OBWALDEN: Schon mit 16 sein eigener Herr der Lüfte

Auto fahren darf er noch nicht, dafür hat Jan Keiser bereits das Billett als Segelflieger im Sack. Bis zu seinem Fernziel ist es aber noch eine weite Strecke.

Christoph Riebli
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Unmittelbar vor seinem Prüfungsflug in Kägiswil bei Sarnen: Jan Keiser und Flugexperte Alois Lüthold. (Bild: PD)

Unmittelbar vor seinem Prüfungsflug in Kägiswil bei Sarnen: Jan Keiser und Flugexperte Alois Lüthold. (Bild: PD)

16 Jahre und ein Tag: So alt war Jan Keiser, als er sich kürzlich auf dem Flugplatz Kägiswil der praktischen Prüfung für die Segelfluglizenz stellte. Altersbegrenzung: 16+. Nun hat er die nationale «Sailplane Pilot Licence» in der Tasche. Damit ist er der jüngste brevetierte Pilot innerhalb der Segelfluggruppe Obwal-den – doch wohl auch weit über die Kantonsgrenzen hinaus. «Es ist cool, dass es geklappt hat. So richtig realisiert habe ich es erst nach dem Prüfungsflug. Es war unbeschreiblich», schwärmt der Sarner.

Alois Lüthold, Experte des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, prüfte das Wissen und Können des 16-Jährigen auf Herz und Nieren. Am Boden und in der Luft. Zum Glück für Jan Keiser ganz ohne Drill: «Ich war selbst überrascht, dass ich nicht nervöser war. Der Experte war sehr freundschaftlich und überhaupt kein Militärinstruktor. So wusste ich, dass es einen normalen Flug geben wird.»

Doppelbelastung «war happig»

Hinter seinem Erfolg steckt viel Arbeit und vor allem Leidenschaft. 46 Stunden Segelflugzeit hatte er bis anhin gesammelt. Seinen ersten Soloflug hatte er bereits mit 14 Jahren absolviert. Ebenso die Theorieprüfung (wir berichteten damals). «Es war schon happig», meint Jan Keiser zu den wöchentlichen Lernabenden, die er bei einer Segelfluggruppe in Zürich absolvierte – nebst seinem regulären Stunden- und Stoffplan an der Kantonsschule Obwalden. So paukte er in seiner Freizeit Fächer wie Navigation, Aerodynamik, Meteorologie und Luftrecht.

Im Vergleich zu seinen durchwegs älteren Weggefährten erkennt der Schüler in dieser Doppelbelastung auch einen Vorteil: «Ich war es gewohnt zu lernen, im Gymi gibt es fast jede Woche Prüfungen.» Und er sieht es auch als prima Vorbereitung für die Matura-Prüfungen.

Davor möchte er aber noch die fliegerische Vorschulung, eine Abklärung des Bundes zur Nachwuchsförderung für die Armee und die Zivilluftfahrt, absolvieren. Sein Fernziel: Linienpilot bei der Swiss werden.

Respekt vor Streckenflügen

Doch zurück zum Segelfliegen: Dass er nun einfach drauflosfliegen könne, stimme nicht, erklärt Jan Keiser. «Ich bin noch relativ unerfahren.» Es gelte noch viele Tipps von routinierten Piloten abzuholen. Etwa in Sachen Thermik. «Das kann man nur von jemandem lernen, der Erfahrung hat.» War er bis anhin pro Flug rund 30 Minuten in der Luft, muss er den Fokus vermehrt auch auf die «Ausdauer» legen: «Ich muss noch einen fünfstündigen Flug ma- chen – als Training.» Das gehöre zu den gruppeninternen Bestimmungen. Fünf Stunden hinter dem Steuerknüppel zu sitzen, sei körperlich und geistig anstrengend, so Jan Keiser.

«Überwindung» kostet ihn aber vor allem das Verlassen des bisherigen Trainingsraumes im Sarneraatal: «Bei den jetzt folgenden Streckenflügen muss man immer wissen, wo man landen kann, sollte es für eine Rückkehr nach Kägiswil nicht mehr reichen.» Respekt bereitet ihm dieser Aufbruch «ins Unbekannte» vor allem, wenn er an seine künftigen Soloflüge denkt.
 

Christoph Riebli