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OBWALDEN: Nach über 50 Jahren Pflege: 7 Meter hohe Agave blüht im Garten

Eine Agave als Zimmerpflanze? Nichts Besonderes – das haben viele. Der Sachsler Malermeister Ruedi Hinter hat seine Agave aber buchstäblich zum Höhepunkt getrieben. Die Blüte ist zugleich das Todesurteil für die Pflanze.
Adrian Venetz
Zurzeit – wohl auch aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen dieses Jahr – blüht im Garten von Ruedi Hinter in Sachseln ein Kaktus. Die Agave Americana kommt normalerweise nur südlich der Alpen. Die Pflanze aus der Tequila gemacht wird hat nun einen spektakulären, 7 Meter hohen Blütenstamm. (Bild: PD)

Zurzeit – wohl auch aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen dieses Jahr – blüht im Garten von Ruedi Hinter in Sachseln ein Kaktus. Die Agave Americana kommt normalerweise nur südlich der Alpen. Die Pflanze aus der Tequila gemacht wird hat nun einen spektakulären, 7 Meter hohen Blütenstamm. (Bild: PD)

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Als 6-jähriger Bub hat Ruedi Hinter eine kleine Agave von seinem Onkel geschenkt bekommen. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hat der heute 61-jährige Malermeister die Pflanze gehegt und gepflegt. Und endlich, endlich ist es so weit: Die Agave americana – so der wissenschaftliche Name – blüht im Garten der Familie Hinter am Birkenweg in Sachseln. «Früher war die Agave in einem Topf», erzählt Ruedi Hinter. Doch die sukkulente Pflanze mit ihren dicken, lanzenförmigen Blättern wurde bald einmal zu schwer und zu gross, um sie jeweils im Haus überwintern zu lassen. «Ein einzelnes Blatt wiegt bis zu 8 Kilo», sagt Ruedi Hinter.

So erhielt die Agave einen festen Platz im Garten. «Bei Wintereinbruch errichteten wir ein kleines Treibhaus, um die Pflanze vor Frost zu schützen. Die ganze Familie hat jeweils geschimpft, wenn es wieder so weit war», erinnert er sich lachend. Umso schöner sei es nun, den Lohn für diesen Aufwand ernten zu können. Stolze 7 Meter hoch ist der Blütenstamm. Am Stock hat er ­einen Umfang von 39 Zentimetern. «Im April begann die Blütezeit, danach wuchs sie etwa 10 bis 15 Zentimeter pro Tag.» Nun geht es langsam dem Ende zu. Und hier kommt der eher traurige Teil dieser Geschichte: Wenn eine Agave americana blüht, ist dies zugleich ihr Todesurteil. Die Pflanze steckt all ihre Energie in die Blüte und stirbt danach ab. «Natürlich ist es schade. Aber dass ich nach 55 Jahren die Blüte meiner Agave erleben kann – das ist schon etwas ganz Besonderes», sagt Ruedi Hinter. Ohnehin hat seine Pflanze bereits mehrmals für «Nachkommen» gesorgt. Agaven bilden sogenannte Kindel, also Seitensprosse, die nach dem Abtrennen von der ­Mutterpflanze als eigenständige Pflanze in die Erde gesetzt werden können.

Auch für Botaniker ein aussergewöhnliches Ereignis

Dass eine Agave nördlich der Alpen blüht, ist extrem selten. 2012 blühte eine Agave americana im botanischen Garten in Basel. «Das ist definitiv eines der Highlights in meiner Amtszeit», sagte damals Betriebsleiter Bruno Erny gegenüber den Medien. Auch der renommierte Botaniker und Sukkulentenexperte Urs Eggli spricht auf Anfrage unserer Zeitung von einem «sehr erfreulichen Ereignis, wenn eine Agave americana blüht». Dass dies in unseren Breitengraden selten sei, liege aber nicht nur an den klimatischen Bedingungen. «Viele Pflanzenhalter lassen ihre Agave gar nicht erst so gross und alt werden, dass sie blühen kann.» Wer es dennoch erleben wolle, brauche viel Geduld und dürfe den dafür nötigen Aufwand – vor allem beim Thema Überwinterung – nicht scheuen.

Nicht zu verwechseln sind Agaven übrigens mit Aloen (z. B. Aloe vera). Die Pflanzen sehen zwar ähnlich aus, unterscheiden sich aber in vielerlei Hinsicht. Eine Aloe vera blüht jährlich, eine Agave dagegen nur ein einziges Mal, und dies erst im hohen Alter. Weil es mehrere Jahrzehnte dauert, bis eine Agave blüht, wird sie im deutschen Sprachraum zuweilen als «Jahrhundertpflanze» bezeichnet.

Ein seltenes Ereignis in unseren Breitengraden: Rund 7 Meter hoch ist der Blütenstamm der Agave im Garten von Ruedi Hinter in Sachseln. (Bild: PD)

Ein seltenes Ereignis in unseren Breitengraden: Rund 7 Meter hoch ist der Blütenstamm der Agave im Garten von Ruedi Hinter in Sachseln. (Bild: PD)

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