Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: Noch mehr Innovation nötig

Wie kann sich der Kanton nach der Steuerstrategie behaupten? Um eine Aussensicht einzuholen, bat die Regierung gar einen gebürtigen Chinesen um Tipps.
Interview Adrian Venetz
Jie-Wie Chen stammt aus China und lebt mit seiner Familie seit 1996 in Obwalden. Die Regierung hat ihn um eine Stellungnahme zur Strategie 2012+ gebeten. (Bild: Adrian Venetz / Neue OZ)

Jie-Wie Chen stammt aus China und lebt mit seiner Familie seit 1996 in Obwalden. Die Regierung hat ihn um eine Stellungnahme zur Strategie 2012+ gebeten. (Bild: Adrian Venetz / Neue OZ)

Die Obwaldner Regierung hat den Erfolg der vergangenen Langfristigstrategie 2012+ unter die Lupe genommen (Ausgabe vom Mittwoch). In diesem Zusammenhang hat sie auch fünf ausgewählte Personen gebeten, ihre Meinung zu sagen. Unter diesen Personen war auch Jie-Wei Chen.

Die Regierung hat Sie gebeten, die Strategie 2012+ rückblickend zu bewerten. Weshalb gerade Sie?

Jie-Wei Chen: Das weiss ich auch nicht. (lacht) Ich lebe seit 17 Jahren in Obwalden und hatte schon häufig Kontakt mit den Regierungsräten und mit verschiedenen Wirtschaftskreisen. Früher habe ich bei der Firma Leister gearbeitet und zweimal den Schweizer Technologiepreis erhalten. Dabei konnte ich mir natürlich ein Netzwerk aufbauen.

Waren Sie sofort bereit, einen Kommentar zur Strategie 2012+ abzugeben?

Chen: Ja. Das Thema interessiert mich sehr. Und ich sage gerne meine Meinung. (lacht) Als ich 1996 nach Obwalden kam, war noch vieles ganz anders hier. Man spürt schon einen grossen Unterschied.

Welche Veränderungen meinen Sie?

Chen: Einerseits rein optisch: Es sind neue Infrastrukturen entstanden, Tunnel wurden gebaut – und so weiter. Die Bautätigkeit war ja sehr gross in den vergangenen Jahren. Und der zweite Punkt: Als ich damals nach Obwalden gekommen bin, hatte ich den Eindruck, dass alles sehr konservativ ist. Dieser Wechsel vom Leben in Grossstädten wie Schanghai über Heidelberg und Freiburg nach Obwalden – das war schon ein sehr grosser Kontrast. Doch in den letzten sieben bis acht Jahren war deutlich zu spüren, dass sich der Kanton Obwalden nach aussen hin öffnet. Die Regierung ist sehr offen und innovativ – das zeigt sich beispielsweise an der Steuerpolitik. Man spürt die Motivation und den Willen zur Veränderung.

Beruflich haben Sie nicht viel mit Politik zu tun?

Chen: Nein, ich arbeite als Corporate Technology Manager, leiste also hauptsächlich strategische Arbeit für zukünftige Technologien und Märkte.

Strategische Überlegungen sind Ihnen also alles andere als fremd ...

Chen: Genau. Mein beruflicher Hintergrund ist sicher auch ein Grund, weshalb ich zur Strategie 2012+ des Kantons meine Meinung abgeben konnte.

Was haben Sie in Ihrer Stellungnahme geschrieben?

Chen: Positiv beurteilt habe ich vor allem den Willen zur Veränderung. Aber ich habe in meinen Anmerkungen schon auch einige Punkte als Denkanstoss eingebracht.

Zum Beispiel?

Chen:Man muss sich bewusst sein, dass eine solche Steuerstrategie nur bei einem kleinen Kanton wie Obwalden funktioniert. Nach der Einführung einer solchen Steuerpolitik folgt erst eine «Schmerzperiode» – dies wegen sinkender Steuereinnahmen. Ein grosser Kanton könnte dies kaum verkraften. Obwalden ist es gelungen, innerhalb der kurzen Zeit aus dieser schwierigen Phase herauszukommen. Man soll diesen Vorteil weiter sinnvoll nutzen und die neue Möglichkeiten ausbauen.

Also war die Steuerstrategie ein voller Erfolg?

