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OBWALDEN: Kunstschaffende Olivia Abächerli reist nach Berlin

Eine junge Kunstschaffende kann dank einem Stipendium dreier Kantone in die deutsche Hauptstadt reisen. Ein Wiedersehen, auf das sie gespannt ist.
Primus Camenzind
Olivia Abächerli in der Artist Residency in der Forsthütte Weidli in der Schwendi, wo sie für eine Woche mit mehreren anderen Künstlern arbeitete. (Bild: Corinne Glanzmann (Stalden, 25. August 2015))

Olivia Abächerli in der Artist Residency in der Forsthütte Weidli in der Schwendi, wo sie für eine Woche mit mehreren anderen Künstlern arbeitete. (Bild: Corinne Glanzmann (Stalden, 25. August 2015))

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Ich freue mich natürlich! Es ist schön zu wissen, dass eines nach dem andern folgt und sich die eigene Zukunft stets weiterentwickelt.» Diesen Worten lässt Olivia Abächerli seit Jahren Taten folgen – gegenwärtig in der Nähe von Amsterdam (Holland), wo sie in einem Kunst-Masterprogramm studiert. «Hier knüpfe ich ein spannendes, internationales Netzwerk und bin gespannt, was daraus alles wachsen kann», erklärt uns die in Kerns aufgewachsene Künstlerin mit Stanser Wurzeln am Telefon.

Blicken wir zurück an den Beginn ihrer Laufbahn: «Darstellende Kunst war nie ein Thema im familiären Umfeld», betont Olivia Abächerli. Man habe zu Hause am Küchentisch jedoch über Politik gesprochen «und das hat für mich einen engen Zusammenhang», lässt sie verlauten. «Kunst machen wollte ich von dem Zeitpunkt an, als ich realisierte, dass man das als normaler Mensch ja machen kann.»

Sie arbeitet gerne im Kollektiv

Ihre Ausbildung begann 2012 an der Hochschule Luzern, um sie 2016 mit dem Bachelor Fine Arts an der Hochschule der Künste Bern abzuschliessen. Die Kul­turbeauftragten der Kantone Schwyz, Luzern und Obwalden umschreiben die Wirkungsfelder von Olivia Abächerli in einer Medienmitteilung wie folgt: «Abächerlis künstlerisches Schaffen umfasst die Sparten Zeichnung, Konzept, Installation, Video und Performance. Die Dimension des Politischen bezieht sie immer wieder in ihre Werke mit ein.» Sie lässt uns am Telefon wissen, dass sie gerne im Kollektiv arbeitet.

Bereits mit 13 Jahren schon mal in Berlin

Wenn die 25-jährige Kunstschaffende von Oktober 2019 bis Januar 2020 nach Berlin zieht, steht die Gentrifizierung (Charakterisierung von Veränderungsprozessen in Stadtvierteln) im Vordergrund. «Die politische und geschichtliche Bedeutung von Berlin hat schon einen Einfluss auf mein Dossier», betont sie. «In Berlin besonders stark und schnell wegen des Mauerfalls.»

Die deutsche Hauptstadt hat sie bereits im Alter von 13 Jahren erlebt. Damals im Rahmen einer Schreibwoche der Kinderlobby Schweiz, einer Organisation, welche sich für Mitgestaltung und Mitbestimmung von Kindern starkmacht. «Deshalb habe ich natürlich eine Idee von Berlin», sagt sie. «Diese wird aber bestimmt schnell mit neuen Erfahrungen überschrieben werden.»

Weitere Details des Berlin-Aufenthalts von Olivia Abächerli gemäss einer Medienmitteilung: «In Berlin wird sie ein künstlerisches Rechercheprojekt verfolgen. In den Prozess der Aufwertung von Stadtvierteln und der damit verbundenen Verdrängung eingesessener Bevölkerungsgruppen sind oftmals auch Künstler involviert

Sie plant auch ein temporäres Web-Radio

Abächerlis Berliner Projekt wolle dies zur Debatte stellen und neue Handlungsmöglichkeiten erarbeiten, «unter anderem mittels eines temporären Web-Radios». Nach eigenen Aussagen der Berlinreisenden erhofft sie sich auch wertvolle Kontakte, neue Erfahrungen und die Erweiterung des künstlerischen Horizonts. «Ich werde auch Gespräche mit Immobilienmaklern führen», gibt sie uns zu verstehen.

Gesuche stellen ist wie das tägliche Zähneputzen

Schlussendlich haben auch Kunstschaffende ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dazu sagt Olivia Abächerli: «Projekt-Eingaben für Wettbewerbe und Ausstellungen oder Gesuche für Projektfinanzierungen bei Stiftungen sind für heutige Kunstschaffende wie das tägliche Zähneputzen. Man tut es nebenbei, ständig, ohne sich viel Gedanken zu machen. Wenn es dann klappt, ist es immer eine kleine Überraschung, die man sich aber natürlich insgeheim erhofft hat.» Konkret auf die Kunst als «Broterwerb» angesprochen, lässt Olivia Abächerli keine Zweifel offen, welchen Stellenwert Geld und Lebensstandard für sie besitzen: «In ökonomischer Hinsicht gibt es in der Schweiz kaum Künstlerinnen oder Künstler, die allein vom Kunstmachen finanziell unabhängig sind.»

Die Arbeit ihrer Branche werde selten als solche vergütet. Sie ist jedoch optimistisch: «Es geht immer irgendwie, und es finden sich Wege.» Unsere Gesprächspartnerin geht noch einen Schritt weiter: «Ich bin stolz und fühle mich privilegiert, dass in meinem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld Kapital und Luxus keine wichtige Rolle spielen.»

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