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OBWALDEN: Seine Arbeit begann schon im Hinflug

Am Freitag flog Masseur Thomas Rymann nach Rio – als offizieller ­Masseur der Schweizer Ruderer. Der leichte Vierer hofft auf Gold.
Marion Wannemacher
Seine Kinder Sven und Aline halfen dem Masseur Thomas Rymann beim Packen der Koffer für die Reise an die Olympiade in Brasilien. (Bild Philipp Schmidli)

Seine Kinder Sven und Aline halfen dem Masseur Thomas Rymann beim Packen der Koffer für die Reise an die Olympiade in Brasilien. (Bild Philipp Schmidli)

Marion Wannemacher

«Da, in der 14. Reihe habe ich gesessen», erklärt Masseur Thomas Rymann voller Begeisterung. Das Foto zeigt die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2000 in Sydney bei Nacht: Tausende funkelnder Lichter. «Die Ruderer des schweren Vierers hatten mich auf eigene Kosten mitgenommen und meine Reise finanziert. Nach ihrem erfolgreichen Abschneiden übernahm dann Swiss Olympics nachträglich bis auf den Flug alle Reisekosten.» An die Eröffnungsfeier, zu der Rymann nur kam, weil eine Athletin aus dem eigenen Kader krank war, erinnert er sich besonders gern. «Ein Privileg», schwärmt er.

Pro Mann ein «halber» Betreuer

«Seit dem Erfolg bei den Welt- und den Europameisterschaften vom vergangenen Jahr sieht alles anders aus», freut sich Rymann. «Pro Athlet wird ein halber Betreuer eingeplant. Für elf qualifizierte Ruderer und drei Ersatzleute werden bis zu sechs Leute mitgenommen.» Der medizinische Masseur mit eidgenössischem Fachausweis ist dabei – keine Frage. Theoretisch könne er nach dem Austragen der Ruderrennen auch in die Lage kommen, die Beine anderer Spitzensportler zu massieren. Vielleicht sogar die von Tennisspielerin Timea Bacsinszky.

Nach Sydney und Athen ist es bereits die dritte Olympiade, an der er als Betreuer teilnimmt. Dankbar ist Rymann seiner Familie, die oft auf ihn verzichtet und zu seinem Erfolg beiträgt. In seiner Praxis in der Kirchstrasse 3 stand bei unserem Besuch diese Woche das Gepäck bereit: zwei Massageliegen, ein elektrisches Gerät zum Therapieren und ein Ultraschallgerät. «Das meiste wurde schon im Mai im Container verschifft.»

Zwei Stunden vorher auf die Waage

Im Fokus steht vor allem der leichte Vierer ohne Steuermann als Medaillenhoffnung der Schweiz. Wie heikel die Sache mit dem Gewicht der Ruderer ist, zeigt, dass Sieg oder Niederlage auch von äusseren Faktoren abhängt: «Zwei bis eine Stunde vor dem Start müssen die Athleten aus dem leichten Vierer auf die Waage. Um die 70 Kilo zu erreichen, schwitzen sie sogar. Jeder setzt alles daran, sich möglichst früh zu wiegen, denn nach dem Gang auf die Waage dürfen die Athleten wieder essen und so neue Energie tanken», erklärt der gebürtige Sarner. Zu ihrem grossen Vorteil ist die Rudererequipe extern an der Ruderstrecke untergebracht. Das spart ihr einen langen Anfahrtsweg vom olympischen Dorf her. Die Teilnehmer sind somit auch schneller auf der Waage.

Eine «Oase der Ruhe»

Die Betreuung der Ruderequipe beginnt bereits beim elfstündigen Flug: «Schauen, dass sie sich nicht erkälten, die Nasenschleimhäute befeuchten, sich alle ein bis zwei Stunden für zehn Minuten bewegen, nicht steif werden.» Aber die Betreuung des erfahrenen Masseurs bezieht sich nicht nur auf den Körper – ein guter Masseur erspürt sicher wie etwa ein Coiffeur auch die Seelen- und Stimmungslage seiner Klienten? Thomas Rymann nickt. Der ehemalige Skirennläufer und Fernsehmoderator Marco Büchel habe ihn mal als «Oase der Ruhe» bezeichnet. «Ich selbst sage, ‹ich bin der ruhende Pol im Hintergrund›.»

Das hat sich schon oft bewährt, auch übers Massieren hinaus, etwa, als er vergangenes Jahr die Mannschaft an der WM zum Rennen fahren sollte. «Prompt kamen wir in einen fünf Kilometer langen Stau.» Rymann behielt auch als «Chauffeur» die Nerven, überholte zugegeben nicht legal aber wirkungsvoll auf dem Pannenstreifen. Die Ruderer standen pünktlich zwei Stunden vor dem Start auf der Waage.

Seine Tür stehe den Ruderern immer offen, betont der 45-Jährige. Durch die Nähe zum Leistungszentrum in Sarnen kämen sie oft bei ihm vorbei. Ansonsten behandelt er in seiner Praxis alle möglichen Patienten, vom Jugendlichen bis zur Neunzigjährigen etwa nach einem Oberschenkelhalsbruch. Natürlich sind es gerade die Dinge, die bei den Ruderern mal nicht so rund laufen, die verbinden, Verletzungen und Vorfälle. 2011 war Mario Gyr so an seine Grenzen gegangen, dass er hyperventilierte, erzählt Rymann. Mit Lymphmassage, einer Atemtechnik und einem Griff an seinem Kopf habe er ihn wieder so auf die Reihe gebracht, dass dieser ihn verblüfft fragte: «Was hast du mit mir gemacht? Ich bin wie neu geboren.»

Winter im Sommer

In Rio ist zum Zeitpunkt der Olympiade Winter. «Wahrscheinlich wird es selten über 20 Grad, es können aber auch mal 30 sein», weiss Thomas Rymann. Auch auf das Zika-Virus habe man die Athleten vorbereitet: Einsprayen nach dem Duschen, unter dem Moskitonetz schlafen, keinen ungeschützten Verkehr bis zu zwei Monate nach Rio. Vor dem Terror hat er keine Angst: «Das Olympiadorf ist vermutlich der sicherste Ort, und im externen Quartier sind keine Massenansammlungen.» Zeit für Besichtigungen bleibe nicht viel. Drei Wünsche hat der Obwaldner aber schon: Wenn möglich die Copacabana sehen, die Christus-Statue und den Zuckerhut.»

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