Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: Paul Federer: «Das lachende Auge ist grösser»

Baudirektor Paul Federer geht in Pension. Er zögerte seinerzeit, ob er wirklich kandidieren soll. Doch im Rückblick bereut er nichts, auch nicht die Zeit als Regierungsrat, die geprägt war vom Thema Hochwasserschutz.
Interview Adrian Venetz
Paul Federer im letzten Interview als Regierungsrat: «Das war immer mein Motto: Wenn man mal hinfällt, dann steht man schnell wieder auf und fragt sich, wie man das Beste herausholen kann.» (Bilder: Corinne Glanzmann (Sarnen, 28. Juni 2017)

Paul Federer im letzten Interview als Regierungsrat: «Das war immer mein Motto: Wenn man mal hinfällt, dann steht man schnell wieder auf und fragt sich, wie man das Beste herausholen kann.» (Bilder: Corinne Glanzmann (Sarnen, 28. Juni 2017)

Interview Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Paul Federer, erinnern Sie sich noch an die Anti-Minarett-Abstimmung vom 29. November 2009?

War das wirklich auch an diesem Tag? Das war mir nicht mehr präsent. Aber ich erinnere mich selbstverständlich an diesen Sonntag, an dem ich als Regierungsrat gewählt wurde. Auch übers kantonale Baugesetz mit den gehobenen Wohnzonen wurde an diesem Tag abgestimmt.

Warum haben Sie damals kandidiert? Was reizte Sie an der Aufgabe?

Bereits 2006 hatte ich mit dem Gedanken gespielt, zu kandidieren. Dies nach dem Rücktritt von Regierungsrätin Elisabeth Gander. Als es dann hiess, man habe mit Esther Gasser eine Frau als Nachfolgerin gefunden, verzichtete ich auf eine Kandidatur.

2008 wurden Sie Gemeindepräsident von Sarnen – und bald schon war der Regierungsrat wieder ein Thema.

Ja. Nach dem relativ abrupten Rücktritt von Baudirektor Hans Matter kam FDP-Parteipräsident Boris Camenzind auf mich zu und fragte, ob ich kandidieren wolle. In einer ersten Reaktion schloss ich das aus. In den darauf folgenden Tagen kam ich dann mit verschiedenen Leuten ins Gespräch. Sie meinten, es wäre vor allem bezüglich Hochwasserschutz wichtig, wenn wieder einmal ein Sarner in der Regierung sässe. Anfang Oktober reiste ich mit meiner Frau ins Südtirol in die Ferien. Dort ist der Entscheid gefallen, dass ich kandidiere.

Sie traten gegen den Engelberger SVP-Kandidaten Martin Odermatt an und entschieden die Wahl relativ knapp für sich. Haben Sie die Wahl jemals bereut?

Klar gab es immer wieder Momente, in denen es harzte und in denen es nicht so gut lief. Aber bereut habe ich die Wahl nie. Ich erinnere mich oft an meinen früheren Chef in der Ostschweiz. Er war über 2 Meter gross und etwa 120 Kilo schwer. Und er war in vielen Belangen ein guter Lehrmeister. Er sagte einmal lobend zu mir: «Paul, wenn ich dir sage: ‹Das wird nichts, vergiss das›, dann knickst du zwar ein, aber einen Tag später bist du schon wieder frisch und voller Tatendrang.» Das war immer mein Motto: Wenn man mal hinfällt, dann steht man schnell wieder auf und fragt sich, wie man das Beste aus der neuen Situation herausholen kann.

Sie wurden Gemeindepräsident, danach Regierungsrat. Ist die viel zitierte Exekutiverfahrung wirklich so wertvoll?

Die Exekutiverfahrung ist nicht matchentscheidend für das Amt eines Regierungsrats, aber es ist sicher eine gute Voraussetzung, wenn man als langjähriges Exekutivmitglied in die Kantonsregierung geht. Man kennt Land und Leute und hat schon ähnliche Aufgaben auf kommunaler Ebene gemacht.

Ihre politische Laufbahn begann als Schulrat in Gossau SG. Ein Amt in der Legislative scheint Sie nie gross gereizt zu haben.

Ich hatte tatsächlich nie den intensiven Wunsch, in ein Parlament zu gehen, sondern ich wollte immer Politik machen, wo man etwas bewegen kann. Als Exekutivmitglied ist das eher möglich als in einem Parlament.

Sie sind gelernter Maschinenbau­ingenieur. Wie sehr half Ihnen dieser berufliche Hintergrund als Baudirektor?

Für mich war er sehr hilfreich. Beispiel Hochwasserschutz oder Tunnelbau: Bei Sitzungen mit Planern und Kantonsingenieuren wusste ich, worum es geht. Ich konnte ihren Ausführungen und Berechnungen folgen. Zwingend ist es aber nicht. Mein Vorgänger Hans Matter war ein Bankfachmann, und auch Sicherheits- und Justizdirektor Christoph Amstad ist ein Finanzexperte. Vielleicht brauchen Leute mit einem anderen beruflichen Hintergrund etwas mehr Zeit, um sich einzuarbeiten.

Schon im März 2016 gaben Sie Ihren Rücktritt bekannt. Warum so früh?

Bereits bei den Wahlen 2014 äusserte ich innerhalb des Regierungsrats die Absicht, dass ich überlege, mit 67 Jahren aufzuhören. (Federer erreicht dieses Alter am 14. Juli, Red.) Möglicherweise wird es bei den Wahlen 2018 zu zusätzlichen Vakanzen kommen. Ob weitere Regierungsräte bald aufhören, ist noch offen. Aber wir wollten nicht das Risiko einer 3er-Vakanz in der Regierung eingehen. Wir entschieden dann im Gremium, über meinen Rücktritt frühzeitig zu informieren.

