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OBWALDEN: Pfarrer und Fasnächtler Willi: «Ich finde den Heimweg jeweils noch»

Pfarrer Bernhard Willi ist ein Stammgast an der Sarner Fasnacht. Als Papst verkleiden würde er sich zwar nicht. Doch wenn andere das tun, hat er dafür vollstes Verständnis.
Interview Adrian Venetz
Der Sarner Pfarrer Bernhard Willi im Pfarrhaus mit einer Maske, die er für Bekannte aufbewahrt. An der Fasnacht trägt er selber keine Masken – «man kennt mich». (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 7. Februar 2017))

Der Sarner Pfarrer Bernhard Willi im Pfarrhaus mit einer Maske, die er für Bekannte aufbewahrt. An der Fasnacht trägt er selber keine Masken – «man kennt mich». (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 7. Februar 2017))

Interview Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Bernhard Willi (50), Sarner Pfarrer und Dekan für Obwalden, ist seit Jahren als begeisterter Fasnächtler unterwegs und geniesst das närrische Treiben. Im Interview erklärt er, was er an der Fasnacht schätzt. Und warum er gerne eine eigene Produktionshalle besässe.

Bernhard Willi, Sie stammen ursprünglich aus Zürich. Haben Sie Ihre Liebe zur Fasnacht in Obwalden gefunden?

Nein, schon viel früher. Vermutlich liegt das etwas in den Genen. Meine Mutter stammte aus Nidwalden, so kam ich schon als Kind immer wieder mit dem Thema Fasnacht in Berührung. Verstärkt hat sich dies dann während des Theologiestudiums in Luzern Anfang der Neunzigerjahre. Da war es praktisch unmöglich, der Fasnacht zu entgehen. Selbst im reformierten Zürich gibt es übrigens eine Fasnacht.

Sie machen seit Jahren am grossen Umzug der Lälli-Zunft mit. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe eine kreative Ader, die ich an der Fasnacht gerne aus­lebe. Denn Fasnacht hat für mich viel mit Kreativität zu tun. Deshalb war ich 2006 erstmals mit dem Seelsorgerteam am Fasnachtsumzug der Sarner Lälli-Zunft unterwegs. Plötzlich kamen die Ministranten und fragten, ob sie nicht auch mitmachen dürften. Und so kommt es, dass der Pfarrer immer vor der Fasnacht in seiner Freizeit im Keller des Pfarrhauses am Basteln ist. Leider habe ich nur eine kleine Werkstatt. Mein Traum wäre es, eine grosse Halle zu haben.

Ernsthaft?

Ja, da könnte man sich so richtig ausleben und für die Fasnacht basteln. Für den grossen Umzugswagen konstruieren wir in den Tagen und Wochen vor der Fasnacht «modulweise» nur einzelne Teile, weil wir nicht genügend Platz haben. Erst am Fasnachtssamstag setzen wir dann das Ganze in der Werkstatthalle eines Kirchenratsmitglieds zusammen.

Ein gewisses handwerkliches Geschick bringen Sie vermutlich auch aus Ihrer ursprünglichen Berufswahl mit ...

Ich habe tatsächlich Tiefbauzeichner gelernt, bin also Konstrukteur. Für den Bau des Fasnachtswagens fertige ich aber nur kleine Skizzen an – den Rest habe ich im Kopf.

Gehen Sie auch voll verkleidet an die Fasnacht?

Nein, Masken habe ich bisher nie getragen. Man kennt mich, wenn ich an der Fasnacht unterwegs bin. Ich finde es sehr spannend, an den Fasnachtstagen mit so vielen Leuten ins Gespräch zu kommen – und plötzlich ist es 4 Uhr morgens.

Besuchen Sie auch andere Fasnachtsanlässe? Luzern? Basel?

Nach Luzern gehe ich ab und zu auch gern, wenn es die Zeit zulässt. Die Basler Fasnacht würde mir wohl eher weniger zusagen. Dort herrscht eine relativ klare Trennung zwischen Fasnächtlern und Zuschauern. An der Strassenfasnacht in Luzern oder in Obwalden ist das anders. Ich könnte niemals nur als Zuschauer und «in Zivil» bei einem Fasnachtsumzug dabei sein. Das würde ich nicht aushalten. Entweder bin ich voll dabei oder gar nicht.

