OBWALDEN: Schärmä-Erweiterung in Sarnen: Nachbarn blitzen vor Gericht ab

Erstmals äusserte sich ein Gericht in der Auseinandersetzung um die Schärmä-Erweiterung in Sarnen. Wie die politischen Vorinstanzen weist es die Beschwerden als unbegründet ab.

Markus von Rotz
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Übergabe des «Schmetterling»-Projekts an die Gemeinde. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 3. November 2014))

Übergabe des «Schmetterling»-Projekts an die Gemeinde. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 3. November 2014))

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

Seit die Gemeinde Sarnen im November 2014 den Quartierplan fürs Projekt Schmetterling, einen Erweiterungsbau der Alters­residenz am Schärmä, genehmigt hat, liegen Nachbarn im Clinch mit der Bauherrin. Nachdem sie beim Gemeinde- und beim Regierungsrat mit ihren Beschwerdepunkten abgeblitzt waren, ­haben sie im März 2017 das Obwaldner Verwaltungsgericht angerufen. Ihre Anträge lauteten auf Aufhebung des Quartierplans, neutrales Gutachten zur Eingliederung des Neubaus ins Quartier und einen Augenschein zur Klärung der Auswirkungen des Projekts auf ihre Liegenschaften. Der erstmalige Weg an ein Gericht hat sich für die Beschwerdeführer nicht gelohnt. Neben einer Abweisung der Beschwerde gab es noch eine dicke Rechnung: Sie sollen je 8000 Franken Gerichtskosten und Parteientschädigung an die Bauherrin übernehmen. Doch der Reihe nach.

Vorwurf I: Zu wenig Abstand

Die Einsprecher monieren, die Abstandsvorschriften würden nicht eingehalten. Das Gericht wendet ein, ein Quartierplan erlaube es gerade, gesetzliche Abstände zu unterschreiten. Zudem dürfe die Strasse zwischen den Häusern der Beschwerdeführer und dem Neubau eingerechnet werden. Man rede also von einem Abstand von minimal 14,5 Metern. Höchstens an einer Stelle könnte der Abstand um wenige Zentimeter unterschritten werden.

Vorwurf II: Schattenwurf und fehlende Aussicht

Das aus Sicht der Anwohner überdimensionierte Projekt – wir reden hier von 78 Metern Länge, 35 Metern Breite und 17 Metern Höhe – beeinträchtige die Aussicht erheblich und vermindere den Wert ihrer Liegenschaften, beklagen sie neben massivem Schattenwurf. Das vom Volk genehmigte Bau- und Zonenreglement gebe den Behörden «einen grossen Ermessensspielraum», räumt das Verwaltungsgericht ein. Es bestehe zudem «kein Anspruch auf uneingeschränkte Aussicht», zudem hätten die Anwohner schon immer damit rechnen müssen, «dass dort dereinst grössere Bauten entstehen werden», da es sich um eine Zone für öffentliche Bauten und Anlagen handle. Von einer Wertminderung könne man demnach nicht sprechen. Auch gebe es keinen Anspruch darauf, «dass das heute mit Kleingärten belegte Baugebiet auf unbestimmte Zeit nicht überbaut werde». Schliesslich wäre der Schattenwurf «nur unwesentlich» geringer, wenn das Gebäude niedriger wäre.

Vorwurf III: Abrupter Übergang zur Bauzone

Die Einsprecher befanden überdies vor allen drei Instanzen, das fünfgeschossige Projekt berücksichtige die nahe feingliedrige Einfamilienhaussituation nicht und führe zu einem «abrupten Übergang zu den angrenzenden Bauzonen». Ihre Wohnhäuser würden geradezu erdrückt. Das Vorhaben sei auch in den Augen der Fachleute als «eher wuchtig und dominant» erkannt worden, bestätigt das Verwaltungsgericht, aber im Siedlungsbild Sarnens könne es «als Teil eines Gürtels von Grossbauten südlich des Dorfkerns gelesen werden». Dazu gehörten Kantonsschule, Kantonsspital oder die Grossbauten an der Militärstrasse (Zeughaus). Die Frage der Eingliederung könne «nicht nur aus der kleinräumigen Perspektive der Anwohner beurteilt werden». Sie hätten von einer für sie günstigen Situation profitiert, aber keinen Anspruch, «dass sich hieran nichts ändert». Schliesslich sei es im Interesse der Gemeinde, dass die räumliche Anordnung ökonomisch effiziente Abläufe ermögliche, weil sie die Pflege-Restkosten übernehmen müsse. Ein Gutachten und einen Augenschein brauche es nicht, weil das Bauvorhaben ausreichend dokumentiert und den Richtern die Lage vor Ort bekannt sei.

Hanspeter Kiser, Präsident der Stiftung Zukunft Alter – Wohnen und Betreuung, zeigte sich «erfreut und erleichtert» über die zügige Behandlung und Abweisung der Beschwerde. Das mache «Hoffnung, dass dem Notstand an Plätzen für stark Pflegebedürftige und von Demenz betroffenen Menschen» bald abgeholfen werden könne. Die Beschwerdeführer haben über einen Weiterzug ans Bundesgericht noch nicht entschieden.