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OBWALDEN: «Schwandermuisig» zaubert grosses Kopfkino

Mit einem Experiment forderte die Musikgesellschaft Sonnenberg Schwendi die Zuhörer am Jahreskonzert heraus. Im Kopf der Besucher entstanden prächtige Landschaften und Szenerien.
Mitglieder der «Schwandermuisig» spielen am Jahreskonzert in der Turnhalle Stalden. (Bild: Marion Wannemacher (Stalden, 12. Mai 2018))

Mitglieder der «Schwandermuisig» spielen am Jahreskonzert in der Turnhalle Stalden. (Bild: Marion Wannemacher (Stalden, 12. Mai 2018))

Mancher Besucher am Jahreskonzert der Musikgesellschaft Sonnenberg Schwendi mag sich verdutzt die Augen gerieben haben: Da standen im Programmheft zwar die Komponisten, nicht aber die Titel. Co-Präsidentin Dominique Wirz-Fanger dankte am Freitagabend in der Turnhalle Stalden dem Dirigenten Norbert Kiser für «seine verrückten Ideen». Denn Kiser wollte dem Zuschauer die Möglichkeit geben, eigene Bilder zuzulassen und sich mit der «Schwandermuisig» auf eine fantastische Reise zu begeben. Kiser, der durch das Programm führte, zitierte Yehudi Menuhin, der gesagt haben soll: «Musik spricht für sich, vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance.» Der musikalische Leiter forderte die Zuschauer auf: «Schliessen Sie die Augen und lassen Sie sich führen oder entführen.»

Im ersten Teil des Konzerts ging es mit Robert Buckley in eisige Gefilde. «Arctic Fire» hiess der Titel des Stückes. Triumphal und dramatisch kam es daher. Erst nach den Stücken verriet Norbert Kiser jeweils den Titel. Spannend dabei: Die vom Korps vermittelten Assoziationen kamen eins zu eins beim Zuhörer an. Konzentriert und mit Leidenschaft spielten die Musiker die herausfordernde Literatur des ersten Teils. Der niederländische Komponist Kees Vlak verfasste unter dem Namen Alfred Bösendorfer das Musikstück «Paidushko», in dem Motive wie Zigeunermusik, der ungarische Csárdás und der Hara, ein orientalischer Kreistanz zum Klingen kamen. Anspruchsvoll zu spielen in seinen Tempi und Taktwechseln sei dieses Musikstück, betonte Kiser. Dem Korps geriet es temperamentvoll und mitreissend.

Die «Schwandermuisig» kann auch singen

Seinen Höhepunkt fand das Konzert im Musikstück «Terra Mystica» des österreichischen Komponisten Thomas Doss. Dieser vermag in seiner Komposition, die verschiedenen Einflüsse des sogenannten «Hausruckviertels» eines Viertels der Landschaft in Oberösterreich eindrucksvoll zu beschreiben. Der «Schwandermuisig» gelang es glänzend, das sehr anspruchsvolle Stück zu interpretieren. Sie liess grosses Kino im Kopf entstehen: Bilder eines majestätischen weiss verschneiten Berggipfels, von nahezu parodistischen bayerischen Schuhplattlern auf Volksfesten und von melancholisch anmutenden Klosterchören in Kreuzgängen. Ein Titel zum Träumen und um der Fantasie freien Lauf zu lassen. Den Gesang lieferte das Korps gleich selbst: die «Schwandermuisig» für einmal singend.

Orchester lässt Winnetou durch die Turnhalle reiten

Mit einem temperamentvollen Ausflug ins spanische Andalusien durch die Komposition der Japanerin Kumiko Tanaka beendete die Musikgesellschaft Sonnenberg Schwendi den ersten Teil. Mit Filmmusiken überraschte das Korps sein Publikum dann im zweiten Teil. Da liess das Orchester einen unsterblichen Winnetou Seite an Seite mit seinem Blutsbruder Old Shatterhand durch die Prärie beziehungsweise die Turnhalle Stalden reiten. Nur vier Töne brauche es, um herauszufinden, um welche Kinofilmserie es gehe, sagte Norbert Kiser beim nächsten Stück. Er sollte Recht behalten: Es ging um Bond, James Bond, den Geheimagenten 007. Die monumental und mittelalterlich anmutende Musik zur erfolgreichen Serie Game of Thrones, komponiert von Ramin Djawadi, transportierte Dramatik und Spannung.

40 Millionen Mal wurde der von den deutschen Schlagersängerinnen Gitti und Erika gesungene Titel «Heidi» verkauft. Damit spielten sich die Musiker der «Schwandermuisig» vollends in die Herzen der Zuhörer. Das Musikstück gab es noch einmal als Zugabe neben dem flott gespielten St. Petersburg March von Johnnie Vinson.

Sehr zufrieden zeigten sich Dirigent Kiser, die Musiker und die beiden Co-Präsidentinnen mit dem gelungenen Konzert. «Wir haben in der Blasmusikgesellschaft Obwalden wieder einen festen Platz», konstatierte Norbert Kiser. Sein Experiment Kopfkino ist ihm auf jeden Fall geglückt.

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

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