Obwalden meldet 47 neue Infektionen in zwei Wochen und ein Todesopfer – wartet mit neuen Massnahmen aber noch zu

Der Kanton Obwalden hat den Grenzwert von 60 Neuansteckungen pro 100'000 Einwohner überschritten. Trotz Empfehlung der Gesundheitsdirektorenkonferenz ergreift er derzeit keine weiteren Coronamassnahmen.

Martin Uebelhart
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Der Kanton Obwalden sei bisher vom Coronavirus weitgehend verschont worden, schreibt das Gesundheitsamt in einer Mitteilung. In den vergangenen Tagen sei die Anzahl an Personen, die an Covid-19 erkrankt seien, allerdings stark gestiegen. In den vergangenen zwei Wochen haben sich 47 Personen mit dem Virus infiziert, aktuell befindet sich eine Person wegen Covid-19 in Spitalbehandlung. Eine Person ist in Folge von Covid-19 verstorben. Es handle sich um eine ältere Person, welche an verschiedenen Vorerkrankungen gelitten habe.

Der Kanton Obwalden hat zudem zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie den Grenzwert von 60 Neuinfektionen pro 100000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen überschritten. Ab diesem Wert empfiehlt die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) die Einführung weitergehender Schutzmassnahmen.

Grossteil der Ansteckungen an zwei isolierten Orten

«Ich verstehe, dass diese Zahlen zu Verunsicherungen in der Bevölkerung führen können», wird Finanz- und Gesundheitsdirektorin Maya Büchi-Kaiser in der Mitteilung zitiert. «Jedoch fallen bei einwohnerschwachen Kantonen wie Obwalden Schwankungen der Fallzahlen in dieser Statistik stärker ins Gewicht.»

Die meisten Ansteckungen seien auf das private Umfeld und den Arbeitsplatz zurückzuführen. Ein Grossteil der aktuell positiv getesteten Personen habe sich an zwei isolierten Orten – einem Alterszentrum und einem Unternehmen – infiziert. Die Betroffenen seien isoliert und deren Kontaktpersonen in Quarantäne versetzt worden.

In Absprache mit dem Kantonsarzt und den umliegenden Kantonen hat sich das Gesundheitsamt laut der Mitteilung entschieden, auf weitere flächendeckende Massnahmen wie eine Maskenpflicht in Verkaufsläden und anderen öffentlich zugänglichen Innenräumen noch zu verzichten. «Wir beobachten die Entwicklung der Fallzahlen aufmerksam, wollen das private und öffentliche Leben momentan aber nicht weiter einschränken», erklärt Maya Büchi-Kaiser weiter.

Contact-Tracing kommt an seine Grenzen

Bei der Beurteilung, ob weitergehende Massnahmen eingeführt werden sollen, seien einerseits gesundheitliche Aspekte zu berücksichtigen, sagt Maya Büchi im Gespräch mit unserer Zeitung. «Es gilt zu beobachten, wie viele Personen erkranken und wie sich die Krankheitsverläufe entwickeln», hält sie fest. Ein Augenmerk liege auch auf der Anzahl der Hospitalisationen. «Anderseits müssen wir auch auf unsere Strukturen und deren Möglichkeiten Rücksicht nehmen», betont die Regierungsrätin. Sie spricht damit das Contact-Tracing an. Dieses werde durch das Gesundheitsamt sichergestellt.

«Bei der derzeitigen Rate von Neuansteckungen kommen wir langsam aber sicher an die Grenze», räumt Maya Büchi ein. Die vier Personen, die derzeit dafür eingesetzt würden, leisteten zahlreiche Stunden und seien teils auch am Wochenende ohne Unterbruch mit Telefonieren beschäftigt. Dabei würden sie nicht nur Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig machen und anrufen: «Sie geben auch Auskunft auf Fragen von Veranstaltern von Anlässen oder aus der Bevölkerung. Aufgrund der aktuellen Situation werden wir das Contact-Tracing ausbauen müssen», so Maya Büchi.

Massnahmen mit den Nachbarn absprechen

Für den Obwaldner Regierungsrat ist klar: Wenn sich die Lage weiter verschärft, wird der Kanton konkrete Massnahmen prüfen und nötigenfalls einführen. «Dabei sollen Massnahmen verordnet werden, die auch eine gewisse Wirkung entfalten», betont Maya Büchi. Angesichts der Tatsache, dass sich derzeit die meisten Personen im privaten Umfeld und am Arbeitsplatz ansteckten, sei eine Maskenpflicht in Läden nicht das Mittel der ersten Wahl. «Wenn man wirksame Massnahmen verordnen will, würde man kaum darum herumkommen, die Teilnehmerzahlen von privaten Anlässen zu begrenzen», hält sie fest. Ebenfalls Einschränkungen wären für öffentliche Veranstaltungen zu erwarten. «Hier müssten wir unter Umständen Auflagen machen, welche die Durchführung für die Veranstalter erschweren», sagt Maya Büchi. Grössere Veranstaltungen könnten sogar grundsätzlich in Frage gestellt werden.

Werden weitergehende Massnahmen ins Auge gefasst, ist nach Meinung der Finanz- und Gesundheitsdirektorin zentral, dass sich die umliegenden Kantone absprechen. «Läuft es doch auch auf eine Maskenpflicht hinaus, macht es wenig Sinn, wenn die Leute in Nidwalden und Luzern eine Maske tragen müssten, in Obwalden jedoch nicht. Oder umgekehrt.»

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus appelliert die Regierungsrätin an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen: «Wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Die bisherigen Hygiene- und Abstandsregeln gelten weiterhin: Abstand halten, sich gründlich die Hände waschen.» Sie gibt zu verstehen: «Eine Schutzmaske zu tragen, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, ist weniger schlimm, als krank zu werden oder in Quarantäne zu müssen.» Bei Krankheitssymptomen soll man zu Hause bleiben.