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OBWALDEN: Seit 30 Jahren wird hier Kindern mit psychomotorischen Störungen geholfen

Vor 30 Jahren nahm im Kanton Obwalden erstmals eine Psychomotoriktherapeutin ihre Arbeit auf. Die gegenwärtige Leiterin Theresia Buchmann ist überzeugt, dass dieses Angebot heute nicht mehr wegzudenken wäre.
Romano Cuonz
Fabio und seine Schwester Melanie erproben in der Psychomotoriktherapie ihren Mut. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 21. Februar 2018))

Fabio und seine Schwester Melanie erproben in der Psychomotoriktherapie ihren Mut. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 21. Februar 2018))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Die psychomotorische Therapie übernimmt immer auch erzieherische und heilpädagogische Verantwortung und Ziele», erklärte Marianne Ludin vor 30 Jahren in einem Interview. Damals – genauer gesagt im September 1987 – stellte die ausgebildete Psychomotoriktherapeutin aus Luzern der Obwaldner Bevölkerung ihr Angebot erstmals vor. Die Eröffnung einer neuen Therapiestelle im alten Kollegi galt zu dieser Zeit noch als landesweit pionierhaft.

Gefragt, woran man denn bei Kindern psychomotorische Störungen überhaupt erkenne, erklärte Ludin: «Hauptmerkmal ist bei sogenannt ungeschickten Kindern eine mangelhafte oder fehlende Harmonie der Bewegung. Diese kann zu ernsthaften Störungen führen. Etwa, wenn ein Kind in neue Situationen gerät oder unter Druck steht.» Therapeutische Hilfe sei in solchen Fällen zu empfehlen, postulierte Ludin. Denn: Eine unsichere Körperbeherrschung könne dazu führen, dass das Kind in seiner ganzen Entwicklung und in all seinen Handlungen erheblich eingeschränkt sei. Heute – 30 Jahre später – führt Theresia Buchmann als fachliche Leiterin die Therapiestelle. Wenn sie die damaligen Aussagen liest, attestiert sie ihrer Vorgängerin: «An ihrer Erkenntnis hat sich bis heute praktisch nichts geändert.»

Trampolin, Kletterwand und Bälle

Mittlerweile befindet sich die Obwaldner Psychomotoriktherapiestelle im Bildungs- und Kulturdepartement an der Sarner Brünigstrasse und im alten Gymnasium. In den Räumen mit rustikalen Dachbalken fühlt man sich sogleich wohl, sogar als Erwachsener. Wie in einer gemütlichen, grossen Stube ist es. Rundum viele bunte Spielsachen: eine Kletterwand, ein Trampolin mit Schaukel, Bälle und noch vieles mehr. Drei Therapeutinnen – neben Theresia Buchmann auch Brigitta Hachen und Jacqueline Bolleter – teilen die Arbeit mit insgesamt 170 Stellenprozenten unter sich auf. «Wir therapieren kein Kind, nur weil es den Purzelbaum nicht kann», versichert Theresia Buchmann. Dafür brauche es schon einen grösseren Leidensdruck: entweder beim Kind, bei Eltern oder dem Lehrer.

Zuerst nehmen Therapeutinnen eine sorgfältige Abklärung vor. Kristallisiert sich dabei eine Notwendigkeit heraus, wird das Vorgehen mit Eltern und Kind besprochen. In ihrer Form weisen psychomotorische Therapien zahlreiche Varianten auf. «Jede aber wird aufs Kind und sein ganz individuelles Entwicklungsproblem abgestimmt», macht Buchmann klar. Zur Therapiestunde kommen Kinder vorerst einzeln, später auch in kleinen Gruppen. «Wir arbeiten über die Bewegung, und dabei ist die Wahrnehmung immer unser Grundstein», erklärt Theresia Buchmann. «Keinesfalls machen wir Psychotherapie.»

Hilfe erhalten etwa ungeschickte Kinder, die stets ihr Glas ausschütten und solche, die über ihre eigenen Beine stolpern, Bälle nicht auffangen können oder vor allem und jedem Angst haben. Aber auch Kinder, die gefährliche Sachen machen, weil sie ihren eigenen Körper nicht genügend wahrnehmen, trifft man an. «Wir sind nie gegen etwas, sondern stets für etwas», betont Buchmann. Nur wenn ein Kind sich wohlfühle, lerne es nach und nach, sich selber zu steuern und dabei seinen Körper immer besser wahrzunehmen. Und: Sei ein Kind dann einmal fit, wolle es automatisch alles so können wie die andern. «Selbst Kinder, die aus ganz schwierigen Verhältnissen kommen, können vom Therapieangebot oft profitieren, weil wir ihnen so etwas wie emotionale Sicherheit bieten», weiss Buchmann aus langjähriger Erfahrung.

Höhenangst wegtrainiert

Die Psychomotorik hat in den 30 Jahren immer wieder Erfolge gezeitigt. Da war etwa der achtjährige Bauernjunge, der nach einer Schädelfraktur im Kleinkindalter grosse Mühe mit dem Stillsitzen hatte. Mit ihm machte die Therapeutin ganz einfache, ja fast unscheinbare taktile Übungen über die Hände. Der Bub schloss die Augen. War ganz bei sich und wurde dabei immer ruhiger. Die Mutter konnte richtig spüren, wie ihr Kind glücklich wurde, wenn sie mit ihm kleine Übungen machte und beide auch die Ruhe genossen.

Ein anderer Bub hatte Höhenangst. Wohl auch, weil er andauernd Befehle wie «Hör auf! Nein! So nicht! Pass auf!» zu hören bekam. Die Therapeutin aber anerkannte jeden Fortschritt. Von Sprosse zu Sprosse ging es, mit dem Ziel etwa, ein Bärchen runterzuholen. Und das Wichtigste dabei: Die Eltern freuten sich mit, begannen selber daran zu glauben, dass ihr Kind es schafft. Und tatsächlich: Am Schluss wagte das Kind sogar, von der Kletterwand runterzuspringen! Theresia Buchmann gibt sich überzeugt: «Weil wir spezifische Störungen der Kinder gezielt in spielerischer Form durch Bewegung oder auch Musik behandeln, fördern wir Kinder immer auch ganzheitlich.»

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