OBWALDEN: Polizei legt illegalen Sprayern das Handwerk

Sie versprayten diverse Gebäude und Bahnwagen. Die Polizei kam der losen Gruppierung auf die Schliche. Ein Mann ist weitgehend geständig. Die Spuren gehen bis ins Ausland.

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Illegale Sprayer trieben zwei Jahre lang in Obwalden ihr Unwesen. (Symbolbild: PD (18. April 2013))

Illegale Sprayer trieben zwei Jahre lang in Obwalden ihr Unwesen. (Symbolbild: PD (18. April 2013))

Ein 23-jähriger in Obwalden wohnhafter Mann hat zugegeben, dass er zusammen mit anderen Sprayern in einer losen Gruppierung zwischen Frühjahr 2014 und vergangenem Sommer in Obwalden verschiedene Objekte illegal besprayte, vor allem im Bereich der Bahngleise und der Autostrasse A 8, an Bahnwagen, Mauern und Fassaden von Gebäuden. Die Schadenssumme allein im Kanton Obwalden dürfte über 40000 Franken betragen.

«Es war ein Glücksfall, dass wir den Sprayer erwischten. Das gelingt sonst selten», sagt Christoph Fries, Leiter der Obwaldner Kriminalpolizei, auf Anfrage. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte er nicht weiter ausführen, wie die Polizei dem illegalen Sprayer auf die Schliche kam.

Polizei fand Sprayutensilien

Auf jeden Fall hat sich ein dringender Tatverdacht ergeben, worauf die Polizei am Wohnort des Tatverdächtigen im vergangenen Sommer eine Hausdurchsuchung durchführte und dabei umfangreiche Sprayutensilien sowie Datenträger sicherstellen konnte. Der Mann wurde in Untersuchungshaft genommen. «Damit wollten wir verhindern, dass er sich mit seinen Komplizen absprechen konnte», so Fries.

Sie sprayten verschiedene Buchstabenkombinationen, eine Art Handschrift, an gut sichtbare Orte. «Sie wollten möglichst viel Aufmerksamkeit erregen in der Szene.» Zudem habe der Befragte das illegale Sprayen als Kunst bezeichnet, als eine Form sich auszudrücken. Warum diese Leute dafür nicht einen der zahlreichen legalen Orte in Obwalden benutzten, erklärt sich Christoph Fries mit dem Kick, etwas Verbotenes zu tun. Der Preis, den die Sprayer dafür bezahlen, steht noch nicht fest, da das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft noch läuft. Doch nebst Zivilforderungen in der Höhe von über 40000 Franken müssen sie sich strafrechtlich unter anderem wegen Sachbeschädigungen und der Störung des Eisenbahnverkehrs verantworten.

Auch im Ausland illegal gesprayt

Die Spur zieht sich über die Kantons- und Landesgrenze. Im Zuge der grossen Ermittlungen, auch in Zusammenarbeit mit weiteren Polizeistellen im In- und Ausland, wurden vier weitere, nicht in Obwalden wohnhafte Beschuldigte eruiert. Diese kommen ebenfalls für umfangreiche Sachbeschädigungen, vorwiegend in anderen Kantonen, in Frage. Während der besagte mutmassliche Täter, der laut den Ermittlungen auch in anderen Kantonen sowie im grenznahen Ausland ähnliche Delikte beging, an die Staatsanwaltschaft Obwalden verzeigt wird, sind die Ermittlungen in den weiteren Fällen noch nicht abgeschlossen.

Die Kantonspolizei bittet die Bevölkerung zu melden, wenn sich beispielsweise Personen verdächtig verhalten bei Fassaden oder entlang von Bahngleisen und Strassenanlagen.

Im vergangenen Jahr registrierte die Zentralbahn (ZB) 13 Fälle von Sprayereien an Fahrzeugen, Gebäuden und Infrastrukturanlagen auf ihrem Bahnnetz (2015 zehn, 2014 neun). «Sprayereien erfolgen oft auch wellenartig und in nicht regelmässigen Abständen», sagt ZB-Mediensprecher Peter Bircher. Die Schadensummen seien immer schwierig abzuschätzen, pro Jahr seien es aber mehrere tausend Franken. «Bei Sprayereien erstellen wir grundsätzlich Strafanzeige, in den meisten Fällen gegen unbekannt.» Besonders neuralgische Punkte gebe es nicht.

 

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch