OBWALDEN: Schon Kälteschock ist lebensgefährlich

Der Mann, der im Sarnersee ums Leben kam, befand sich etwa 15 Minuten lang im eiskalten Wasser. Ohne Leiter war es ihm praktisch unmöglich, an Bord zu gelangen.

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Auf diesem Kiestransporter (Schiff im Vordergrund) geschah der tragische Unfall. (Bild: Kapo OW)

Auf diesem Kiestransporter (Schiff im Vordergrund) geschah der tragische Unfall. (Bild: Kapo OW)

ve/cri. Nach dem tragischen Unglück vom Mittwoch (siehe Ausgabe von gestern) wartet die Staatsanwaltschaft Obwalden nun auf die Ergebnisse einer rechtsmedizinischen Untersuchung. Bis das schriftliche Gutachten vorliege, werde es wohl zwei bis drei Wochen dauern, sagte der stellvertretende Oberstaatsanwalt Bernhard Schöni gestern.

Aufgrund der telefonischen Vorinformation durch den Gerichtsmediziner könne allerdings bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass der verunglückte Schiffsführer bei Bewusstsein war, als er ins Wasser fiel, sagt Bernhard Schöni. Der Mann befand sich während rund 15 bis 20 Minuten im kalten Wasser, bevor er von einem anderen Boot an Land gebracht werden konnte.

Schiff zeigte keinerlei Mängel auf

Dass der 57-jährige Giswiler nicht selbst an Bord des Kiestransporters gelangen konnte, liegt an der Bauweise des Schiffs: Die Oberkante der Reling befindet sich 1,2 Meter über der Wasseroberfläche. «Eine Leiter, die vom Wasser aufs Schiff führt, ist bei solchen Transportschiffen nicht vorgeschrieben und daher meistens nicht vorhanden», sagt Schöni. Er betont: «Das Schiff und die Ausrüstung an Bord erfüllten sämtliche Sicherheitsvorschriften und Normen.»

Der Schiffsführer war am Mittwochnachmittag während einer Bergungsübung samt einem sogenannten Enterhaken ins 4 bis 5 Grad kalte Wasser gestürzt. Vermutlich hatte er das Gleichgewicht verloren. Seinem Begleiter, einem Schiffsführer in Ausbildung, war es nicht möglich, den Mann wieder an Bord zu holen. An Land konnten die Rettungskräfte nur noch den Tod des Schiffsführers feststellen.

Möglichst wenig bewegen

Ein unvorbereiteter Sturz ins kalte Wasser ist auch für geübte Schwimmer lebensbedrohlich. Der Schweizerische Ruderverein, der auf dem Sarnersee trainiert, stellt im Internet eine «Checkliste für das Überleben in kaltem Wasser» zur Verfügung. Als besonders bedrohlich gilt der Kälteschock. Dieser verursacht eine schwer kontrollierbare Atmung (Hyperventilation), die zum Ertrinkungstod führen kann. Eine weitere Gefahr ist die Unterkühlung: Allgemein gilt es, unnötige Bewegungen zu vermeiden und nur im äussersten Notfall selbst ans Land zu schwimmen.