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OBWALDEN: Mehlwürmer und Grillen zum Zmittag

Das Restaurant Kaiserstuhl in Lungern bietet als einer der ersten Gastrobetriebe in der Zentralschweiz Insektengerichte an. Die Nachfrage hält sich noch sehr in Grenzen. Die Hemmschwelle ist für viele Gäste zu hoch.
Philipp Unterschütz
Auf der Speisekarte des Restaurants Kaiserstuhl stehen neu auch Mehlwurmburger. (Bild: Nadia Schärli (Lungern, 24. November 2017))

Auf der Speisekarte des Restaurants Kaiserstuhl stehen neu auch Mehlwurmburger. (Bild: Nadia Schärli (Lungern, 24. November 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch

So alltäglich Insekten auch sind und so gesund sie auch sein mögen – auf den Teller gehören sie für viele Leute deshalb noch lange nicht. Grillen, Europäische Wanderheuschrecken und Mehlwürmer: Diese drei Arten sind aber seit dem 1. Mai in der Schweiz offiziell als Nahrungsmittel zugelassen. Seither sind die an Mineralien und Eiweiss reichen Tierchen in den Medien sehr präsent. Und nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten sind mittlerweile verschiedene Produkte mit Insekten problemlos im Detailhandel zu kaufen, vor allem seit dem Einstieg eines Grossverteilers.

Wer allerdings in der Region nach einem Restaurant sucht, das Insekten auf den Teller bringt, findet praktisch keines. «Es braucht noch etwas Zeit, bis die Leute ihre Hemmschwelle überwinden», bestätigt Larissa Schiesser, Betriebsleiterin im Restaurant und Hotel Kaiserstuhl Lungernsee, das den Schritt trotzdem gewagt hat.

Gemischte Reaktionen der Gäste

Als eines der ersten in der Zentralschweiz bietet das Restaurant seit Oktober eine «Exotikkarte mit einem ganz kleinen Angebot»: gemischten Salat mit frittierten Heuschrecken, Mehlwurmburger mit Auberginen im Tomatenfocaccia oder Schokoladenkrokant mit gerösteten Grillen und Sauerrahmglace. «Bis jetzt kommen die Gäste noch nicht deswegen zu uns», gesteht Schiesser mit einem Schmunzeln. Bestellt worden seien bisher nur wenige Insektengerichte. Man habe mit gemischten Reaktionen des eher traditionellen Publikums gerechnet und nehme diese mit Humor. «Beim Blick in die Karte kommen Fragen, ob das wirklich echte Mehlwürmer seien, es kommt aber auch zu Gelächter oder Unbehagen. Auch für uns ist das ganz neu.» Selbstverständlich habe sie alle Gerichte selber probiert. Die Gäste hätten teils vielleicht falsche Vorstellungen. «Es ist nicht so, dass Insekten den Gerichten einen komischen oder ungewöhnlichen Geschmack geben.» Das Dessert etwa erinnere an knusprige Cornflakes mit Schokolade.

Küchenchefs im Insekten-Fieber

Das Rohmaterial für die Gerichte sind gefriergetrocknete Insekten, die das Restaurant Kaiserstuhl vom spezialisierten Lieferanten Essento bezieht. Die drei angebotenen Gerichte werden dann in der Restaurantküche frisch zubereitet. Und dabei gibt es schon bestimmte Grundsätze zu beachten – eine Grille ist schliesslich kein Steak. Arbeitsflächen, auf denen Insekten zubereitet werden, sind getrennt von den anderen. Küchenchef Samuel Jaggi und Sous-chef Marco Zihlmann haben einen Insekten-Kochkurs besucht und sich auch ein einschlägiges Kochbuch zugelegt. Laut Larissa Schiesser waren die beiden auch der Auslöser, dass der «Kaiserstuhl» heute Insektenpionier der Zentralschweiz ist. «Als bekannt wurde, dass in der Schweiz Insekten bald erlaubt werden, sind sie richtig ins Fieber gekommen und haben angefangen, Insektengerichte auszuprobieren.» Ihre Kreationen hätten sie dann dem Geschäftsführer der Sinnvoll Gastro, zu der auch der Lungerer Betrieb gehört, aufgetischt. Dieser war begeistert, und so fanden die Insekten den Weg ins Angebot. Preislich gehören die Insektengerichte aufgrund der Einkaufspreise eher noch zu den kulinarischen «Exklusivitäten», erklärt Schiesser.

Eigentlich passt das Angebot zum Luzerner Gastrounternehmen Sinnvoll Gastro. Man wolle herausstechen und anders sein als die anderen, heisst es auf der Homepage des Unternehmens. Immer mit dabei seien Weitblick, Mut und Verantwortungsgefühl. Zur Sinnvoll Gastro gehören neben dem «Kaiserstuhl» noch die Betriebe «Alpenblick» (Weggis), «Ferus» (Emmenbrücke), «Startklar» (Emmen), «Wetterhorn» (Hasliberg) sowie in Luzern das «Gartenhaus 1313» und das «Grottino 1313». Ob und wann die Insekten auch in diesen Lokalen auf die Teller kommen, ist aber noch völlig offen.

Hinweis

Weitere Infos finden Sie unter www.kaiserstuhl-lungernsee.ch.

Mehlwurmburger und Heuschrecken: Das Restaurant Kaiserstuhl hat als eines der ersten der Zentralschweiz Insekten auf der Karte. Betriebsleiterin Larissa Schiesser und Koch Samuel Jagge sind begeistert – manche Gäste eher weniger. (Bild: Nadia Schärli (25. November 2017))

Mehlwurmburger und Heuschrecken: Das Restaurant Kaiserstuhl hat als eines der ersten der Zentralschweiz Insekten auf der Karte. Betriebsleiterin Larissa Schiesser und Koch Samuel Jagge sind begeistert – manche Gäste eher weniger. (Bild: Nadia Schärli (25. November 2017))

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