OBWALDEN: Regierung für 115-Millionen-Franken-Stollen

Ein 6,6 Kilometer langer Stollen vom Sarnersee zum Wichelsee soll das Dorf Sarnen künftig vor Hochwasser schützen. Die Obwaldner Regierung hat sich für das 115-Millionen-Projekt und gegen den Ausbau der Sarneraa ausgesprochen.

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Baudirektor Paul Federer (links) und Projektleiter Viktor Schmidiger geben Einblick in das umfangreiche Hochwasserschutz-Dossier. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Baudirektor Paul Federer (links) und Projektleiter Viktor Schmidiger geben Einblick in das umfangreiche Hochwasserschutz-Dossier. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Im Jahr 2005 setzte die reissende Sarneraa Teile des Kantons Obwalden sowie das Dorf Sarnen meterhoch unter Wasser. Mit dem grössten Hochwasserschutzprojekt in der Geschichte des Kantons will die Regierung solche Katastrophen künftig verhindern.

Die Sarneraa mit dem geplanten Hochwasser-Entlastungsstollen. (Bild: PD)

Die Sarneraa mit dem geplanten Hochwasser-Entlastungsstollen. (Bild: PD)

Nach langem hin und her und eingehender Prüfung entschied sich die Regierung für den Bau eines Hochwasserentlastungsstollens östlich von Sarnen, wie sie am Donnerstag bekannt gab.

Der Stollen habe im fachlichen Vergleich um bis zu 20 Prozent besser abgeschnitten als die anderen beiden Varianten, sagte Projektleiter Viktor Schmidiger. Zur Diskussion standen auch die Verbreiterung und Tieferlegung der Sarneraa sowie eine Nullvariante ohne zusätzliche Schutzmassnahmen.

Unterirdischer Bypass

Geplant ist ein rund 6,6 Kilometer langer Stollen, der beim Sarnersee bei Sachseln beginnt und unterhalb des Wichelsees in die Sarneraa führt. Daneben sind entlang des Flusses im Dorf ein Hilfswehr zur Regulierung des Sarnersees, eine neue Brücke, Ufersanierungen und ein Ausbau des Flussbetts geplant.

Die Kosten für das Projekt liegen bei 115 Millionen Franken. Dafür sollen der Bund, der Kanton sowie die Gemeinden Sarnen, Sachseln und Giswil aufkommen.

Volksabstimmung im Herbst 2014

Das Kantonsparlament soll die Vorlage im Frühling 2014 beraten. Die Volksabstimmung ist für den 28. September vorgesehen. Die Bauarbeiten sollen insgesamt sechs Jahre dauern.

Das Obwaldner Volk wird über das Projekt und die Finanzierung abstimmen müssen, ohne genau zu wissen, wie sich Bund, Kanton und Gemeinden die Kosten letztlich untereinander aufteilen werden.

Neue Steuer während bis 20 Jahren

Der Bund legt die Höhe seiner Beteiligung voraussichtlich erst 2016 nach Vorliegen des vom Kanton bewilligten Projekts fest. Die Beteiligung wird minimal bei 35 und maximal bei 65 Prozent liegen.

Die Obwaldner Regierung will das Projekt mit einer zusätzlichen kantonalen Steuer während 15 bis 20 Jahren finanzieren. Für die Zwecksteuer soll der Staatssteuerfuss von 2,95 auf 3,05 Einheiten steigen. Die Gewinnsteuer für Unternehmen wird entsprechend von 6,0 auf 6,1 Einheiten angehoben.

Die Zwecksteuer bedeutet einen Aufschlag von rund 1,1 bis 1,3 Prozent auf der Steuerrechnung. Dies sei wenig im Verhältnis zu den seit 2006 im Kanton Obwalden realisierten Steuersenkungen, sagte Finanzdirektor Hans Wallimann. Die Steuerbelastung ging seitdem um mehr als 25 Prozent zurück.

Langer Weg zum Hochwasserschutz

- August 2005: Das Hochwasser überschwemmt weite Teile der Zentralschweiz und legt unter anderem den Obwaldner Hauptort Sarnen still. Bereits in den Vorjahren war der Sarnersee mehrmals über die Ufer getreten.

Um Sarnen künftig vor solchen Überschwemmungen zu schützen, will man ein Hochwasserschutzprogramm erarbeiten. Dabei geht es vor allem darum, die Abflusskapazität der Sarneraa zu erhöhen.

- Herbst 2007: Regierung und Kantonsrat sprechen sich - insbesondere aus Kostengründen - für eine Verbreiterung und Tieferlegung der Sarneraa aus. In Sarnen bildet sich eine Opposition, die einen Schaden für das Ortsbild befürchtet; sie plädiert für einen Entlastungsstollen. Das Obwaldner Volk spricht sich jedoch in der Volksabstimmung für das Projekt der Regierung aus.

- Sommer 2009: Das konkrete Bauprojekt löst ein politisches Beben aus. Statt der veranschlagten 47 Mio. Franken rechnet man nun mit 76,5 Mio. Franken für die Verbreiterung und Tieferlegung der Sarneraa. In der Kritik steht insbesondere Baudirektor Hans Matter, der auch bei anderen Projekten Mehrkosten verantworten musste. Er zieht die Konsequenzen und tritt als Regierungsrat zurück.

Mit den Mehrkosten verliert das Hauptargument für das Projekt, die günstigere Lösung, an Gewicht. Die Opposition wittert Morgenluft und lanciert die Volksinitiative "Bergvariante Ost" (Stollenlösung) fest.

- September 2010: Bei der Kantonalen Abstimmung kann das Volk zwischen der Initiative "Bergvariante Ost" und dem Gegenvorschlag von Regierung und Kantonsrat wählen. Letztere wollen auch eine Stollenvariante West prüfen lassen; zusammen mit der Tieferlegungen lägen dann drei vergleichbare Varianten vor. Doch das Volk gibt der Volksinitiative "Bergvariante" Ost den Vorzug.

- 2010-2013: Die beiden Varianten (Entlastungsstollen Ost resp. Verbreiterung und Vertiefung der Sarneraa) werden als Bauprojekte ausgearbeitet und vergleichen. Experten geben der Stollenvariante klar den Vorzug gegenüber der Verbreiterung und Tieferlegung der Sarneraa.

- Januar 2014: Die Regierung präsentiert das Projekt für einen 6,6 km langen Entlastungsstollen vom Sarner- zum Wichelsee. Die Kosten werden auf 115 Mio. Franken veranschlagt. Zur Finanzierung soll während 15 Jahren eine zusätzliche Steuer von etwas mehr als einem Prozent erhoben werden.

sda