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OBWALDEN: Oft in der Heimat im Einsatz

Thomas von Wyl aus Kägiswil spielt eine Hauptrolle in der Dok-Sendung über die Rega. Er weiss selber nicht, was da noch auf ihn und uns zukommt.
Interview Markus von Rotz
Notarzt Thomas von Wyl bei Vorbereitungsarbeiten im Rega-Heli in der Basis Wilderswil. (Bild SRF/Peter Mosimann)

Notarzt Thomas von Wyl bei Vorbereitungsarbeiten im Rega-Heli in der Basis Wilderswil. (Bild SRF/Peter Mosimann)

Interview Markus von Rotz

457 000 Zuschauer haben vergangenen Freitag die erste Folge der Dokumentationssendung im Fernsehen (SRF 1) über die Rettungsflugwacht gesehen – 20 000 mehr als die Tagesschau am gleichen Abend. Das entspricht einem Marktanteil von knapp 35 Prozent. Die zweite von total fünf Folgen wird heute Abend um 21 Uhr ausgestrahlt. Darin besucht der Rega-Notarzt Thomas von Wyl unter anderem jene Frau, die am Hausberg Harder bei Interlaken verunfallt ist. Wir wollten von ihm wissen, wie er die Dreharbeiten erlebte und wie sein Alltag fernab der Fernsehkameras aussieht.

Schauen Sie die Sendung selber an?

Thomas von Wyl: Teile davon sah ich ungeschnitten schon während der Produktion, aber die erste Folge habe ich auch erst am Fernsehen geschaut.

Und, zufrieden?

von Wyl: Mit der Arbeit des Fernsehens bin ich sehr zufrieden. Ich bin positiv überrascht, wie gut sie das zusammen- schnitten. Natürlich findet man als eher selbstkritischer Mensch immer etwas, das einen stört. Aber die Reaktionen von aussen waren recht positiv, und es war angenehm, dass das Fernsehen überhaupt nicht sensationslüstern mit uns umging.

In der Einleitung heisst es, die Retter kommen vom Himmel. Fühlen Sie sich wie ein Rettungsengel?

von Wyl: Eigentlich nicht. Primär sind wir ein Rettungsunternehmen mit dem Ziel, unsere Patienten möglichst gut zu versorgen und möglichst rasch in ein geeignetes Spital zu bringen. Einziger Unterschied ist, dass wir auf längere Distanzen mit dem Heli schneller und zum Teil schonender als mit einer Ambulanz unterwegs sein können oder an Orte gelangen, wo man mit dem Auto nicht hinkommt.

Wer Sie hört, merkt an Ihrem Dialekt schnell, dass Sie ein Obwaldner sind – wie viel davon steckt noch immer in Ihnen?

von Wyl: Mindestens 50 Prozent. Nein, mehr. Ich versuche meinen Dialekt zu bewahren, weil ich schlecht andere nachmachen kann. Meine kleine Tochter aber spricht Berner-Oberländer-Dialekt, und meine Frau ist auch aus der Region. Ich bin etwa ein- bis zweimal pro Monat in meiner Heimat. Und wenn wir Richtung Hasliberg fliegen, sagt der Pilot schon mal: Schaut nach links in das schöne Obwaldnerland.

Sie sind in Interlaken und Wilderswil stationiert. Da gibt es sicher zuweilen auch Einsätze in Ihrer alten Heimat ennet dem Brünig?

von Wyl: Das ist nicht selten. Ich bin oft im Hasliberg, in Sörenberg, auf dem Brünig, der Frutt oder im Sarneraatal im Einsatz. In Ob- und Nidwalden ist aber auch sehr oft die Heli-Crew von Erstfeld unterwegs.

Macht es einen Unterschied, ob Sie Bekannte oder Fremde bei einem Einsatz antreffen?

von Wyl: Es ist schon etwas speziell, wenn ich auf der Skipiste, etwa auf der Frutt, wo ich im Skifahren gross geworden bin, jemanden treffe, den ich kenne. Da hält man, wenns die Zeit erlaubt, ein kurzes Schwätzchen. Ganz speziell war für mich kürzlich der Unfall mit dem oberhalb der A 8 hängenden Traktor in Kägiswil, meinem Heimatdorf. Da kommt schon ein besonderes Gefühl auf. (Diese Rettungsaktion wird in der vierten Folge gezeigt).

