OBWALDEN: Martins Luxusuhren stehen nun still

Der starke Franken, ein abgesprungener Investor und Aussenstände: Der Hersteller der Luxusuhrenmarke Antoine Martin hat Konkurs angemeldet.

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Im November meldete Firmeninhaber Martin Braun (Bild) Konkurs an. (Bild: PD)

Im November meldete Firmeninhaber Martin Braun (Bild) Konkurs an. (Bild: PD)

Aus dem Micropark in Alpnach ist der Hersteller der Luxusuhrenmarke Antoine Martin bereits im Oktober gezügelt. Im November meldete Firmeninhaber Martin Braun Konkurs an. Ein Traum ist zerplatzt. Zuletzt arbeiteten Braun selbst, ein Entwicklungsingenieur, ein Uhrmacher und eine Bürokraft in der Uhrenmanufaktur, die exklusive Modelle im Wert von bis zu 140 000 Franken hergestellt hat.

Ausgezeichnete Uhren

Der 51 Jahre alte Uhrmachermeister aus dem deutschen Karlsruhe war mit seinen Uhren an der Basler Uhren- und Schmuckmesse vertreten und erhielt 2004 einen Innovationspreis in den USA. Seine Uhren mit hochwertiger Mechanik heben sich von den Standarduhren durch besondere «Komplikationen» (aufwendige Zusatzfunktionen) ab. Das kann die korrekte Anzeige der Tage aller Monate selbst in Schaltjahren sein oder die Sonnenauf- und -untergangszeiten sowie Mondphasen.

Als Gründe für die Liquidation nennt Braun, der übrigens nicht mit den Firmengründern der Maxon Motor AG verwandt ist, gleich mehrere: «Unsere Kunden wurden nach dem Frankenschock von den grossen Gruppen wie Swatch-Group oder LVMH so unter Druck gesetzt, dass deren Rechnungen bezahlt werden. Uns Kleine bezahlen sie nicht mehr.» Dann sei ein neuer Investor aus den USA, ein Juwelier mit eigener kleiner Ladenkette, der sich mit Brauns Uhren profilieren wollte, abgesprungen, ein weiterer Interessent habe sich kommentarlos zurückgezogen. Die Krise auszusitzen war für die kleine Manufaktur keine Möglichkeit: «Unsere Aussenstände sind genauso hoch wie die Verbindlichkeiten. Was will man da noch machen?»

Qualitätsprobleme beim Silizium

Zusätzlich hätten Qualitätsprobleme der Zulieferer seiner Firma das Genick gebrochen, erzählt Martin Braun weiter. Für seine Entwicklung «Slowrunner» brauchte er Siliziumspiralen. «Diese kamen mit neunmonatiger Verspätung, für 60 Uhren wurden nur 40 Spiralen geliefert, und von diesen funktionierten genau drei Stück: Ich konnte nicht ausliefern. So kam eines zum andern.»

Bloss nicht in die Westschweiz

Seit 2006 ist Martin Braun in Obwalden. Aus Deutschland brachte er «seine» Uhrmacher mit. Diese wollten partout nicht in die Hochburg der Uhrmacherbranche, in die französischsprachige Schweiz nach Biel oder Neuenburg. «Für mich war der Standort wichtig, aber nicht, weil Obwalden ein steuergünstiger Kanton ist, sondern weil es schon immer mein Lebensziel war, einmal in den Bergen zu wohnen.»

Als er damals das erste Mal durch den Lopper gefahren sei und Mönch und Wetterhorn gesehen habe, wusste er sofort: «Hier kann ich bleiben.» Seine allererste Station in der Schweiz war allerdings der Jura, wo er eine Zulieferfirma aufkaufte. Erst später brach er in Deutschland die Zelte ab und ging nach Obwalden.

Anfänglich war Braun an der Franck Muller Watchland Group beteiligt, verliess diese aber unter Verzicht auf sein Namensrecht und gründete mit Unternehmer Antoine Meier gemeinsam die Marke «Antoine Martin».

Heute fertigt Braun weiterhin Uhrwerke in seiner Firma Manufacture Horlogère Obwalden (MHO) mit Sitz in Sachseln, wo er auch wohnt. «Das bereits vorhandene Portfolio von Uhrwerken wird für andere Uhrenmarken ausser Haus zusammengebaut», erklärt der Firmeninhaber. Die MHO war auch die Zulieferfirma der Uhrwerke von Antoine Martin.

Spruchreife Pläne in petto

Braun hat bereits Zukunftspläne, so viel steht fest. Verraten möchte er diese jedoch nicht. Wie ist seine Stimmung? «Wenn meine Pläne in der kommenden Zeit wahr werden, ist sie wieder blendend», sagt er und lacht.

Marion Wannemacher