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OBWALDEN: Peter Gautschi: «Es war eine spannende Arbeit»

Peter Gautschi hat heute seinen letzten Arbeitstag. Der Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz blickt auf eine ereignisreiche Zeit zurück.
Interview Adrian Venetz
Peter Gautschi amtete 14 Jahre lang als Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz in Obwalden. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 25. April 2017))

Peter Gautschi amtete 14 Jahre lang als Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz in Obwalden. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 25. April 2017))

Interview Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

14 Jahre lang war Peter Gautschi Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz im Kanton. Heute Freitag heisst es Abschied nehmen. Es ist der letzte Arbeitstag vor der Pensionierung. Im Interview blickt Peter Gautschi zurück und verrät, wer den zweiten Sirenenalarm beim Hochwasser von 2005 ausgelöst hat.

Peter Gautschi, wie hat Ihr Arbeitsalltag ausgesehen?

Es war eine Mehrfachfunktion mit aufgeteiltem Pensum. Zu 60 Prozent arbeitete ich als Feuerwehrinspektor, zu 20 Prozent als Kreiskommandant und zu 20 Prozent als Leiter Zivilschutz. Auch im kantonalen Führungsstab war ich dabei. Neben den Aufgaben innerhalb des Kantons war ich oft auf Bundesebene tätig, beispielsweise bei der schweizerischen Feuerwehrinspektorenkonferenz. Auch durfte ich Einsitz nehmen in verschiedene eidgenössische Kommissionen rund um das Thema Bevölkerungsschutz.

Waren solche Sitzungen auf Bundesebene ein notwendiges Übel? Nach dem Motto: Man trifft sich und langweilt sich am Konferenztisch?

Nein, keineswegs. Nach dem Unwetter 2005 stellten wir beispielsweise fest, dass wir in Sachen Kulturgüterschutz handeln müssen. Und so kam ich in die schweizerische Kommission für Kulturgüterschutz – das war für mich ein neuer und hoch spannender Themenbereich, eine echte Bereicherung. Auch das «Networking», der Austausch mit anderen Kantonen, ist wertvoll und sinnvoll. Momentan läuft die Totalrevision des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes. Da durfte ich im Projektteam mitarbeiten. Natürlich bedeutete die Arbeit auf Bundesebene einen Mehraufwand für mich – regelmässig nach Bern fahren und an stundenlangen Sitzungen teilnehmen. Aber es war eine sehr spannende Arbeit.

Feuerwehr, Zivilschutz, Militär – für welche Organisation schlägt Ihr Herz am meisten?

Da würde ich mich nicht festlegen wollen. Dass ich 2003 diesen Job bekam, lag aber sicher auch an meiner fast 25-jährigen Tätigkeit bei der Feuerwehr der Stadt Luzern – dort durchlief ich die ganze Laufbahn vom einfachen Soldaten bis zum Kommandanten. Von der Feuerwehr habe ich also sehr viel Herzblut mitgebracht. Ein relativ neues Thema war damals für mich der Zivilschutz, der aber bereits sehr autonom organisiert war. Überhaupt durfte ich in all diesen Jahren auf ein hervorragendes Team zählen, das mich stets unterstützte.

Waren Sie als Feuerwehrinspektor bei Brandfällen überhaupt noch nahe am Geschehen oder hat man in diesem Amt eher eine distanzierte Gesamtschau?

Bei einem Unglück, beispielsweise einem Grossbrand oder einem schweren Verkehrsunfall, rückt man als Inspektor nicht selbst als Erster mit Blaulicht aus. Ich habe auch stets bewusst versucht, nicht allzu nahe an der Front zu sein. Dafür haben wir in den Gemeinden hervorragend ausgebildete Einsatzleiter.

Welche Ereignisse sind Ihnen besonders eingefahren?

Da gibt es einige. Wenige Monate nach meinem Amtsantritt war es der Kurhaus-Brand auf Melchsee-Frutt. In Erinnerung bleiben einem natürlich Ereignisse, bei denen Personen zu Schaden kamen oder ihr Leben verloren. Hier denke ich etwa an den schweren Autounfall im August 2013 auf der A8 in Alpnach, bei dem ein Vater und seine zwei Kinder ums Leben kamen. Auch der Flugzeugabsturz in Kägiswil oder der Absturz der F/A-18 beim Lopper bleiben als tragische Ereignisse in Erinnerung.

Hatten Sie als Feuerwehr­inspektor nie den Wunsch, an vorderster Front mitzuwirken – also weg vom Schreibtisch und wieder selbst einen Schlauch in die Hand nehmen?

Nein. Ich war lange genug bei der Feuerwehr an vorderster Front dabei. Und man wird halt auch älter. Da kommen plötzlich jüngere Leute, die einen grösseren Bizeps haben und die Arbeit genauso gut machen.

