OBWALDEN: Kunststudentin protokollierte den Rat

Salome Landa aus Winterthur hat eine Masterarbeit über den Kantonsratsbetrieb verfasst. Als Beobachterin schrieb sie ein künstlerisches Protokoll.

Drucken
Teilen
Das künstlerische Protokoll enthält Notizen und Skizzen. (Bild: pd)

Das künstlerische Protokoll enthält Notizen und Skizzen. (Bild: pd)

Normalerweise existieren zu den Debatten im Kantonsrat Obwalden ein Kurzprotokoll und ein Wortprotokoll. Für das laufende Amtsjahr, das Ende dieses Monats ausläuft, gibt es nun noch ein drittes Protokoll. Zu verdanken ist dies der Winterthurer Kunststudentin Salome Landa, die im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule Luzern – Design & Kunst sämtliche Kantonsratssitzungen dieses Amtsjahres besuchte und diese künstlerisch mit Skizzen und Notizen festhielt.

700-seitiges Protokoll

Entstanden sind so rund 700 Seiten, die als sechs Skizzenhefte und ein Buch im Staatsarchiv Obwalden abgelegt werden. Heute übergibt Salome Landa ihr Werk dem Kantonsratspräsidenten Walter Wyrsch und der Ratssekretärin Nicole Frunz im Foyer des Ratshauses Sarnen. Dort wird auch von morgen Donnerstag bis 30. Juni ein Video gezeigt, das Salome Landa beim Durchblättern der Hefte zeigt. Dieses ist Teil der Ausstellung «Manöver Sarnen».

Wie in einer anderen Zeit

«Im Kantonsrat bin ich von Anfang an gefragt worden, weshalb ich hier bin und was ich mache», erzählt Salome Landa rückblickend. Sie sei mit Wohlwollen aufgenommen worden und habe frei schalten und walten dürfen. Während der Ratssitzungen hat Landa fast durchwegs gezeichnet und geschrieben. Sie beschreibt die Tätigkeit der Kantonsräte als «engagiert und sehr diszipliniert». Und: «Es ist alles sehr nah und eng im Saal.» Zu Beginn habe sie geglaubt, sie sei in einer anderen Zeit gelandet: «Diese strenge Ordnung, die Uniform des Weibels, die ritualisierte Gesprächsform, der barocke Saal ...» Salome Landa hatte auch den Kantonsrat Zürich schon zweimal besucht. «In Obwalden ist es ganz anders, ländlicher, kleiner, persönlicher, und dem Ratspräsidenten wird zugehört.»

Protokollieren als Kunst

Ihre Arbeit im Saal, wo sie zeichnete und notierte, was sie gerade hörte, ist für Salome Landa an sich schon ein künstlerischer Vorgang. «Das protokollartige Arbeiten gehört zu meiner Schaffensart», sagt die 35-jährige Winterthurerin. Im Nachhinein gäben die Aufzeichnungen viel von der Stimmung wieder, in ihrer rohen, unbeschönigten Art. Skizzen und Notizen erzählten ihrerseits wieder eine eigene Geschichte.

«Wie eine ethnografische Feldforscherin bediente ich mich der Methode der teilnehmenden Beobachtung», sagt Landa weiter. Das Resultat ihrer Arbeit im Obwaldner Kantonsrat ist für die Bevölkerung zugänglich. Entweder man besucht die Ausstellung mit dem Video im Rathaus Sarnen. Oder aber man vertieft sich in das Skizzenprotokoll, das auf Voranmeldung im Rathaus besichtigt werden kann.

Geri Wyss (Mitarbeit Oliver Mattmann)