus

Was haben Niklaus von Flüe und Martin Luther miteinander zu tun? Dieser Frage gehen 19 internationale Künstler in Flüeli-Ranft nach. Sie lassen sich dabei über die Schulter blicken.

Marion Wannemacher
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Bildhauer Markus Sauermann lässt Kayan Felder (8) mithelfen, rechts von ihnen Nouria (10, Schwester von Kayan) und Vater Ruedi Felder. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 31. Juli 2017 ))

Bildhauer Markus Sauermann lässt Kayan Felder (8) mithelfen, rechts von ihnen Nouria (10, Schwester von Kayan) und Vater Ruedi Felder. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 31. Juli 2017 ))

Auf der Wiese neben dem Mehrzweckgebäude wird eifrig gearbeitet. An Tischen malen Cornelia Patschorke und Simone Ramshorn. Beim Nussbaumwäldchen senst Udo Mathee ein Labyrinth ins Gras, am Felsen bearbeitet Harun Kloppe Holzschalen mit einem Winkelschleifer, auf der Wiese schnitzt Markus Sauermann ein Schweizer Kreuz aus einem Douglasienstamm, aus dem Figuren entspringen. In Flüeli-Ranft sind die Künstler los!

Diese Woche treffen sich im Dorf 19 Maler, Bildhauer, Objektkünstler, Druckgrafiker und Schauspieler der Künstlergruppe «Das Rad», einer Gemeinschaft künstlerisch arbeitender Christen. Sie stammen aus der Schweiz, aus Deutschland, Österreich und Belgien. Das Kunstsymposium entstand auf Initiative einer Projektgruppe. Es ist ein Mitmachprojekt im Rahmen des Jubiläumsjahrs 600 Jahre Bruder Klaus.

Niklaus von Flüe als Wegweiser zu Gott

«Niklaus von Flüe war ein Gottsuchender und kann uns heute noch zeigen, wie spannend es ist, sich auf den Weg zu Gott zu machen und dieser Sehnsucht nachzugehen», sagt Organisator Karl Imfeld, der bereits sechs Symposien für die Künstlergruppe durchgeführt hat. Die Veranstaltung sei sehr schnell ausgebucht gewesen. «Ich war überrascht, wie präsent Niklaus von Flüe bei den Künstlern ist», erzählt er. Das genaue Thema des Symposiums heisst «600 Jahre Niklaus von Flüe und 500 Jahre Martin Luther». Was haben die beiden miteinander zu tun? «Bei Niklaus von Flüe ist weniger mehr. Bei Martin Luther geht es um Wahrheitsfindung, um die Gewissheit über die Ewigkeit, ‹allein durch Gnade›. Der eine war ein Analphabet, der andere übersetzte die Bibel, wodurch das Wort Gottes verbreitet werden konnte», betont Imfeld, Künstler aus Lungern.

«Das Thema des Symposiums hat mich sehr bewegt», erklärt der Bildhauer Markus Sauermann aus der Nähe von Mainz. «Niklaus von Flües Sehnen, näher ans Herz Gottes zu kommen, ist auch mein Thema», hält er fest. Feriengast Ruedi Felder, der mit seinen Kindern den Visionenweg von Sachseln bewandert hat, bleibt bei ihm stehen. Sauermann, selbst Vater von vier Kindern, hält dem jüngsten Spross sein Schnitzmesser entgegen. «Möchtest du auch mal?» Der achtjährige Kayan zeigt sich begeistert. «Jetzt kannst du immer sagen, du hast daran auch mitgeschnitzt», schmunzelt Sauermann.

Geige aus 50 000 Jahre altem Kauri-Holz gebaut

Martin Schleske aus Landsberg am Lech in Oberbayern fertigt eine Druckgrafik zur Brunnenvision von Niklaus von Flüe an. Der Deutsche ist Geigenbauer und gilt weltweit als Koryphäe. Auf das Kunstsymposium hin hat er eine Geige mit einem Boden aus 50 000 Jahre altem neuseeländischem Kauri-Holz gebaut. «Eigentlich hätte ich gern eine Geige aus Materialien vom Ranft gebaut. Allerdings hätte die Zeit nicht gereicht.» Das Holz stamme aus dem Moor, erzählt er. «Es war Tausende von Jahren in der Stille, aus einer Zeit, in der die Menschen die Sprache fanden. Die Geige ist der Inbegriff des Unnützen, sie ist einfach nur schön, um Musik zu machen. Musik ist die Erfahrung von Sinn, was uns zu Menschen macht. Danach hat auch Bruder Klaus gesucht.» Zu hören sein wird seine Geige morgen Freitagabend an der Vernissage.

Bis dahin hoffen die Künstler auf weitere interessante Begegnungen. Katharina Walbrodt, Schauspielerin aus Berlin, trägt einen Schal auf mittelalterliche Art um den Kopf gewickelt und lädt Passanten ein, die Künstler auf der Wiese zu besuchen. Sie motiviert sie, ihre Gedanken zu Niklaus von Flüe und Martin Luther auf Papier zu schreiben, und hängt diese an den Weidezaun. «Da passieren spannende Sachen», kommentiert Katharina Walbrodt. «Indem die Leute ihre Fragen verbalisieren, werden sie selbst zu Agierenden. Solche spontanen Äusserungen können auch die Künstler inspirieren.»

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

 

Hinweis

Die Künstler arbeiten noch bis morgen Freitag (vormittags und nachmittags, gegenüber Mehrzweckgebäude). Morgen Abend öffentliche Vernissage ab 17 Uhr mit Konzert und einfachem Essen in der Scheune von Glois Schälin hinter dem Mehrzweckgebäude.