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OBWALDEN: Nach der Flucht unterwegs zum Traumberuf

Trotz ihrer gefährlichen Flucht und der Sprachbarriere: Zwei junge Flüchtlinge meistern den Weg ins Berufsleben auch dank ihren Arbeitgebern.
Bahram (links) macht die Lehre als Hochbauzeichner, Benhur steht vor der Ausbildung als Automatikmonteur. (Bild: PD)

Bahram (links) macht die Lehre als Hochbauzeichner, Benhur steht vor der Ausbildung als Automatikmonteur. (Bild: PD)

pd/red. Bahram A. und Benhur Y. sind im April 2012 in die Schweiz eingereist. Bahram, ein Afghane, aus dem Iran, Benhur aus Eritrea, beide mit einer langen, traumatischen Fluchtgeschichte, zeitweise mit ihrer Familie, viele Monate auf sich alleine gestellt. Bahram war damals 16, Benhur 18 Jahre alt – und fast seit dem ersten Tag in der Schweiz sind sie beste Freunde. Sie besuchten zusammen gut ein Jahr lang Deutschkurse und anschliessend das integrative Brückenangebot. «Da haben wir sehr rasch Deutsch gelernt, weil wir die ganze Woche über mit Gleichaltrigen zusammen waren und über ganz alltägliche Dinge gesprochen haben», erzählen sie.

Traumberuf Architekt

Bahram erzählt, wie er bereits im Iran Mathematik über alles liebte, seine freie Zeit in Bibliotheken verbrachte, um sich fortzubilden, wie er komplizierte Formeln verschlang, frisch zusammensetzte und auf neue Ergebnisse hoffte. Und schon früh ­wusste Bahram, dass er einst Häuser entwerfen möchte, Grundrisse konstruieren, die möglichst viele geometrische Formen enthalten. Sein Wunsch, eine solche Lehre zu absolvieren, begleitete ihn durch das Brückenangebot; er bemühte sich um einen Schnupperplatz und bewarb sich für eine ­entsprechende Lehrstelle. Und heute ist Bahram im 1. Lehrjahr als Hochbauzeichner – und strahlt über das ganze Gesicht. Seinen Traum hatte er nie aufgegeben, zwei Jahre nach Einreise in die Schweiz konnte er seine Traumausbildung beginnen. Nach der vierjährigen Lehre will er die Berufsmatura machen und dann Architektur studieren. Schritt für Schritt. Benhur besucht heute nach dem integrativen das kombinierte Brückenangebot. Neben den Schulsequenzen ist ein weiterer Schwerpunkt die praktische Arbeit. Auch er strahlt: Er arbeitet als Automatikmonteur und kann im Betrieb, in dem er zurzeit das Praktikum absolviert, im Sommer 2015 die dreijährige Lehre beginnen. Später möchte er den Automatikerfachmann machen und vielleicht anschliessend die Berufsmatura und studieren, Elektro- oder Maschinentechnik. Dass die Menschen in der Schweiz jederzeit Weiterbildungen absolvieren können, fasziniert ihn. «Was für eine tolle Chance, auch für Ältere», sagt er.

Müssen sich anstrengen

Warum ist den beiden jungen Männern gelungen, was nicht allen gelingt? Beide sagen, sie hätten in den Jahren, bevor sie in die Schweiz kamen, viel Schlimmes erlebt und wünschten sich ein besseres Leben. Und beiden sei klar, dass sie sich dafür anstrengen müssten. Sie setzen sich kurzfristige und langfristige Ziele; sie gehen Schritt um Schritt. Beide leben mit ihren Müttern und jüngeren Geschwistern in der Schweiz. Dass ihre Mütter sie psychisch stets aufmuntern, wenn sie einmal traurig sind, sie auffordern, zu lernen, wenn sie einmal keine Lust haben, dass sie sie so umsorgen und so stolz auf sie sind, gebe ihnen Halt und Motivation. Auch von Landsleuten komme viel Lob und das mache sie ebenfalls stolz – sie seien gerne ein Vorbild. Für ihre Geschwister, ihre Landsleute, für Jugendliche aus anderen Ethnien.

Schwierig finden sie, dass in den Schulen Hochdeutsch geschrieben und im Alltag Schweizerdeutsch gesprochen wird. Es gilt, zwei Sprachen gleichzeitig zu lernen. Und noch viel anderes gilt es zu verstehen und zu adaptieren: Neue Normen und Werte, eine fremde Kultur, ein kompliziertes System. Und trotzdem: Glaubt an uns, sagen beide mit einem Zwinkern und strahlen übers ganze Gesicht.

Hinweis

Gschichtä-Znacht, Menschen aus aller Welt bezaubern mit Spezialitäten und Geschichten aus ihrer Heimat: Samstag, 20. Juni, 17 Uhr, Pfarreiheim Sachseln. Erwachsene 20 Franken, Kinder 10 Franken. Anmeldung bis 16. Juni an fluechtlingstag.ow@gmail.com

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