OBWALDEN: Neuer «Pilatus-Vertrag» bis 2065

«Hart, aber fair» waren die Verhandlungen, um die seit 1885 bestehende Partnerschaft der Korporation Alpnach mit der Pilatus-Bahnen AG zu erneuern.

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Die Kreuzungsstation Ämsigen bleibt eine offizielle Haltestelle. (Bild: Robert Hess/Neue NZ)

Die Kreuzungsstation Ämsigen bleibt eine offizielle Haltestelle. (Bild: Robert Hess/Neue NZ)

«Ziel der Verhandlungen war die Einigung zwischen zwei langjährigen verlässlichen Partnern», sagte gestern der Alpnacher Korporationspräsident Walter Hug. Beim Geschäft handelte es sich um die Erneuerung des am 25. Juni ablaufenden Vertrages zwischen der Pilatus-Bahnen AG und der Korporation Alpnach bis zum 24. Juni 2065. Der neue Vertrag ist am 8. April durch Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk und Direktor Godi Koch als Vertreter der Pilatus-Bahnen sowie Präsident Walter Hug und Korporationsschreiber Klaus Wallimann unterzeichnet worden. Am 5. Mai entscheidet die Korporationsversammlung über den Vertrag.

«Die Verhandlungen waren äusserst hart, aber fair», erklärte Oscar J. Schwenk gestern. Beide Parteien seien sich stets bewusst gewesen, dass sie einander brauchen. «Zum Schluss haben sich alle – ohne Anwälte – an einen Tisch gesetzt, und so konnte eine gute Lösung gefunden werden.»

Boden im Eigentum der Bahnen

Der neue Vertrag löst den ersten Vertrag von 1885 beziehungsweise den verlängerten von 1965 ab. Ein Knackpunkt war vor allem bei der Vertragserneuerung 1965 gewesen, dass die Bürgergemeinde 1885 dem Pilatus-Unternehmen Grund und Boden für die gesamte Bahnanlage und der Hotels auf dem Pilatus «unentgeltlich zu Eigentum» abgetreten hatte, wie aus der Botschaft an die Korporationsbürger hervorgeht.

Sowohl bei der Konzessionserneuerung von 1965 wie auch bei den neuesten Verhandlungen entschloss man sich, den strittigen Punkt des Grundeigentums nicht weiterzuverfolgen, aber eine angemessene Entschädigung der Pilatus-Bahnen an die Korporation für deren Leistungen festzulegen. «Heute würde man den Boden für die Bahn und die Hotels im Baurecht abgeben, doch 1885 gab es diese Möglichkeit noch nicht», sagte Hug.

Probleme mit steigender Dividende

Dem neuen Vertrag sind zweijährige intensive Verhandlungen vorausgegangen. Dabei ging es vor allem um die Höhe der jährlichen Entschädigung der Pilatus-Bahnen an die Korporation. Bei der Vertragserneuerung 1965 war festgelegt worden, dass ein Promille der Einnahmen aus dem Personenverkehr der Zahnradbahn mit der Anzahl der ausbezahlten Dividendenprozente multipliziert wird. Durch die Erhöhung der Dividende in den vergangenen Jahren (2012 und 2013 je 5 Prozent) stieg die Entschädigung überproportional an: von rund 150 000 Franken 2007 auf rund 300 000 Franken 2013.

Deshalb forderten die Vertreter der Pilatus-Bahnen für die Vertragsdauer 2015 bis 2065 eine Änderung des Systems. Nach harten Verhandlungen einigte man sich schliesslich auf eine Entschädigung von jährlich 2,75 Prozent des Gesamtbruttoertrags aus dem Personen- und Güterverkehr der Zahnradbahn des vergangenen Geschäftsjahrs, im Minimum 50 000 Franken. Dazu kommt ein Betrag von 20 000 Franken für Wasserbezugsrechte. Damit hätte sich für 2013 schätzungsweise ein Betrag von 186 000 Franken ergeben, heisst es in der Botschaft.

Korporationspräsident Hug bezeichnet die neue Lösung als angemessen, und man partizipiere an guten Ergebnissen der Zahnradbahn.

Nachhaltige Weiterentwicklung

Der neue Vertrag sieht unter anderem auch ausdrücklich vor, dass die Korporation «auf unternehmerische und nachhaltige Weiterentwicklung der Pilatus-Bahnen eintreten» wolle. Hug nannte beispielsweise den Ausbau der Kreuzungsstation Ämsigen. Diese soll auch weiterhin als offizielle Haltestelle betrieben werden.

Robert Hess