Bei der Feuerwehr ist man auf das freiwillige Engagement von Bürgern angewiesen. Funktioniert dieses System auch weiterhin?

Nun ja, grundsätzlich steht im Feuerwehrgesetz, dass eine Person zum Dienst verpflichtet werden kann. Aber klar: Man will keine Leute in der Feuerwehr, die dazu gezwungen werden. Wenn ich die aktuellen Bestände der Ortsfeuerwehren in Obwalden anschaue, sind wir gut aufgestellt. Das ist nicht in allen Kantonen der Fall. Trotzdem muss man immer ein Auge darauf haben, dass genügend neue Leute rekrutiert werden. Vor allem in Engelberg müssen wir darauf achten, dass wir genügend Atemschutz-Leute haben. Denn während der Hochsaison haben wir dort fast städtische Verhältnisse. Wenn es in einem grossen Hotelkomplex brennt, zählt jede Sekunde.

Auch Frauen sieht man heutzutage öfter in der Feuerwehr.

Ja, und das ist gut so! In Ob- und Nidwalden absolvieren derzeit mehrere Frauen den Offizierskurs. Die Frauen muss man unbedingt in die Feuerwehr mit einbeziehen. Die machen ihre Arbeit nämlich gleich gut wie wir Männer.

Erfolgt die Alarmierung der Feuerwehrleute immer noch via Pager?

Nur vereinzelt. In Obwalden läuft das praktisch nur noch übers Handy. Beim F/A-18-Absturz hatten wir zwar einen Einbruch des Handynetzes, weil so viele Anrufe ein und aus gingen. Trotzdem konnten wir genügend Leute aufbieten. Viele sind spontan eingerückt, weil sie den Unfall mitbekamen. Einen Ausfall des Handynetzes kann man auch mit Funkgeräten überbrücken.

Und der Sirenenalarm? Ist der noch zeitgemäss?

Bedingt. Die Sensibilität der Bevölkerung ist bei Sirenenalarmen nicht mehr so gross. Auch hier schafft die moderne Technik neue Möglichkeiten. Das Thema krisensichere Alarmierung wird momentan national bearbeitet. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz ist daran, eine App für Smartphones zu entwickeln. Damit können einzelne Personengruppen ganz gezielt alarmiert werden. Beispiel: ein Chemieunfall auf der Autobahn. Sobald sich Autofahrer diesem Unglück nähern, werden sie von der App gewarnt.

Einen «echten» Sirenenalarm in Obwalden gab es letztmals beim Hochwasser vor 12 Jahren, oder?

Ja. Kleine Anekdote hierzu: Ich war damals der Auslöser für den zweiten Alarm. Ich stand beim Kreisel Sarnen Süd und sah, wie die Eisenbahnbrücke zusammenbricht. Sofort fragte ich mich: Wie können wir die Leute im Lido- und Campinggebiet warnen? Deshalb entschied ich, den Sirenenalarm auszulösen. Das Problem dabei: Damals konnten wir noch nicht einzelne Sirenen ansteuern, deshalb heulten sie im ganzen Sarneraatal. Mit enormer Wirkung: Die Giswiler dachten, der Lungerer Damm sei gebrochen. Die Alpnacher meinten, die Schliere überflute gleich das ganze Dorf. Für eine Radiomeldung, wie das bei Sirenenalarm nötig wäre, reichte die Zeit nicht. Für die Auslösung dieses Sirenenalarms kriegte ich dann später einen kleinen Rüffel von der Politik.

Das Hochwasser 2005 bedeutete eine Zäsur für den Bevölkerungsschutz in Obwalden.

Absolut. Das Hochwasser ist noch immer sehr präsent. Bei Versicherungsfragen und Hochwasserschutzprojekten nimmt man immer wieder Bezug auf das Jahr 2005. Aus dem Hochwasser haben wir auch enorm viel gelernt, etwa in den Bereichen Kulturgüterschutz, Notversorgung, Schutzbauten, Führungsstab, Materialausrüstung – um nur einige zu nennen.

Sie sehen nicht aus wie einer, der pensioniert wird – eher topfit und voller Tatendrang.

(lacht) Danke. Ich gehe mehrmals pro Woche ins Fitness und steige gern aufs Bike. Eine neue Aufgabe wartet bereits auf mich: Ab 1. Mai werde ich neuer Stabschef der Gemeindeführungsorganisation Sachseln.

Was bringt die Zukunft?

Drei Enkelkinder halten mich und meine Frau auf Trab. Ein Hobby möchte ich weiterhin pflegen: das Töfffahren mit Kollegen. Zudem will ich wieder etwas öfter ein paar Fingerübungen auf dem Schwyzerörgeli machen. Ich bin nicht besonders talentiert, aber das ist egal.

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