Obwalden
Neuer Lastenhelikopter für Kägiswiler Firma: «Papa Oscar» hat eine neue Heimat

Die Reise von Amerika bis nach Kägiswil war lang. Nach der Anpassung des neuen Lastenhelikopters auf die Schweizer Zulassungsnormen kann das Obwaldner Unternehmen Rotex nun den Helikopter mit der Kennzeichnung «Papa Oscar» einsetzen.

Beat Christen
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Kaum in der Luft, werden mit dem neuen Helikopter verschiedene Arbeitseinsätze getestet: zum Beispiel die Wasserentnahme aus einem Gewässer für Löscheinsätze.

Kaum in der Luft, werden mit dem neuen Helikopter verschiedene Arbeitseinsätze getestet: zum Beispiel die Wasserentnahme aus einem Gewässer für Löscheinsätze.

Bild: PD

Er ist schlank und hat Kraft für drei. Die Rede ist vom Lastenhelikopter vom Typ Kaman K-Max. Gerade einmal drei dieser Helikopter sind in Europa im Einsatz. Alle davon gehören der Kägiswiler Firma Rotex Helicopter AG. Kürzlich hat das Unternehmen eine Ersatzanschaffung getätigt. «Wir sind froh, ist ‹Papa Oscar› nun bei uns», freut sich Urs Riebli, Eigentümer und CEO der Rotex Helicopter AG. «Papa Oscar» ist nicht etwa der Kosename des Helikopters, sondern die in der Fliegersprache gebräuchliche Bezeichnung für die Immatrikulation «PO».

Doch bevor der einsitzige Lastenhelikopter in der Schweiz eingesetzt werden konnte, hat dieser eine mehrwöchige Seefahrt über den Atlantischen Ozean im Bauch eines Frachtschiffes hinter sich bringen müssen. «Wieder an Land, ist der Helikopter im deutschen Bremerhaven flugtauglich gemacht worden», erzählt Urs Riebli. Die Bereitstellung nimmt einige Wochen in Anspruch. Denn es muss die ganze Maschine auf Schweizer Normen angepasst werden. Da es in diesem Fall wegen der Pandemie keine Abnahme des Helikopters in Amerika gab, war Rotex gezwungen, die Abnahme erst nach erfolgtem Kauf in der Schweiz vorzunehmen. Gleichzeitig lief im Hintergrund alles Administrative mit Verzollung und formellen Abwicklungen mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt ab. Kostenpunkt der Anpassungen laut Urs Riebli: «Gut und gerne eine Viertelmillion Franken, was die Anschaffungskosten für das ganze Fluggerät auf 7,5 Millionen Franken ansteigen lässt.»

Arbeitsgerät für die Berge

Weltweit sind bis heute lediglich 55 Exemplare des Helikoptertyps Kaman K-Max gebaut worden. Gemäss Urs Riebli ist er speziell für den Transport von schweren Lasten in schwer zugänglichem Gelände konzipiert worden. Trotz seines geringen Eigengewichts kann der K-Max Lasten bis zu einem Gewicht von 2,7 Tonnen von A nach B fliegen. Rotex setzt den Helikopter oftmals in der Forstwirtschaft ein. «Wir fliegen Holz aus Schutzwäldern, Bachläufen und aus unzugänglichen Gebieten. Oft entfernen wir gefährliche oder kranke Bäume stehend. Das heisst, die Bäume werden nicht im Voraus gefällt, sondern direkt am Heli befestigt und erst dann mit der Motorsäge am Boden vom Strunk getrennt und weggeflogen.»

Eine weitere Besonderheit ist, dass der K-Max mit einer von der Rotex selber entwickelten Greifzange eingesetzt werden kann. Bis es so weit ist, muss der Helikopter aber noch mit einem zusätzlichen Hydrauliksystem ausgerüstet werden. «Ab der Stange ist dann nur noch der Helikopter selber», erzählt der Inhaber der Firma.

KMU mit über 50 Mitarbeitenden

Das Bergen von Baumstämmen gehört zum Kerngeschäft der 1997 in Giswil gegründeten und später nach Kägiswil in die Nähe des Flugplatzes umgesiedelten Rotex. Aber auch Montage- und Demontageflüge für Personenlifte im gesamten Alpenraum stehen schon mal in den Auftragsbüchern. «Nebst den Arbeiten im Alpenraum erhalten wir immer wieder Aufträge bis hin zur Nordsee und England. 90 Prozent der Einsätze sind für das Wohl der Öffentlichkeit und werden immer mit dem Ziel verfolgt, die Arbeiten sicher und unkompliziert mit möglichst wenig Einschränkungen für Dritte auszuführen.»

Als gelernter Forstwart habe ihn die Transportfliegerei schon immer fasziniert, sagt Urs Riebli, der seit 2013 Alleineigner der Firma ist. Heute ist das Unternehmen mit über 50 Fachkräften zu einem stattlichen KMU angewachsen. Die Organisation ist eine der grossen logistischen Herausforderungen. Da im Helikopter K-Max nur der Pilot Platz nehmen kann, muss die Crew und das Material auf dem Boden transportiert werden, «was daher sehr personalintensiv ist».