Auf der Webseite der Christlichen Mission Freiamt steht Folgendes: «Die heutige Fasnacht ist das Produkt von heidnisch-okkultem Götzendienst, religiösem Brauchtum und dem Erlebnishunger einer Spassgesellschaft. Vor allen drei Elementen warnt uns das Wort Gottes.» Was sagen Sie zu Ihrer Verteidigung?

(lacht) Da gibt es nichts zu verteidigen. Es ist in der Tat so, dass das Vertreiben des Winters ein heidnischer Brauch ist. Später hat die Kirche an solche Bräuche angeknüpft. Vermutlich handelt es sich bei diesem Zitat um die Meinung einer evangelischen Freikirche von eher strenger Provenienz. Das entspricht aber absolut nicht dem katholischen Verständnis von Fasnacht. Lebensfreude, auch wenn sie überschwänglich ist, gehört zur katholischen Kirche.

An der Fasnacht fliesst der Alkohol. Auch bei Ihnen?

Natürlich trinke auch ich gern ein Glas an der Fasnacht.

In rauen Mengen? Einen Schnaps nach dem andern?

Nein, nein! Ich finde den Heimweg ins Pfarrhaus jeweils noch (lacht). Alkohol war seit jeher ein Bestandteil an der Fasnacht. Ich glaube aber, dass dies nicht mehr so schlimm ist wie früher.

Wie meinen Sie das?

Heutzutage kann man ja jeden Tag irgendwo an eine Party gehen, wenn man das möchte. Viele Leute brauchen die Fasnacht als «Ventil», als Gelegenheit zum Überborden gar nicht mehr. Aber die Fasnachtszeit im Mittelalter oder in der Renaissance – da ging vermutlich wirklich die Post ab.

Die Fasnacht ist oft auch die Zeit von kürzeren und längeren amourösen Abenteuern. Dieses Thema müssen Sie sich abschminken ...

Das ist natürlich klar. Aber das wäre ohnehin nicht mein Verständnis von Fasnacht. Ich mag das Verkleiden, das Kreative, die Umzüge, die Wagen, die lockere Atmosphäre und das Zusammensein mit den Menschen.

Dann und wann sieht man an der Fasnacht Leute, die sich als Papst oder als Nonne verkleiden. Haben Sie ein Problem damit?

Absolut nicht! Auch hier findet man bereits im Mittelalter entsprechende fasnächtliche Sitten. Das gemeine Volk verkleidet sich als Obrigkeit, und die Kirche war damals ein Teil dieser Obrigkeit. An der Fasnacht wird die Ordnung auf den Kopf gestellt – die Narren regieren. Solche Kostüme gehören deshalb zur Fasnacht. Aber zugegeben, bei mir wäre es eher unpassend, wenn ich mich als Papst verkleiden würde ...

Haben Sie auch an der Fasnacht ein offenes Ohr für ernsthafte Anliegen?

Auf jeden Fall. Natürlich stelle ich mich nicht am Sarner «Metzgern»-Ball in eine Ecke und rufe: Wer ein Problem hat, soll vorbeikommen. Aber es kommt durchaus vor, dass man an der Fasnacht in ein ernsthaftes Gespräch verwickelt wird. Und das ist in Ordnung so, das gehört zum Leben.

Bilden sich nach der Fasnacht lange Schlangen vor dem Beichtstuhl?

Nein. Die Zeit dieser klassischen Form des «Beichtens» ist in unseren Breitengraden nicht mehr gross vorhanden. Es gibt vor Weihnachten und Ostern Angebote zur Beichte in der Kapuzinerkirche, und wir veranstalten Versöhnungsfeiern, früher nannte man sie Bussfeiern. Aber Einzelbeichtgespräche gibt es in dieser Form kaum mehr. Und wenn, dann finden sie in meinem Sitzungszimmer und auf Anmeldung statt. Ich sass noch nie im Beichtstuhl der Sarner Pfarrkirche.

Nach der Fasnacht kommt das Fasten. Auch bei Ihnen?

Ich versuche mich bei gewissen Dingen etwas einzuschränken. Aber nicht unbedingt im Sinne von Essensverzicht. Der Fastenbegriff sollte in der heutigen Zeit etwas umfassender verstanden werden. Ich wünsche mir eher eine Art geistiges Fasten – und für die jüngere Generation zum Beispiel eine «Handy-Fastenzeit».

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