OBWALDEN: Letzte Tage im «Down» in Sachseln brachen an

Ein letztes Mal steht Beppi Baggenstos auf der Bühne des Obwaldner Kleintheaters Down Down. Mit einer tüchtigen Prise Nostalgie lässt er die grossen Momente nochmals aufleben.

Romano Cuonz
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Nochmals lassen Beppi Baggenstos (rechts) und Pit Bucher die grossen Lacher aufleben. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 11. Februar 2017))

Nochmals lassen Beppi Baggenstos (rechts) und Pit Bucher die grossen Lacher aufleben. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 11. Februar 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Im Obwaldner Kleintheater Down Down herrscht finstere Nacht. Die Stimmung ist mehr als düster. Und jetzt beginnt die Pianistin Sandra Hamburger auch noch damit, am Flügel einen Trauermarsch zu spielen. In diesem Moment ertönt aus der Dunkelheit eine Stimme. Das ist doch einer, den das treue Publikum bestens kennt: Beppi Baggenstos. Initiant, Intendant, Regisseur und auch Akteur in zahllosen Rollen in diesem besonderen Kleintheater. Im schummrig aufflackernden Licht tritt er an ein Rednerpult. Eigentlich ist es ja gar kein Pult, sondern eine Mülltonne, behangen mit einem Trauerkranz.

Ganz in Schwarz gekleidet ist Baggenstos. Auf seinem Kopf sitzt ein Zylinder, in der Hand trägt er eine Laterne. Und wenn er nun zum Nekrolog auf sein geliebtes Kleintheater ansetzt, ist die Stimme belegt, sein Kopf gesenkt. Vor allem aber ist er diesmal nicht irgendwer, sondern sich selber. Als Intendant! Seit 16 Jahren werde im ehemaligen Tanzlokal Theater gespielt, sagt Baggenstos mit Grabesstimme. Was mit dem Stück «La cage aux folles» 2001 gestartet worden sei, habe wie eine Bombe eingeschlagen.

Der Aufräumer will gründlich sauber machen

Das Kleintheater mit seiner besonderen Atmosphäre habe einem Bedürfnis entsprochen und sei von Menschen aus der ganzen Innerschweiz rege genutzt worden: Insgesamt 20 Stücke hätten 40 000 Zuschauer angelockt. Nun aber seien die Tage des «Down Down» gezählt. Bald schon würden Bagger auffahren. Doch in diesem Augenblick gehen Scheinwerfer an. Der Aufräumer (Pit Bucher nochmals in einer Paraderolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist) will gründlich sauber machen. Das ist auch nötig. Hinter den beiden Akteuren türmen sich nämlich Requisiten, Kostüme und auch jene oft seltsamen, aber für Beppi Baggenstos eben typischen Konstrukte zu einem wahren Berg. Kreuz und quer stehen und hängen sie da. Schillernd bunt.

Zu jedem Requisit die Geschichte

Beppi Baggenstos wäre nicht jenes Theatervollblut, als das man ihn kennt und immer wieder bejubelt hat, würde er dem Aufräumer jetzt nicht Paroli bieten. Wie dieser gar eine alte Ständerlampe «güseln» will, vergisst Baggen­stos alle Trauer.

«Im Theater kommt es nicht darauf an, was du auf den ersten Blick siehst, sondern darauf, was sich hinter dem ersten Blick versteckt», belehrt er den Aufräumer. «Man muss aus nichts etwas machen und die Leute überraschen.» Und genau dies tut er. Einmal mehr. Er nimmt von einer Ständerlampe den Schirm und passt ihn dem Aufräumer als Ballett-Tutu auf den Leib. Zwingt diesen – unter schallendem Gelächter des Publikums –, nochmals den Gesang des sterbenden Schwans aus der Produktion «Die Sternstunde des Josef Bieder» anzustimmen.

Von nun an folgen beste Szenen und Momente aus 16 Jahren: Da ist der stumme, aber wunderschön komische Moment aus «Gillegoon», wo Bauer Balz den in der Migros gekauften M-Budget-Käse in seinen Hofladen stellt. Auf einem Bildschirm flammen zwischen Nid- und Obwalden nochmals Leidenschaft und skurrile Tragik auf, wenn «Die eine wilde Jagd» auf der Alp Gruobi nachgespielt wird. Herzzerreissend, wie Beppi Baggen­stos Dällenbach Karis Lied «Wenn die Blümlein draussen stehn» singt. Auch über sich selber macht sich das Theater-Schwergewicht ganz bös lustig, wenn er aus der «Schlachtplatte» die Veränderung des menschlichen Körpers während eines Esserlebens auf die Schippe nimmt.

Nochmals geniessen kann man auch eine seiner genialsten Ideen: wie er aus einem Geranienkistchen ein Akkordeon werden lässt und zu heimeligen Tönen einen Jodel nimmt. «Diese Bühne musste viel ertragen, über 80 Leute agierten auf ihr», erklärt Beppi Baggenstos zum Schluss. Und dann präsentiert er – an dieser letzten Premiere – als Gast jene Akteurin, die dem Kleintheater in all den Jahren den wohl grössten und nachhaltigsten Erfolg beschert hat: Bruna Guerriero. Als Edith Piaf singt sie an diesem Abend nochmals genau die Worte, die für Beppi Baggen­stos, für die vielen Beteiligten und letztlich auch für das Publikum gelten: «Non, rien de rien, non, je ne regrette rien ...»

Hinweis

«Fiirabig». Letzte Produktion im Kleintheater Obwalden im «Down Down», Sachseln, mit Beppi Baggenstos und Pit Bucher. Weitere Aufführungen vom 17. Februar bis zum 8. April. Ab 18 Uhr jeweils «Leichenschmaus in drei Gängen» aus der Küche des Hotels Belvoir. www.theatermacherei.ch