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OBWALDEN: Nach vier Jahren wieder arbeitstätig

Wer die Festtage als Arbeitsloser verbringen musste, ist nicht in bester Stimmung. Geldmangel und ein angeknackter Selbstwert drückten aufs Gemüt. Es öffne sich aber immer eine Tür, sagt einer, der diese schwierige Zeit mehrmals durchlebte.
Philipp Unterschütz
Der Gang aufs Regionale Arbeitsvermittlungszentrum fällt vielen Arbeitslosen schwer. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Der Gang aufs Regionale Arbeitsvermittlungszentrum fällt vielen Arbeitslosen schwer. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch

«Brüele bringt nichts. Aus Tränenwasser kann man kein Geld machen.» In diesem Satz von A. (Name der Redaktion bekannt) steckt viel von der Philosophie, die ihm geholfen hat, mit den Unwägbarkeiten des Schicksals umzugehen. «Man muss positiv denkend durchs Leben gehen – wenn man fest an das Gute glaubt, trifft es irgendwann auch ein», sagt der Mittfünfziger in seiner bescheidenen Wohnküche in einer Obwaldner Gemeinde überzeugt.

A. selber ist das beste Beispiel dafür: Anfang Dezember hat er nach vier Jahren Arbeitslosigkeit endlich wieder eine feste Stelle gefunden. «Ich war hin und weg nach der Zusage. Ein besseres Weihnachtsgeschenk konnte es für mich nicht geben», erzählt er strahlend. Die Arbeit gefalle ihm, und auch der Arbeitgeber sei zufrieden mit seiner Leistung. «Ich bin glücklicher als derjenige, der kürzlich im Lotto über 150 Millionen gewonnen hat. Ich konnte meinen Kindern sagen, dass ich das Weihnachtsessen wieder selber zahle.»

Die vergangenen Jahre war es so, dass seine Kinder, die teilweise noch bei ihm leben und bis vor kurzem in Ausbildung waren, etliche Ausgaben übernehmen mussten. «Es war schwer hinzunehmen, dass sie mir finanziell helfen mussten.» Trotz der staatlichen Leistungen, die er erhielt, sei er die letzten zwei Jahre nicht mehr allein über die Runden gekommen.

«Vielleicht kann ich andere etwas aufmuntern»

Weihnachten hätten sie zwar schon immer eher im bescheidenen Rahmen gefeiert. In der finanziell schwierigen Zeit hätten sie dann gar auf einen Christbaum verzichtet. «Das war in meiner Situation halt eine überflüssige Ausgabe, wir haben das Geld fürs Essen gebraucht.» Und beim Fleisch hätten sie bei der Qualität Abstriche machen müssen. Er habe auch bei den Geschenken zurückgesteckt und diese schliesslich selber gebastelt. «Und die Freude meiner Kinder darüber, und dass es für sie keine Selbstverständlichkeit war, nahmen mir das Gefühl, dass ich gar keine andere Wahl hatte und nicht nur freiwillig bastelte.» Das sei fürs Selbstwertgefühl sehr wichtig gewesen. Dank der Familie sei Weihnachten deshalb auch in diesen schwierigeren Zeiten immer ein schönes Fest gewesen. Und da ist sie wieder, die Lebensphilosophie von A.: «Man muss sich auch an Kleinigkeiten freuen und das geniessen, was man eben hat.»

Die Geldprobleme waren nicht das Schlimmste

A. möchte anonym bleiben, ist aber gerne bereit, über seine Feiertagsstimmung als Arbeitsloser und über die Geldprobleme zu sprechen. «Vielleicht kann ich dadurch andere in ähnlichen Situationen beim Schritt ins neue Jahr etwas aufmuntern. Das Schlimmste für mich waren gar nicht die Geldprobleme, sondern die Vorurteile anderer Menschen und ihre Einschätzungen über mich sowie das Gefühl, nicht gehört zu werden, wenn ich Hilfe brauchte.» Deshalb wolle er eben lieber unerkannt bleiben.

Rückhalt in der Familie gefunden

Mehrmals erwähnt A. im Gespräch die Wichtigkeit der Familie. «Immer, wenn ich nach Hause kam, war ich im Himmel. Das gab mir viel Kraft.» Während seiner Stellenlosigkeit verstarb aber noch ein Familienmitglied. Das hat die Situation zusätzlich erschwert. Und trotz solch schwerer Schicksalsschläge dürfe man einfach nie aufgeben, auch wenn eine längere Arbeitslosigkeit natürlich am Selbstvertrauen nage. «Schlimm wird es, wenn man ins Grübeln kommt. Wer keine Stelle hat, soll seine Hobbys pflegen, sich möglichst viel beschäftigen. Ich habe oft in meinem Garten gearbeitet.» Anderen Leuten zu helfen sei auch sehr hilfreich, weil einem ihre Freude und ihr Dank gut täten und auch Anerkennung vermittelten. «Aufgeben ist wirklich keine Option.» Und es sei ganz wichtig, dass man nicht zu viel in die Aussagen von anderen Leuten interpretiere oder darüber nachdenke.

Erfolglose Bewerbungen soll man nicht zählen

Neujahr sei für ihn als Arbeitsloser jeweils nicht besonders schlimm gewesen, erzählt A. «Ich konnte gut abschalten. Meine Stellenbewerbungen habe ich nie gezählt und deshalb auch keine Bilanz gezogen.» Wenn es nicht geklappt habe, sei eine Bewerbung für ihn erledigt gewesen. «Wenn ich diese gezählt hätte, wäre ich wohl verrückt geworden.» Er habe an Neujahr auch gar nicht mehr studiert, was die nächsten Tage bringen würden. «Ich war froh, wenn wir alle gesund waren – das ist ja auch nicht selbstverständlich. Jammern bringt nichts! Geht ein Türchen zu, geht ein anderes auf.»

Hinweis

Wir respektieren den Wunsch von A. nach dem Schutz seiner Privatsphäre und haben deshalb auf Aussagen, die Rückschlüsse zu seiner Person zulassen, bewusst verzichtet.

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