Wie bringen Sie die Arbeit bei der Rega und als leitender Arzt am Spital Interlaken unter einen Hut?

von Wyl: Als ärztlicher Koordinator auf der Basis Wilderswil bin ich unter anderem für den ärztlichen Dienstplan unserer Basis zuständig. Da kann ich Einsätze im Spital und bei der Rega gut aneinander vorbei planen. Zirka vier Tage pro Monat bin ich als Rega-Notarzt für Einsätze und Ausbildung im Einsatz.

Was reizt Sie an der Abwechslung zwischen Spital und Rega?

von Wyl: Die verschiedenen medizinischen Gebiete sind eine schöne Abwechslung. Als Notarzt bin ich draussen aus ärztlicher Sicht auf mich allein gestellt, das schätze ich. Ich erlebe so neben der Anästhesie und Intensivmedizin am Spital einen ganz anderen Teil der Akut­medizin. Ich möchte die Arbeit bei der Rega keinesfalls missen.

In der Luft sind Sie meist unter Zeitdruck, es geht um Minuten – da kann man schnell kribbelig werden, weil man schneller vor Ort sein möchte?

von Wyl: Unser Heli fliegt schon recht schnell. Aber ja: Als ich bei der Rega begann, war ich angespannter, mit der Zeit wird man ruhiger, auch dank der Einsatzroutine. Es kommt darauf an, was ich aus der Alarmmeldung über den Zustand des Patienten erfahre und wie wichtig der Faktor Zeit ist. Wenn es eilt, ist das ganze Team angespannter und man versucht, möglichst schnell zu sein, wobei die Sicherheit natürlich genau so wichtig ist. Und schliesslich trifft man vor Ort nicht immer genau das an, was beim Alarm erzählt wurde – so gesehen kann ich mich auch nicht immer auf das vorbereiten, was mich dann erwartet.

Und vor Ort müssen Sie schnell reagieren ohne all die Apparate in einem Spital. Das wirkt anspruchsvoll?

von Wyl: Ja, wichtige Entscheidungen vor Ort zu treffen, ist nicht immer einfach. In der Rega treffen wir solche vielfach im Team aus Notarzt, Rettungssanitäter und Pilot. Bei Spezialeinsätzen im Gebirge nehmen wir noch einen Rettungsspezialisten des Schweizer Alpen-Clubs SAC mit. Der Entscheid, in welches Spital wir fliegen, wird zum Beispiel massgeblich vom Piloten beeinflusst, weil auch das Wetter da ein Wörtchen mitreden kann.

In der ersten Folge konnten Sie in einem Fall (Gleitschirm) nicht mehr helfen – wie schwierig ist die Verarbeitung eines solchen Todesfalls? Ist sie anders als im Spital?

von Wyl: Grundsätzlich ist das ähnlich wie im Spital. Aber im kleinen Dreierteam vor Ort ist ein solcher Moment schwieriger zu verarbeiten, man sieht den Patienten womöglich direkt vor sich sterben. Im Spital hat man mehr Leute um sich, die das mittragen.

Man sieht Sie als Arzt in der Sendung kochen und den Heli reinigen – dafür sind Sie doch überqualifiziert.

von Wyl: (lacht) Auf einer Basis sind wir teilweise wie eine kleine Wohngemeinschaft. Da hilft man einander, das gehört dazu und ist auch gut für den Teamgeist. Und apropos Kochen: Gegessen wird alles, es ist primär eine Frage des Hungers.

Welchen Einsatz vergessen Sie nie?

von Wyl: Da gibt es viele. Die schönen sind jene, wo es gut endet oder es positive Rückmeldungen von Patienten gibt. Oft ist auch einfach ein Rückflug im Sonnenuntergang zur Basis ein Genuss. Die negativen Erlebnisse sind vor allem Todesfälle, besonders nahe gehen mir schwere Kinderunfälle oder Bergunfälle von Leuten in meinem Alter, wo oft nicht Unvorsichtigkeit, sondern Pech im Spiel war.

In der zweiten Folge lernt man den Pilot Philipp Simmen als Imker privat näher kennen. Was bekommt man über Sie privat noch zu sehen?

von Wyl: Das weiss ich gar nicht. Es wurden ein paar Sequenzen mit der Familie gefilmt, aber was sie zeigen, weiss ich nicht. Da lasse ich mich überraschen – ich finde es fast spannender, das auch erstmals im Fernsehen zu schauen.

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