OBWALDEN: Priska Nufer hadert mit der Nichtselektion

Ein «Diskussionsfall» sei Priska Nufer (24) gewesen, meldete Frauen-Cheftrainer Hans Flatscher Anfang Woche. Die Selektionskommission entschied sich schliesslich gegen die Speed-Spezialistin aus Lungern und bot sie nicht für die WM auf.

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Bestreitet FIS-Rennen in Schruns statt die WM in St. Moritz: Priska Nufer (24). (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Bestreitet FIS-Rennen in Schruns statt die WM in St. Moritz: Priska Nufer (24). (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Auch mit ein wenig Abstand schwanke die Stimmung noch, sagt Nufer. «Es ist ein bisschen Achterbahn-mässig», führt sie aus. Am Montag sei die Enttäuschung gross gewesen, mit jedem weiteren Tag glaube sie, die Nichtnomination besser akzeptieren zu können.

Dass sie in der WM-Abfahrt nicht zum Zug kommen würde, war Nufer bewusst. So klassierten sich in der laufenden Saison fünf andere Fahrerinnen einmal in den Top 7 oder zweimal in den Top 15 und erfüllten damit die Kriterien. In Nufers Leistungsausweis stand bisher nur der 8. Platz von Zauchensee – also nur die Hälfte des geforderten Solls.

Vor zwei Jahren war es genau umgekehrt

Für den Super-G war die Sachlage hingegen weniger klar: «Da machte ich mir Hoffnungen», sagt Nufer. In dieser Disziplin erfüllten mit Lara Gut und der Schwyzerin Corinne Suter nur zwei Athletinnen die Anforderungen des Verbands. Für die anderen beiden Startplätze standen nebst Nufer noch Joana Hählen und Jasmine Flury zur Auswahl. Sie alle qualifizierten sich nur halbwegs: Hählen mit einem 8. Platz, Flury mit einem 11. und Nufer mit einem 12. Alle drei erzielten ihr Bestergebnis im Super-G von Val d’Isère eine Woche vor Weihnachten. Letztlich gab die schlechtere Platzierung den Ausschlag. Und damit hadert Nufer. «Dass bei Erfüllen der halben Quali die bessere Platzierung zählt, wurde uns nicht so kommuniziert. Ich dachte deshalb, dass es ein entscheidendes Training zwischen uns gibt, so wie in der Abfahrt», sagt sie. Die Laufzeiten von Val d’Isère machen die Nichtnomination noch ein wenig bitterer. Flury war nur drei Hundertstel schneller als Nufer und klassierte sich eine Position vor der Obwaldnerin.

Nufers jetzige Situation steht derjenigen von 2015 diametral entgegen. Damals erhielt sie ein Aufgebot, unerwartet und auf den letzten Metern. Vor der WM in Vail/Beaver Creek sass die Obwaldnerin bereits auf gepackten Koffern, mit dem Ziel, die Europacup-Rennen in Hinterstoder zu bestreiten. Die Reiseroute änderte sich spontan, und Nufer flog Richtung Nordamerika an die Titelkämpfe, wo sie in der Kombination und im Super-G startete.

Nun wird Nufers Wettkampfsaison nicht an den Weltmeisterschaften, sondern an den FIS-Rennen im österreichischen Schruns fortgesetzt. Davor stehen Konditions- und Riesenslalom-Trainings in der Agenda. «Ich freue mich auf den Riesenslalomblock, so kann ich mich technisch weiterentwickeln», sagt sie. Ihren nächsten Einsatz auf höchster Stufe bestreitet Nufer beim Heim-Weltcup in Crans-Montana – eine Woche nach der WM. Dort würde sie allzu gerne brillieren. Es wäre eine Möglichkeit, den Selektionären zu beweisen, dass sie mit ihrer Entscheidung falsch lagen.

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch