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OBWALDEN: Scholanda zaubert gute Laune in Alltag

Alle vier Wochen kommt Clownin Scholanda alias Jolanda Durrer ins Alterszentrum Allmend in Alpnach. Ihr Publikum sind vor allem demente Bewohner.
Marion Wannemacher
Scholanda (Jolanda Durrer) im spielerischen Gespräch im Alterszentrum in Alpnach. (Bild Marion Wannemacher)

Scholanda (Jolanda Durrer) im spielerischen Gespräch im Alterszentrum in Alpnach. (Bild Marion Wannemacher)

Es ist Freitagnachmittag, 15 Uhr. Im dritten Stock sitzt eine Tischrunde beim Dessert. Es sind Bewohner aus Stock zwei bis vier, einige von ihnen dement, andere brauchen Hilfe beim Essen. Heute kommt Jolanda Durrer alias Scholanda, die Clownin. Mit einer «Tschifere» auf Rädern tritt sie schwungvoll aus dem Lift, tritt an den Tisch, begrüsst erst alle gemeinsam und macht dann die Runde zu jedem Einzelnen. Stolz präsentiert sie heute ihr neues Frühlingskleid den Bewohnerinnen, dreht und wendet sich vor ihnen.

Konstantin frisst Fruchtsalat

Konstantin, ihre Schildkröte, will auch «Grüezi» sagen. Schnell findet er den Weg zum Teller von Frau Schöni* (Namen der Bewohner geändert), denn die isst gerade Fruchtsalat. Bereitwillig schiebt sie ihm ein Bröckchen auf den Tellerrand. Scheinbar macht sich Konstantin darüber her. «Passen Sie auf, dass er Ihnen nicht alles wegisst», warnt Scholanda. Niemanden stört hier, dass Konstantin aus Plüsch und eine Handpuppe ist. «Wo geht ihr mit dem hin?», fragt eine ältere Frau und möchte wissen, wo Konstantin wohnt.

Scholanda versteht sie sofort und erklärt ihr, die Schildkröte wohne bei ihr auf dem Balkon. «Hat der ein Bett?», möchte eine Heimbewohnerin wissen, und Scholanda erklärt, dass Konstantin in einem Holzbett aus Stroh und Zeitungsschnipseln schlafe – fast wie auf der Alp in einer «Taaschtere». Sie wendet sich an Frau Bucher. «Wissen Sie, was eine ‹Taaschtere› ist?» Es entwickelt sich eine Diskussion über den Mundartbegriff für Heubett.

«Da müssen Sie mich wecken»

«Ja, die Schildkröte gibt zu reden», sagt Pflegerin und Betreuerin Silke Thoma mit einem Augenzwinkern. «Sie kommen freier aus sich heraus, wenn das ‹Tier› zu ihnen spricht. Wenn wir am Morgen ankündigen, dass heute Scholanda kommt, sagen viele: ‹Oh, da müssen Sie mich wecken, damit ich rechtzeitig da bin›.» Silke Thoma arbeitet schon sieben Jahre in der Allmend. «Scholandas Auftritte bringen Spass und Auflockerung, sie macht das toll», findet sie. Als sie einmal mit ihnen musiziert und gesungen habe, hätten die älteren Leute gar nicht aufhören wollen.

Nach Flop nicht aufgegeben

Zur Clownerie kam Jolanda Durrer über die Stiftung Theodora, die für kranke Kinder mit Spitalclowns Freude in den Spitalalltag zaubert. Eine Spontan-Bewerbung wurde zwar ein Flop. Sie aber blieb am Ball und absolvierte eine Ausbildung an einer Clownschule in Basel. Heute trainiert sie regelmässig mit einer Clownpartnerin. «Unser Fernziel ist ein Bühnenprogramm.» Seit einem Monat hat sie neben dem Engagement in Alpnach auch eines in der Sarner Altersresidenz Am Schärme.

Wer ist Jolanda Durrer? «Ich bin sehr spontan, offen, tolerant, lebensfroh, geniesse das Leben, ähnlich wie meine Clownperson. Da sind sicher Parallelen», sagt die 31-Jährige, die in Kägiswil als Kindergärtnerin arbeitet. Aufgewachsen ist sie in St. Niklausen. «Als Kind haben mir Clowns eher Angst gemacht. Vor allem die, die ganz geschminkt waren und direkt auf einen zukamen.»

«Auch gut, wenn es leise ist»

Vielleicht ein Grund für ihre Empathie. Mit viel Fingerspitzengefühl geht Scholanda auf jeden ein, der Interesse zeigt. Sie muss nicht zwingend lustig sein: «Ich habe Vertrauen, dass es auch gut ist, wenn es mal leise ist.» Erfolg ist für sie, «wenn jemand gar keine gute Laune hat und sie durch mich bekommt – – und wenn demente Menschen plötzlich klare Momente haben.»

Vreny in der Tischrunde mag Konstantin nicht. Sie selbst hat einen Berner Sennenhund als Plüschtier bei sich. Scholanda strahlt und zieht zur Überraschung der älteren Leute ihren Berry aus der Tschifere: Er gleicht ihm aufs Haar. Die beiden Plüschtiere tollen am Tischrand miteinander herum – auch eine Kommunikation. Gross ist die Freude, als Scholanda ihren Berry der Tischnachbarin von Vreny für vier Wochen anvertraut. «Er macht hier Ferien», sagt sie. So können beide nun bis zum nächsten Besuch miteinander spielen.

Die Zeit vergeht schnell. Plötzlich ist sieben Minuten nach halb drei, die Pflegerin aus dem ersten Stock schaut vorsichtig, wo Scholanda bleibt. «Sie werden unten schon sehnsüchtig erwartet», sagt sie ihr. Scholanda winkt zum Abschied – bis zum nächsten Mal.

Marion Wannemacher

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