OBWALDEN: Obwaldner Künstler machen die Sehnsucht fassbar

Im Zeichen der Sehnsucht stand vergangenes Jahr das Schaffen von drei Obwaldner Künstlern. Ihr «Tagebuch der Sehnsucht» erscheint im April 2016

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Romano Cuonz, Franz und Christian Bucher (von links) besprechen ihre Arbeiten im Atelier von Franz und Christian Bucher in Horw. (Bild Corinne Glanzmann)

Romano Cuonz, Franz und Christian Bucher (von links) besprechen ihre Arbeiten im Atelier von Franz und Christian Bucher in Horw. (Bild Corinne Glanzmann)

«Mit Bildern, Tönen und Worten zu erfassen, was vielleicht unfassbar ist.» Dieser Satz steht im ersten Tagebuchtext, den der Schriftsteller, Publizist und Journalist Romano Cuonz für das «Tagebuch der Sehnsucht» verfasst hat – in der Klosterbibliothek Engelberg Anfang Januar 2015, als er mit dem bildenden Künstler Franz Bucher und dem Perkussionisten Christian Bucher an ihrem Kunstprojekt begann. Es ist eines von 23 Projekten, das die Albert Köchlin Stiftung für ihr Kulturprojekt «Sehnsucht» ausgewählt hat. Ein Jahr haben sich die drei Kunstschaffenden mit dem Gefühl beschäftigt. Vergangenes Wochenende haben sie die Arbeiten für ihr «Tagebuch der Sehnsucht», das im April als Buch mit einer CD erscheinen wird, mit einem Treffen im Flüeli-Ranft abgeschlossen.

Sehnsucht hat mit dem Alter zu tun

Die drei Kunstschaffenden sind sich nach diesem Jahr einig: Die Ausprägung der Sehnsucht ist eng mit dem Alter verknüpft. «Je älter man wird, desto mehr verbindet sich Sehnsucht mit Erinnerung», erklärt Romano Cuonz. Man denke vermehrt an die Vergänglichkeit, wenn einen Orte, Bilder und vor allem Sinnesempfindungen wie Gerüche in vergangene Zeiten zurückführten. «Das kann auch wehtun. Und man muss aufpassen, dass man sich nicht darin verliert, sondern weiterhin nach vorne schaut, wie es junge Menschen eher tun.» Christian Bucher, der eine Generation jünger ist, als seine beiden Freunde, bestätigt diese Beobachtung. «Tatsächlich ist für mich Sehnsucht eher mit Aus- und Aufbruch sowie Neugierde verbunden als mit Vergangenheit.»

Überraschender Verlauf

Auch wenn die drei Künstler sich während des Jahres auf eigene Wege begeben haben, zeigen sich immer wieder Berührungspunkte in ihren Arbeiten. Und die Sehnsucht wird damit eben doch irgendwie fassbar. «Die Berge, das Mittelmeer oder auch Frankreich scheinen bei uns allen Sehnsüchte zu wecken. Sie tauchen unabhängig voneinander in unseren Bildern, Klängen und Texten auf», stellt Romano Cuonz fest. Auch Franz Bucher war erstaunt. «Als ich Romanos Texte gelesen habe, fand ich immer wieder Dinge, die ich auch in meinen Bildern dargestellt habe.» Überhaupt sei es überraschend, wie sich die Dinge anders entwickelt haben, als sie ursprünglich angenommen hätten. Während Romano Cuonz mit kürzeren Texten gerechnet hatte, als er schliesslich zu Papier brachte, lief es bei Perkussionist Christian Bucher genau umgekehrt. «Da war eine unerwartete Klarheit und Konzentration. Meine Klangbilder sind viel kürzer geworden, als ich erwartet hatte.» Franz Bucher staunte, wie viele seiner Bilder plötzlich andere Bedeutungen erhielten, wenn er sie vor dem Hintergrund Sehnsucht hinterfragte.

Ein Ideenkatalog

Für ihr «Tagebuch der Sehnsucht» mit CD haben die drei Kunstschaffenden aus dem umfangreichen Sammelgut 365 Bilder (Zeichnungen, Aquarelle, Mischtechnik) von Franz Bucher ausgewählt, zu jedem Monat hat Romano Cuonz einen längeren Text verfasst und Christian Bucher ein Klangbild gestaltet. «Es war eine überraschende und bereichernde Erfahrung zugleich, meine Texte lassen aber vieles offen», fasst Romano Cuonz das Ergebnis für sich zusammen. Und schon ist die Sehnsucht wieder da. Franz Bucher, der seit Jahren jeweils am Morgen oder am Abend ein «Tagesbild» malt, sagt, er sei voller Energie. «Ich hatte viele Einfälle und Impulse, die ich für meine tägliche Arbeit ausschöpfen möchte. Die Tagebuch-Bilder sind für mich ein wunderbarer Ideenkatalog.»

Philipp Unterschütz

Hinweis

Vernissagen «Tagebuch der Sehnsucht» am Freitag, 22. April, im Talmuseum Engelberg und am Mittwoch, 25. Mai, im Museum Bruder Klaus Sachseln.