Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: Schlachthaus-Gegner kämpfen weiter

In Kerns ist ein neues Schlachthaus geplant, sehr zum Ärger der Anstösser im Industriegebiet Sand. Nach einer erfolglosen Aufsichtsbeschwerde verlangen sie jetzt eine Umzonung – mit Hintergedanken.
Franziska Herger
Das Schlachthaus Ei in Sarnen ist in die Jahre gekommen. Nun wird ein Neubau in Kerns geplant. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 29. August 2017))

Das Schlachthaus Ei in Sarnen ist in die Jahre gekommen. Nun wird ein Neubau in Kerns geplant. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 29. August 2017))

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Der Streit um den geplanten neuen Schlachthof in Kerns geht in die nächste Runde. «Wir geben nicht auf», sagt Beschwerde­führer Erwin Odermatt, nachdem der Regierungsrat vergangene Woche die Aufsichtsbeschwerde ablehnte, mit der er und seine Mitstreiter einen Volksentscheid über das Projekt verlangten (wir berichteten).

Jahrelang hatte die Genossenschaft Schlachthaus Ei vergeblich nach einem neuen Standort für das in die Jahre gekommene Schlachthaus Ei in Sarnen gesucht – das einzige im Kanton. Im September beauftragte der Kantonsrat gar die Regierung, bei der Suche zu helfen. In Kerns wurde man endlich fündig. Geplant ist ein Schlachthof mit Notschlachtstelle auf 1900 Quadratmetern an der Industriestrasse, der nach Informationen unserer Zeitung rund 5 Millionen Franken kosten soll. Unbeirrt vom Misserfolg ihrer Aufsichtsbeschwerde wollen der ehemalige Kantonsrat Erwin Odermatt, Inhaber der an das Schlachthaus-Grundstück anstossenden Odermatt Gebäudesanierung AG, und Heinz Egger, der auf der anderen Strassenseite ein Fachgeschäft für Kosmetik betreibt, den Schlachthof nun mit einem Umzonungsgesuch an die Gemeinde verhindern.

Hoffnung auf Suche nach einem neuen Standort

Eigentliches Ziel der Gegner, denen sich auch ein privater Anstösser angeschlossen hat, ist aber nicht die verlangte Sondernutzungszone, über die das Volk abzustimmen hätte. «Wir hoffen, dass die Verantwortlichen stattdessen umdenken und einen neuen Standort für den Schlachthof suchen», sagt Odermatt. «Wir wollen nicht, dass die Genossenschaft viel Geld mit der Planung eines Projekts verliert, das wir verhindern werden.» Hauptproblem sei die Erschliessung, führt Odermatt aus: «Die Zufahrt zur Industriestrasse von der Stanser­strasse her ist nicht breit genug für das zu erwartende Verkehrsaufkommen. Die bestehenden Betriebe werden dadurch massiv behindert.» Der Langsamverkehr mit Traktoren, Anhängern und Lastwagen aus dem ganzen Kanton durch das Dorf Kerns sei auch aus Umweltgründen nicht zumutbar. Die Gegner vermuten zudem Expansionspläne. «Nach unseren Informationen ist ein Grossschlachthof für die ganze Region geplant. Das sprengt den Rahmen der Industriezone», sagt Erwin Odermatt.

Expansionspläne sind «nicht konkret»

André Windlin, Genossenschafts- und Kernser Gemeindepräsident, widerspricht: «Unser Einzugs­gebiet umfasst neben Obwalden heute schon Nidwalden, die Luzerner Südgemeinden und das Haslital.» Angesprochen auf Informationen unserer Zeitung, wonach auch die Metzgerei Gabriel aus Wolfenschiessen künftig in Kerns schlachten lassen wolle, räumt Windlin ein, dass bilaterale Gespräche stattgefunden hätten. «Konkrete Pläne gibt es aber nicht.»

An der Informationsveranstaltung für die Anstösser Ende Ja­nuar hatte Windlin, der aktuell für den Kantonsrat kandidiert, von «2 Lastwagen, 10 Kleintransportern, 18 Autos und Geländefahrzeugen mit Anhängern und 2 Traktoren mit Anhängern» gesprochen, die künftig jeden Montag am Schlachttag in Kerns auffahren könnten. Er bleibt dabei. «Würden wir den Betrieb einmal ausweiten, bräuchte es einen zweiten oder dritten Schlachttag, aber es gäbe nicht mehr Verkehr am gleichen Tag.» Die Erschlies­sung sei bei der Zonenplanänderung bereits geklärt worden. «Das muss nicht bei jedem Projekt neu angeschaut werden.» Das Baugesuch will die Genossenschaft im Sommer einreichen.

Einen Alternativstandort auf dem heutigen Werkplatz des A8-Sicherheitsstollens erachtet Windlin als «denkbar, aber kritisch, weil der Platz nicht eingezont und erschlossen ist». Auch der Standort Gorgen in Giswil, welchen der Kanton nach Informationen unserer Zeitung eine Zeit lang für das Schlachthaus in Betracht zog, ist keine bessere Lösung, erklärt Baudirektor Josef Hess: «Der Standort Gorgen ist das einzige eingezonte Land, das wir im Moment anbieten könnten. Der gegen das Projekt in Kerns geäusserte Einwand, dass der Schlachthof in die Nähe von Wohngebieten kommt, gilt im Gorgen aber noch ausgeprägter.»

Auch der Gorgen in Giswil ist aus dem Rennen

Nach Informationen unserer Zeitung verhandelt der Kanton bereits mit einem neuen Kaufinteressenten über dieses Land. Aus heutiger Sicht spricht für Hess nichts gegen den Standort Kerns. «Klappte es nicht, müsste die ­Genossenschaft weiterschauen.» Die Gegner sind derweil entschlossen. «Wird das Baugesuch eingereicht, machen wir Einsprache», sagt Erwin Odermatt. Bis das einzige Obwaldner Schlachthaus ersetzt wird, könnte es in diesem Fall noch lange dauern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.