Obwalden
Obergericht weist Beschwerde von Töffraser ab – und erhöht seine Strafe

Der Mann aus Schwyz, der mit über 170 Stundenkilometern in Lungern geblitzt wurde, unterliegt auch vor dem Obwaldner Obergericht mit seiner Forderung nach einem Freispruch.

Lucien Rahm
Merken
Drucken
Teilen

Mit einer 182 PS starken Yamaha des Typs YZF-R1 hat sich der Mann des Rasens schuldig gemacht, als er mit über 170 Kilometern pro Stunde die Brünigstrasse in Lungern hinaufschoss. Das sieht in zweiter Instanz auch das Obwaldner Obergericht so, wie aus seinem Urteil hervorgeht, das nun vorliegt. Wie bereits das Kantonsgericht sehen es auch die Oberrichter als erwiesen an, dass der damals in Schwyz und heute in Zürich wohnhafte Mann im Juni 2017 die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 um mehr als das Doppelte überschritt. Die Kantonspolizei blitzte ihn damals mit 172 Stundenkilometern.

Der Töfflenker selber bezweifelte jedoch die Korrektheit der Messung. Er habe zwar in jenem Moment nicht auf den Tacho geschaut, aber vom Gefühl her sei er höchstens mit 100 Stundenkilometern unterwegs gewesen, sagte er Anfang April vor dem Obergericht. Sein Verteidiger stellte zudem die Tauglichkeit des Gutachtens in Frage, welches das Obergericht bei den Messwissenschaftern des Eidgenössischen Instituts für Metrologie in Auftrag gegeben hatte. Entsprechend forderte der Beschuldigte vor den Oberrichtern einen Freispruch.

Davon hat sich das Obergericht aber nicht beeindrucken lassen. Gemäss seinem Urteil sei das Gutachten «ausführlich, schlüssig und überzeugend begründet». An der Korrektheit der Messung, welche das Gutachten festhält, sei daher nicht zu zweifeln. Lediglich der Winkel, in dem das Radargerät zur Strasse aufgestellt wurde, sei leicht vom vorgeschriebenen Wert abgewichen. Rechne man diese Abweichung vom gemessenen Wert ab, ergebe sich aber immer noch mindestens eine Geschwindigkeit von 167 Stundenkilometern. Das sind zwei mehr als der Wert, für den die Vorinstanz den Mann schuldig sprach.

Beschuldigter fuhr in der Zwischenzeit ohne Fahrausweis herum

Das Obergericht verurteilt den Töfffahrer daher nun zu 16 Monaten bedingter Haft. Damit liegt es einen Monat über der Strafe des Kantonsgerichts. Der Grund für die Erhöhung: Der Mann hat seit dem Vorfall in Lungern weitere Verkehrsdelikte begangen. Ohne Fahrausweis – diesen nahm man ihm nach der rasanten Töfffahrt durch Obwalden umgehend ab – fuhr er mehrmals mit einem Auto herum. Die Staatsanwältin forderte dafür in der Verhandlung eine Erhöhung der Haftstrafe auf 17 Monate. Wie die Vorinstanz legt auch das Obergericht die Probezeit auf vier Jahre fest, weil der Mann vorbestraft ist.

Die Busse der Vorinstanz reduziert das Obergericht hingegen leicht und setzt sie auf 4500 Franken fest. Dies, weil sich die Einkünfte des Beschuldigten leicht verändert hätten. Hinzu kommen Verfahrenskosten von knapp 8400 Franken, die der Mann ebenfalls bezahlen muss. Jedoch wird zur Deckung von Kosten und Busse zunächst sein Yamaha-Töff verwertet, der nach der besagten Fahrt beschlagnahmt wurde. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig: Der Töfffahrer kann es noch bis Anfang Mai ans Bundesgericht weiterziehen.