Als Baudirektor standen Sie immer wieder auch in der Kritik, jüngst beispielsweise beim Thema Bauen ausserhalb der Bauzone mit anschliessender Intervention des Bundes. Wo haben Sie rückblickend gesehen Fehler gemacht?

Sie sprechen hier wohl das Schreiben des Baudepartements im April 2016 an das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) an, das auch im Parlament heftige Kritik auslöste. Ich muss aber klar festhalten, dass gerade im Parlament immer wieder moniert wurde, der Kanton nutze seinen Spielraum beim Bauen ausserhalb der Bauzonen nicht aus. Auch der Vorschlag, beim Bund nachzufragen, was denn nun erlaubt sei und was nicht, stammte aus dem Parlament. Also haben wir beim ARE nachgefragt.

Das war ein Fehler?

Rückblickend gesehen ja. Aber irgendwann wäre das ARE sowieso draufgekommen, dass in Obwalden Baubewilligungen ausserhalb der Bauzonen erteilt wurden, die nicht gesetzeskonform sind. Wir waren immer der Meinung, dass wir uns knapp an der Grenze des Erlaubten bewegten, und mussten dann feststellen, dass wir die Grenze deutlich überschritten hatten – deshalb hat uns das ARE zurückgepfiffen.

Heftige Kritik kam kürzlich auch vom Alpnacher Gemeindepräsidenten Heinz Krummenacher: Der Kanton mache bei der Ortsplanung nicht vorwärts, es gebe im Departement grossen Optimierungsbedarf, und er sei froh, dass bald ein neuer Baudirektor die Zügel übernehme.

Der Rundumschlag des Alpnacher Gemeindepräsidenten war ein Schlag unter die Gürtellinie. Und viele seiner Aus­sagen sind schlicht nicht wahr. Die Ortsplanung von Alpnach, die der Baudirektion zur Überprüfung vorgelegt wurde, war so mangelhaft, dass wir uns zuerst überlegten, alles gleich an den Absender zurückzuschicken.

Wie sind Sie mit Kritik umgegangen? Konnten Sie abends jeweils gut abschalten?

Ja. Man liest etwas in der Zeitung, man ärgert sich vielleicht kurz, aber dann geht es wieder weiter. Es gab nur sehr wenige Nächte, in denen ich weniger gut ­schlafen konnte, weil es im Kopf noch «trüllte».

Was haben Sie an Ihrer Arbeit am meisten geschätzt?

Meine Mitarbeiter. Ohne sie geht gar nichts.

Und was mochten Sie an Ihrer Arbeit weniger?

Es gab hin und wieder Sitzungen, von denen man von vornherein weiss, dass es strub zu- und hergehen wird. Die Vorbereitungen auf solche Sitzungen waren nicht immer sehr lustvoll. Umso schöner ist es dann aber, wenn die Sitzung erfolgreich verläuft. Ebenfalls schade ist es, wenn Mitarbeiter gehen, wie zum Beispiel Projektleiter Viktor Schmidiger vor einem Jahr. Aber es zeigt sich dann auch, dass neue Leute ebenfalls einen hervorragenden Job machen, wie etwa Schmidigers Nachfolger Raphael Vonaesch – der ist top.

Was wird Ihr Nachfolger Josef Hess sagen, wenn er seine Arbeit aufnimmt? Sagt er eher: «Meine Güte, hier muss mal kräftig aufgeräumt werden.» Oder: «Ich übernehme ein gut organisiertes Departement»?

Er wird das Zweite sagen. Davon bin ich überzeugt.

Der Hochwasserstollen ist frühestens 2023 fertig. Dann werden fast 20 Jahre vergangen sein seit dem verheerenden Hochwasser. Ist das akzeptabel?

Dass Aussenstehende den Eindruck haben, es habe alles viel zu lange gedauert, kann ich nachvollziehen. Auch ich musste bei meinem Amtsantritt 2010 erst lernen, wie ungeheuer komplex die ganze Gesetzgebung bei der Planung eines solchen Jahrhundertbauwerks ist. Kommt hinzu, dass sehr viele Leute und Interessengruppen ein Wort mitzureden haben – manchmal ist das gut, manchmal weniger. Diese notwendige partizipative Mitwirkung braucht sehr, sehr viel Zeit. Der Hochwasserstollen mit all den zusätzlichen Massnahmen ist nun mal eine «Riesenkiste» für den Kanton.

Man geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie es so schön heisst. Täuscht der Eindruck oder ist bei Ihnen das lachende Auge einiges grösser als das weinende?

Ich bin nun über 51 Jahre berufstätig gewesen, angefangen bei der Lehre als Maschinenzeichner. Ich habe rückblickend nie einen Schritt bedauert, den ich in meinem Berufsleben gemacht habe. Auch jetzt nicht: Ich bin überzeugt, es ist der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt. Mit einem lachenden Auge gehe ich für meine Frau, für unseren jungen Hund – der grosse schwarze ist letztes Jahr gestorben – und für viele Hobbys, die zu kurz gekommen sind. Es gibt ein weinendes Auge, wenn ich an den Abschied von meinen Mitarbeitern denke. Doch es stimmt schon: Das lachende Auge ist grösser.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.