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OBWALDEN: Pro Senectute: Trauerkaffee trifft einen Nerv

Sterben ist für viele ein Tabuthema. Weil das Reden über den Verlust geliebter Menschen oder die Angst vor dem eigenen Tod trotzdem gut tut, bietet die Pro Senectute seit Oktober das Trauerkaffee an.
Franziska Herger
Das Anzünden einer Kerze, um den Verstorbenen zu Gedenken ist ein verbreitetes Ritual. Manchmal reicht dies aber nicht aus, um die Trauer zu verarbeiten. (Symbolbild) (Bild: Archiv LZ)

Das Anzünden einer Kerze, um den Verstorbenen zu Gedenken ist ein verbreitetes Ritual. Manchmal reicht dies aber nicht aus, um die Trauer zu verarbeiten. (Symbolbild) (Bild: Archiv LZ)

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Ein Trauerkaffee – das müsste doch eigentlich eine deprimierende Angelegenheit sein? «Ganz im Gegenteil», meint Margrit von Wyl-Ulrich, die den Anlass seit Oktober an jedem ersten Mittwoch im Monat in den Räumlichkeiten der Pro Senectute in Sarnen anbietet. «Die Leute gehen am Schluss immer zufrieden, niemand ist traurig.» Das Trauerkaffee sei gut angelaufen, sagt die diplomierte Sterbe- und Trauer­begleiterin. «Es kommen jeweils etwa vier bis fünf Leute. Sie sind alle im Pensionsalter und haben kürzlich oder vor längerer Zeit einen geliebten Menschen verloren.» Margrit von Wyl möchte die Kaffeerunde aber noch bekannter machen. Sie habe bei ihrer Arbeit immer wieder gemerkt, dass viele Fragen zum Thema Sterben offen seien. «Das Thema interessiert die Menschen durchaus, aber niemand traut sich so recht, darüber zu reden. So kam es zum Trauerkaffee.»

Viele Leute seien sich zwar der Endgültigkeit des Todes bewusst, sagt die Sarnerin. «Aber wenn es dann wirklich so weit ist, haben die meisten Angst – nicht nur für sich selber, sondern auch für die Angehörigen, die sie alleine zurücklassen.» Diesem Tabuthema nähert sich Margrit von Wyl beim Trauerkaffee behutsam, wie sie sagt. «Ich wähle jeweils ein Thema für die Runde und mache eine kurze Einleitung, sei es durch ein Zitat, eine Lesung oder eine kurze Meditation. Danach frage ich die Teilnehmer, was das Thema für sie bedeutet.» Dabei käme es jeweils zu regen Diskussionen unter den Teilnehmern.

Offen für alle Altersgruppen und Religionen

Beim nächsten Trauerkaffee am 10. Januar lautet das Thema Spiritualität. Man müsse aber nicht spirituell sein oder an ein Leben nach dem Tod glauben, um an der Kaffeerunde teilzunehmen, sagt von Wyl. «Wir sind völlig offen für alle Altersgruppen und Religionen. Und wer nicht erzählen möchte, darf auch nur zuhören oder einfach wieder gehen.» Es tue den Teilnehmern aber merklich gut, über ihre Verluste oder die Angst vor dem eigenen Tod zu reden. Dabei gebe es durchaus auch Tränen. Margrit von Wyl ist eine Verfechterin des Gefühlezeigens. «Mein grösster Rat an Hinterbliebene ist, den Tränen freien Lauf zu lassen und sie nicht hinunterzuschlucken. Weinen löst den Seelenschmerz.» Zwischendurch werde in der Runde aber auch herzlich gelacht. Das Trauerkaffee sei auch eine Art Selbsthilfegruppe, sagt von Wyl. «Jeder trägt den anderen, wir gehen gemeinsam weiter.»

Und auch ganz praktische Fragen nach der Vorbereitung auf den Tod beantwortet Margrit von Wyl im Trauerkaffee, etwa zu Patientenverfügungen oder zur Organisation der Beerdigung. Diese Mischung von Persönlichem und Praktischem ist für Margrit von Wyl ganz natürlich. «Der Tod gehört ja zum Leben dazu.»

Hinweis

Das nächste Trauerkaffee findet am Mittwoch, 10. Januar, bei der Pro Senectute an der Marktstrasse 5 in Sarnen statt. Weitere Infos: www.trauerbegleitung-ow.ch

«Wer nicht erzählen möchte, darf auch nur zuhören oder einfach wieder gehen.» Margrit von Wyl, Organisatorin Trauerkaffee

«Wer nicht erzählen möchte, darf auch nur zuhören oder einfach wieder gehen.» Margrit von Wyl, Organisatorin Trauerkaffee

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