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OBWALDEN: Palliative Care ist kein Fremdwort mehr

Die Spitex hat viel in Palliative Care investiert. Seit drei Jahren betreuen Rosmarie Strahberger und ihr Team Patienten und Angehörige.
Romano Cuonz
Rosmarie Strahberger bespricht mit einem Patienten, wie man nach einer Krebsoperation den Blutzuckerspiegel wieder in den Griff bekommt. (Bild Romano Cuonz)

Rosmarie Strahberger bespricht mit einem Patienten, wie man nach einer Krebsoperation den Blutzuckerspiegel wieder in den Griff bekommt. (Bild Romano Cuonz)

«Es kommt auf mich an, aber es hängt nicht von mir ab» lautet der Wahlspruch von Rosmarie Strahberger (50). Sie ist bei der Spitex Obwalden Pflegeexpertin für die Pflege von schwer kranken, sterbenden Menschen und die Betreuung ihrer Angehörigen. Was Rosmarie Strahberger damit anspricht: Palliative Care ist ein Spezialgebiet, das wie kaum ein anderes auf eine gut funktionie­rende Vernetzung aller Beteiligten angewiesen ist. Dazu gehören Pflegende, Spezialisten, Hausärzte, Psychologen, Seelsorger, Sterbebegleiter.

«Wichtig ist, dass wir das interdisziplinäre Team in jedem neuen Fall auf den Patienten bezogen frisch zusammenstellen», sagt die Frau, die mit dem Angebot einer Obwaldner Palliative Care vor mehreren Jahren begonnen hat. Ein Ziel war auch die Ausbildung von weiteren spezialisierten Pflegenden. Um etwas anschaulicher aufzuzeigen, was das Fremdwort Palliative Care bedeutet und welch riesigen Arbeitsaufwand es beinhaltet, darf ich sie zu einem Patienten begleiten.

Praktische und moralische Hilfe

«Nach einer Routinekontrolle sagte mir mein Arzt ganz offen, dass ich todkrank sei. Bauchspeicheldrüsenkrebs!», erzählt Patient A.* (80) aus Obwalden. Was das bedeute, habe er nur zu gut gewusst. Seine Frau sei nämlich einige Jahre zuvor an genau dieser Krankheit gestorben. Jedoch: Seit der willensstarke A. am 13. März nach seiner schweren Operation wieder in seine Wohnung zurückkehren durfte, ist er voll Hoffnung. «Meine Ärzte sagen mir, dass der Tumor entfernt sei und ich weiterleben könne», freut er sich. Und er glaubt auch zu wissen, warum. «Zum einen hat mir mein Glaube geholfen, zum andern haben mich die Pflegenden der Palliative Care praktisch und moralisch so gut unterstützt, dass ich von Tag zu Tag stärker wurde.»

Grosse Arbeit

Die Arbeit allerdings, die dieses «Wunder» ermöglichte, war nicht klein. Rosmarie Strahberger dazu: «In der ersten Zeit besuchten wir A. dreimal täglich. Weil die grosse Operationswunde nicht heilen wollte, vermittelten wir ständig zwischen Patient, Hausarzt und Chirurg. Auch gab es grosse Probleme mit dem Einstellen des Blutzuckers. A. wohnt allein und war erschöpft und überfordert. Brauchte Hilfe! Wir erklärten dann auch seiner Partnerin, wie sie dazu beitragen konnte, dass er wieder stärker und selbstständiger wurde und welche Ernährung den Blutzucker senkt.» Auch Rosmarie Strahberger ist glücklich, dass A. sich heute das Insulin wieder selber spritzen kann, dass hier eine oft unheilbare Krankheit als geheilt erscheint! Die Wundpflege allerdings bleibt Sache der Spitex.

Gespräch ist wichtig

Es muss auch immer Zeit zum Gespräch sein. «Das ist überaus wichtig», weiss Rosmarie Strahberger. Patient und Pflegerin sitzen am Tisch zusammen: Tabellen werden geführt, grosse und kleine Probleme vertraulich besprochen. Wenn immer nötig informiert die Pflegerin auch Ärzte oder andere Personen.

«Palliative Care sollte stets einen Gedanken voraus sein und Reservemassnahmen schon planen, bevor sie eigentlich notwendig werden», postuliert Expertin Rosmarie Strahberger. Zum Beispiel: «Wir müssten im Voraus die Pläne festlegen und die Medikamente vor Ort bereitstellen, falls Schmerzen oder Atemnot zunehmen, unstillbare Blutungen oder andere schwere Probleme zu erwarten sind. Bei der Spitex Obwalden arbeitet in jedem Pflegeteam eine für Palliative Care fachverantwortliche Person mit der nötigen Weiterbildung. Wir entscheiden gemeinsam, für welche Patienten der Palliative-Ansatz gerechtfertigt ist», sagt Rosmarie Strahberger. In solchen Fällen seien stets auch die Angehörigen, die oft genauso Hilfe brauchten, verstärkt im Fokus.

Etwas würde sie sich für die Zukunft noch wünschen, sagt die Expertin: «Dass wir verstärkt mit wirklich allen Obwaldner Ärzten vorausschauende Notfallpläne erstellen könnten.» Ein gründlicher fachlicher Austausch aber sei wegen des hohen Arbeitsanfalls in der Praxis oft nicht planbar. Jedoch: Häufig könne man dem Wunsch von Patienten, zu Hause zu sterben, nur damit besser nachkommen.

Bedarf an Palliative Care steigt

«In den letzten Jahren hatten wir immer mindestens zwei Patienten zu betreuen», sagt Rosmarie Strahberger. «Gleich mehrere Personen berieten, überwachten und unterstützten wir bei belastenden Krebstherapien wie Bestrahlung und Chemo. Die Patientin B.* mussten wir über Infusionen künstlich ernähren.» Häufig komme Palliative Care auch bei fortgeschrittenen Lungenerkrankungen, Nierenversagen oder Herzschwächen zum Einsatz. «Eigentlich müsste unser Angebot bereits beim Überbringen einer schlechten Diagnose erfolgen», denkt Rosmarie Strahberger. In Tat und Wahrheit komme sie aber meist erst dann richtig zum Zuge, wenn die Hoffnung auf Heilung schwinden und die Beschwerden zunehmen würden. Die Arbeit sei übrigens nicht einfach nur traurig. «Wir können Kranke und Angehörige begleiten und zusammen nach Möglichkeiten suchen, um Leiden zu lindern, oder einfach auch einmal aus dem Leben berichten und sogar dann und wann mit ihnen lachen!»

* Namen der Redaktion bekannt.

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