Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: Lehrlinge bauen Brücken und Wege

Mehr als 100 Gärtnerlehrlinge waren diese Woche an einem Grossprojekt im Einsatz. Im Mittelpunkt steht der Wanderwegbau am Ufer der Grossen Melchaa.
Primus Camenzind
Unter der Leitung von Ruedi Reinhard (links) legen die Lehrlinge beim Wanderweg Hand an. (Bild Corinne Glanzmann)

Unter der Leitung von Ruedi Reinhard (links) legen die Lehrlinge beim Wanderweg Hand an. (Bild Corinne Glanzmann)

Rund 500 Meter oberhalb der «Gedeckten Holzbrücke», welche über die Grosse Melchaa führt, stürzt viel Wasser talwärts. Ein Wanderweg führt uns an das Ufer des schäumenden Gewässers mitten im Wald. Es herrscht Hochbetrieb: Ein kleiner Bagger verschiebt Material, Jugendliche stossen mit Motorkaretten Füll- und Deckmaterial hin und her; einige sind dabei, über ein kleines Nebengewässer der Melchaa eine Holzbrücke zu erstellen. Am Arbeiten ist eine Gruppe, bestehend aus 10 jungen Frauen und Männern – alle sind Gärtnerlehrlinge im ersten Lehrjahr an der Gewerblichen Berufsschule von Wetzikon im Kanton Zürich.

Lehrreiche Woche

«Wir sind dabei, den Wanderweg zu verlegen, denn wenn die Melchaa viel Wasser bringt, sind die bestehende Brücke und ein kurzer Teil des zu nahe am Gewässerlauf liegenden Pfades ständig unter Wasser.» Diese erste Information stammt von Ruedi Reinhard. Er ist Bezirksleiter Wanderwege der Gemeinde Kerns und begleitet bereits zum vierten Mal in seinen Ferien eine Projektgruppe aus Wetzikon. «Ich habe es hier mit interessanten jungen Menschen zu tun, und bei einigen – vor allem bei den Landschaftsgärtnern – darf ich schon nach einem Lehrjahr beachtliches Geschick im Umgang mit Baugeräten feststellen», meint der Fachmann. «Das Ganze ist nicht nur für sie, sondern auch für mich lehrreich.»

Natürlich setzt Reinhard – beruflich beim Tiefbauamt Obwalden beschäftigt – in Bezug auf die Arbeitsintensität weniger strenge Massstäbe an als in einem gewinnorientierten Unternehmen. «Das ist auch richtig so, denn die Lehrlinge sollen das Lager in angenehmer Erinnerung behalten.»

Beliebter als Beachvolleyball

Verantwortlich für den Praxiseinsatz Wanderwege im Rahmen des über 100 Gärtnerlehrlinge umfassenden Gesamtprojektes ist Daniel Rossi, Fachlehrer an der Berufsschule Wetzikon. «Alle Lehrlinge – zur Hauptsache Landschaftsgärtner oder solche aus den Fachrichtungen Produktion, Zierpflanzen, Baumschule und Stauden – konnten sich für zwei Projekte entscheiden, an denen sie je zwei Tage mitarbeiten möchten», erklärt Rossi unserer Zeitung. Zur Wahl stehen berufsspezifische, handwerkliche und sportliche Angebote wie botanische Rundgänge, Beachvolleyball, Blasrohr- und Bogenschiessen, Sportklettern, Bonsai, Fotografie, Holzskulpturen, Trockenmauerbau und anderes mehr.

«Obwohl das Projekt Wanderwege vor allem körperlich einiges abverlangt, hat es dieses Jahr deutlich mehr Zuspruch gefunden als auch schon», freut sich Rossi. «Die Arbeit an der Melchaa ist zum Beispiel gefragter als Beachvolleyball. Fragen Sie mich nicht, woran das liegen mag», gibt er zu verstehen. Die Mehrheit der jungen Leute ziehe es auch diese Woche vor, zu schaffen und nicht nur abzuhängen, gibt der Fachlehrer zu verstehen. «Dennoch, mit der Abgeschiedenheit des Truppenlagers im Durrenbach, haben einige schon etwas Mühe», gibt er unumwunden zu.

Respekt vor dem Kleinbagger

Die 20-jährige Baumschulistin Jennifer Schurte aus Flaach, Kanton Zürich, und ihre Kollegin, die 18-jährige Nadja Hafner aus dem zürcherischen Rutschwil-Dägerlen sind sich einig: «Wir machen gerne etwas, wovon andere einen Nutzen haben, und wir lernen dabei den Arbeitsaufwand kennen.» Von den Jungs ihrer Gruppe werden sie nicht geschont: «Gestern war ich am Krampfen, und sie schauten mir dabei zu», schmunzelt Nadja. «Die Baumaschinen sind für uns tabu», sagt Jennifer, «wir können es einfach nicht.»

Auf einer solchen sitzt der angehende Landschaftsgärtner Marco Manser aus Uster, Kanton Zürich. Er ist dabei, mit seinem kleinen, aber wirkungsvollen Gerät die Verbindung von der neuen Brücke bis zur Einmündung in den bestehenden Wanderweg zu erstellen. «Ich möchte meinen coolen Job gerne teilen, aber bis jetzt hat sich noch niemand dafür interessiert», klärt er uns auf. Kein Wunder, denn er zeigt auf der Maschine schon viel Routine. Daniel Rossi ist der Arbeitssicherheit wegen sichtlich froh, dass auf dem Kleinbagger niemand mit Marco konkurrieren will.

Sichtbare Fortschritte

Inzwischen ist die Gruppe um Ruedi Reinhard dabei, auf der neuen, aus starkem Rundholz gebauten Kleinbrücke das Oberflächenmaterial einzubauen und den Steg beidseitig mit Füllmaterial zu verankern. Es geht sichtbar voran am Ufer der Grossen Melchaa, und das zeigt bei den jungen Gärtnerinnen und Gärtnern beflügelnde Wirkung.

Trotzdem: «Abwechslung macht das Leben süss», besagt ein Sprichwort. Deshalb freut sich Marco Manser auf sein zweites, total gegensätzliches Projekt dieser Woche: Bonsai, das Wissen um die fernöstliche Gartenkunst mit Bäumchen und Sträuchern im Kleinformat.

Primus Camenzind

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.