OBWALDEN: Schlanker und süffiger erster Jahrgang

Seit drei Jahren ziert der Landenberg nicht nur als Burghügel, sondern auch als Weinberg den Kantonshauptort. Jetzt wurde der allererste Jahrgang des edlen Saftes vorgestellt.

Primus Camenzind
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Weinbauer Peter Krummenacher (Mitte) im Gespräch mit Rebstockbesitzern. (Bild Primus Camenzind)

Weinbauer Peter Krummenacher (Mitte) im Gespräch mit Rebstockbesitzern. (Bild Primus Camenzind)

Wer sich am Samstag an historischer Stätte ein Stelldichein gab, war nicht nur Weinkenner oder -geniesser. Auf Einladung des Weinbauern Peter Krummenacher und seiner Ehefrau Karin Dähler fand sich vielmehr der überwiegende Teil der 200 «Rebstockbesitzer auf Zeit» zum Apéro ein, um die Ernte 2012 – den roten und den weissen «Landenberg» – zu kosten.

Von den rund 2000 Rebstöcken am Landenberg bewirtschaftet die Familie Krummenacher aus Kägiswil rund 10 Prozent während einer bestimmten Vertragsdauer für Besitzer auf Zeit. Den Inhabern einer entsprechenden Leasingurkunde wird pro Jahr und Stock eine Flasche eigener Wein als Rendite garantiert. Dieser Nutzen wurde ebenfalls im Rahmen des Apéros fällig.

An origineller Idee beteiligen

«Allein schon die Idee, an wunderbarer Stätte einen hervorragenden Wein anzubauen, finde ich genial», erklärt Mitbesitzer Alfred Tschanz aus Sarnen. «Als Weihnachtsgeschenk habe ich für meine Familienmitglieder je einen Rebstock geleast.»

Ähnlich tönt es bei Josef Windlin aus Kerns: «Ich kenne das Leasingsystem schon seit 1969 aus der Autobranche. Wenn schon ein Weinbauer aus Obwalden auf diese originelle Idee kommt, muss man sich doch beteiligen», macht er kein Geheimnis daraus, dass fast seine ganze Familie zu den Rebstockbesitzern gehört.

Erste Ernte im vergangenen Jahr

Die Entwicklung des Weinbergs sei seit Beginn des Anbaus im Frühjahr 2010 «wunderbar geraten», so Peter Krummenacher im Gespräch mit unserer Zeitung. Das erste Jahr diente der Stabilisierung des terrassierten Weinberges, damit die Rebstöcke gesetzt werden konnten. Das folgende Jahr brachte ausreichend Zeit zur Weiterentwicklung der Reben, und im vergangenen Jahr konnte erstmals geerntet werden. «Mit der Traubensorte Cabernet Jura könnte man eigentlich einen kräftigen Rotwein produzieren. Die erste Ernte haben wir aber bewusst so gekeltert, dass ein schlanker, eleganter und süffiger Landwein entstand.»

Jetzt auch Obwaldner Staatswein

Der kalte Mai des laufenden Jahres führt nach Aussagen von Peter Krummenacher dazu, dass die Vegetation hinterherhinkt. «Das bedeutet jedoch noch lange kein verlorenes 2013. Entscheidend ist, dass ab jetzt das Wetter mitspielt. Die Reben werden zirka am 25. Juni blühen. «Wir brauchen weder beim Roten noch beim Weissen Angst zu haben, dass die Weine im Herbst nicht erntereif sein werden», erklärt der Weinbauer.

Obwohl Peter Krummenacher nicht die Fremdfinanzierung des Weinbergs beabsichtigt, wäre er glücklich, alle 2000 Rebstöcke verleasen zu können. «Das würde dazu führen, dass der Landenberg-Wein nur jenen zukommt, die Mitbesitzer sind.» Der Weinbauer lässt seiner Fantasie freien Lauf: «Wir könnten so hier oben alljährlich eine richtige Wein-Landsgemeinde abhalten.» Immerhin: Auf Anregung aus dem Regierungsrat wurde bereits von der ersten Ernte ein Teil als «Obwaldner Staatswein» abgefüllt.

Weitere Rebberge werden in Zukunft kaum mehr dazukommen, betont Krummenacher, «da würde meine Frau nicht mitspielen, denn wir haben so schon alle Hände voll zu tun – schliesslich sind wir auch noch ausserhalb des Rebbaus erwerbstätig», gibt er zu verstehen.