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OBWALDEN: Segen gibt «Siebnerlei» Kraft

Im Historischen Museum präsentierte Christof Hirtler die Neuauflage des Buches «Geister, Bann und Herrgottswinkel». Verraten wurde dabei auch das Geheimnis des wundersamen Strausses «Siebnerlei».
Romano Cuonz
An der Vernissage (von links): Christof Hirtler (Verleger), Klara Spichtig (Leiterin des Historischen Museums Obwalden) und Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 2. September 2017))

An der Vernissage (von links): Christof Hirtler (Verleger), Klara Spichtig (Leiterin des Historischen Museums Obwalden) und Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 2. September 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Das ‹Siebnerlei› ist die Brücke zu Hanspeter Niederberger und seiner Arbeit», sagte der Urner Verleger und Fotograf Christof Hirtler und zeigte dabei einen magischen Strauss mit sieben glücksbringenden Zweigen. An diesem Abend sollte er auch ihm Glück bringen. Grund zur Freude hatte er allemal: Er durfte nämlich im Historischen Museum in Sarnen die allenthalben erwartete Neuauflage des längst vergriffenen Buches «Geister, Bann und Herrgottswinkel» präsentieren.

Verfasst hat dieses reich bebilderte Standardwerk der im Jahr 2000 früh verstorbene Giswiler Sagenforscher Hanspeter Niederberger, gestaltet Christof Hirtler. Wie bedeutend es für die Schweizer Sagenforschung ist, belegt ein Kommentar des Radiomanns und Mundartforschers Christian Schmid: «Hanspeter Niederberger gehört zu den wichtigsten Sagensammlern und den stärksten Sagenerzählern der Schweiz.» Umso verständlicher war denn auch die Freude bei der Gastgeberin Klara Spichtig. Zwar stellt sie im Historischen Museum schon seit einiger Zeit einen grossen Teil der Sammlung von Hanspeter Niederberger zum Thema «Sagen, Mythen und Legenden in Obwalden» aus. Nun kann sie endlich auch das noch und noch verlangte Buch dazu wieder anbieten.

Zur Vernissage brachte Klara Spichtig eine mit Symbolen verzierte Holzkiste mit. Eine Kiste, gefüllt mit dem Notwendigsten, wie sie Älpler jeweils auf die Alp mitgenommen hatten. Jene Kiste eben, die auch Hanspeter Niederberger mit Gegenständen füllte, wenn er zu Sagenabenden aufbrach. Begleitet von urig schönen Tönen der Musikanten Walter Gisler, Peter Gisler und Hans­peter Wigger holte die Konservatorin einen Gegenstand nach dem andern aus der Kiste. Einen «Toggelispiegel», ein Fläschchen «Pferdegeifer» und schliesslich auch noch sieben zum geheimnisvollen Strauss «Siebnerlei» gebundene Zweige.

Volksfrömmigkeit und Magie

«Am ‹Siebnerlei› kann man jene Volksfrömmigkeit, der Hanspeter Niederberger bei seiner Forschung nachgegangen ist, recht gut erklären», sagte Verleger Christof Hirtler. Dieser Strauss aus Zweigen von sieben Heilpflanzen – Buchs, Stechpalme, Lärche, Eibe, Hasel und Wacholder – werde noch heute am Palmsonntag in der Kirche gesegnet. Er habe aber immer auch als Mittel für magische Rituale gedient. Es war dann der bekannte Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart, der mit dem dafür genau richtigen Timbre in der Stimme und eigenem Wissen das einschlägige Kapitel aus dem Buch vortrug. Dabei erfuhren die zahlreichen Besucher der Vernissage – unter ihnen auch Hanspeter Niederbergers Eltern und zwei seiner Kinder – manch Seltsames und Wissenswertes: «Das ‹Siebnerlei› – bereits durch Zahlenmagie und Heilpflanzen aufgeladen – erhält durch den Segen in der Kirche zusätzliche Kraft. Es kann als Zaubermittel eingesetzt werden. Bei schweren Gewittern verbrennt man Teile davon im Feuer. Ist bei einer Kuh etwas nicht in Ordnung, hängt man das ‹Siebnerlei› direkt über ihrem Rücken an die Decke.»

Übrigens: Eine Forschung hatte der in Obwalden aufgewachsene Hanspeter Müller-Drossaart dann noch unabhängig von Niederbergers Sagenforschung selber angestellt. Er erklärte nämlich dem verblüfften Publikum, welcher Zusammenhang zwischen dem Ausdruck «auf den Hund gekommen» und der Älplerkiste besteht. «Die Älpler», so Müller, «haben in ihrer Kiste immer auch Notvorräte gehortet.» Unter diesen, am Kistenboden, sei ein Hund eingeschnitzt gewesen, der genau dann zum Vorschein kam, wenn die Vorräte aufgebraucht waren. «Deshalb sagt man in Obwalden noch heute, ‹mä sig under ä Hund cho›, wenn man ins Elend gerät», schmunzelte der Schauspieler und Vorleser.

Hinweis

Die überarbeitete Zweitauflage des Buchs «Geister, Bann und Herrgottswinkel» ist im Verlag bildfluss in Altdorf erschienen. Es ist im Buchhandel für 50 Franken erhältlich.

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