Chen: Ein Ziel der Steuerstrategie ist es ja, die industrielle Landschaft in Obwalden zu verändern, die Bandbreite zu erweitern. Wir haben relativ wenig grosse und innovative Unternehmen wie Leister, Maxon, Sika Sarna. Mit der Steuerpolitik sollte man verschiedene neue Branchen im Bereich Hightech, Forschung und Entwicklung in den Kanton holen. Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: Das ist – bisher zumindest – noch nicht der Fall. Es müssen noch mehr innovative und auch zu unserem Kanton passende Firmen nach Obwalden kommen. Aber vielleicht braucht das einfach noch seine Zeit.

Das Platzangebot in Obwalden ist auch nicht gerade luxuriös ...

Chen:Genau das ist ein Problem. Einerseits kann ein kleiner Kanton wie Obwalden mit dieser Steuerstrategie vieles verändern und Firmen anlocken. Anderseits braucht dies Platz – und genau davon hat es in Obwalden eher zu wenig. Man will ja die schöne Landschaft erhalten – das ist Obwaldens Kapital.

Eine Zwickmühle, aus der es kein Entrinnen gibt?

Chen:Es wäre sehr wichtig, dass die Kantone der Zentralschweiz wirtschaftlich als gemeinsame Region auftreten – zumindest gegenüber dem Ausland. Gerade bei der Ansiedlung von neuen Firmen aus dem Ausland ist eine wirtschaftliche Plattform der gesamten Zentralschweiz langfristig entscheidend. So kann ein kleiner Kanton wie Obwalden auch in der Lage sein, namhafte internationale Unternehmen anzusiedeln. Aber diese interkantonale Zusammenarbeit ist leider stark von gutem Willen und langfristigem Interesse der Kantone abhängig. Das ist nun mal eine Realität.

Das neue Steuersystem war der grosse Coup der Langfriststrategie 2012+. Wo sehen Sie ein neues Alleinstellungsmerkmal für den Kanton Obwalden?

Chen: Wenn ich ehrlich bin: Eigentlich sehe ich momentan keines. Das ist aber nicht negativ gemeint. Ein USP (engl. unique selling proposition – Alleinstellungsmerkmal) kann sich auch erst im Lauf der Zeit entwickeln. Aber dazu braucht man die klare Strategie. Neue USPs zu kreieren ist ein Ziel für die Zukunft und gleichzeitig auch ein Prozess.

Was wäre denn ein mögliches Alleinstellungsmerkmal?

Chen: Dies könnte zum Beispiel die Kantonsschule Obwalden sein. Mein Sohn ging dort zur Schule, und meine Tochter ist immer noch dort. Ich finde, es ist heute schon eine sehr gute Schule. Doch man könnte noch weiteres Potenzial ausschöpfen, sie beispielsweise auf ein internationales Level bringen. So wie die Stiftsschule Engelberg eine zweisprachige Maturität mit integriertem International Baccalaureate eingeführt hat.

Was würde das bringen?

Chen:Wenn ein Unternehmer aus dem Ausland in die Schweiz kommt, sucht er nicht einfach nur den steuergünstigsten Kanton. Er legt auch sehr grossen Wert darauf, dass er seine Kinder in eine qualitativ gute Schule schicken kann. Eine einheimische Schule, in der sich seine Kinder wohl fühlen und Freundschaften fürs Leben schliessen können. Eine Schule, die ihnen ein «Heimatgefühl» vermittelt. Auch dies trägt viel zur Standortattraktivität bei. Eine Kantonsschule auf internationalem Top-Niveau: Dies könnte doch ein wunderschönes Alleinstellungsmerkmal sein.

Sind Sie eigentlich noch oft in China?

Chen: Beruflich habe ich wenige Kontakte zu China. Aber privat reise ich etwa zweimal pro Jahr nach Schanghai, um meine Eltern zu besuchen. Das Leben dort ist natürlich völlig anders als hier in Obwalden. Wenn meine Eltern aus Schanghai zu Besuch in Sarnen sind, sagen sie immer: «Wie kannst du hier nur leben?» Sie finden zwar die Landschaft herrlich, aber es ist ihnen viel zu ruhig. Wenn sie in Obwalden sind, haben sie das Gefühl, sie befinden sich in einer vergessenen Ecke der Welt. Darum bleiben sie höchstens zwei Wochen. (lacht) Ich sage dann jeweils zu ihnen: «Ich weiss, was ihr meint, aber genau diese Ruhe habe ich schätzen gelernt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.