OBWALDEN: So fördert Obwalden junge Athleten

Spitzensport und Beruf unter einen Hut bringen: Für viele Nachwuchssportler ist das eine grosse Heraus­forderung. Der Kanton nimmt hier eine Vorreiterrolle ein.

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Der Ennetbürger Schütze Manuel Lüscher... (Bild Chiara Piazza)

Der Ennetbürger Schütze Manuel Lüscher... (Bild Chiara Piazza)

Daniel Schwab

Obwalden ist ein gutes Pflaster für Spitzensportler – die Skifamilie Gisin lässt grüssen. Mit der Sportmittelschule Engelberg verfügt der Kanton über ein nationales Vorzeigeobjekt in Sachen Talentförderung. Aber auch im Bereich der Berufsbildung macht man Nägel mit Köpfen. Zum Beispiel mit dem Label «Leistungssportfreundlicher Lehrbetrieb» von Swiss Olympic (siehe Kasten). Oder mit einer flexiblen Schulorganisation. Von dieser profitierte auch Ruderer Nico Stahlberg. Der 24-jährige Thurgauer wollte nach seiner Lehre als Forstwart unbedingt die Berufsmatura (BM) nachholen. In seiner Heimat am Bodensee sah er jedoch keine Möglichkeit, Sport und Schule unter einen Hut zu bringen. So zog er vor drei Jahren in die Zentralschweiz. Das Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Obwalden bot ihm die Chance, die Vollzeit-BM in zwei statt in einem Jahr zu absolvieren.

Auch beim Stundenplan ist man ihm entgegengekommen, sodass er sein immenses Trainingspensum von gegen 30 Stunden pro Woche aufrechterhalten konnte.

Olympiamedaille im Visier

Letzten Sommer schloss Nico Stahlberg die Berufsmatura erfolgreich ab. Seither gilt sein Hauptaugenmerk der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele vom 5. bis 21. August in Rio de Janeiro. Soeben von einem Trainingslager in Portugal zurückgekehrt, absolviert er nun im Stützpunkt Sarnen drei Trainingseinheiten pro Tag – zwei auf dem See, eine im Kraftraum.

«Ich werde es packen»

Um bei seinem Karrierehöhepunkt in Höchstform zu sein, unternimmt der ehemalige U-23-Weltmeister alles. Schliesslich ist dem Schweizer Doppelvierer durchaus ein Exploit zuzutrauen. Nico Stahlberg: «An der letztjährigen A-WM, wo wir am Ende Fünfte wurden, lagen wir lange auf Medaillenkurs.» Stahlbergs Olympia-Teilnahme ist allerdings noch nicht definitiv gebucht. An den verbandsinternen Ausscheidungen von dieser Woche streiten sich fünf Athleten um die vier Plätze im Boot. Wobei Stahlberg gute Karten zu haben scheint. «Ich bin in Form und werde es packen», sagt er voller Zuversicht.

Sportliche Grosstaten plant auch Luftgewehrschütze Manuel Lüscher (18) aus Ennetbürgen. Diese Woche weilt er an der EM in Ungarn, wo er sich auf der 10-Meter-Distanz für den Junioren-Final qualifizieren und danach eine Medaille ins Visier nehmen will. Lüscher steckt zurzeit mitten in der Schreinerlehre. Da er für Trainings- und Wettkampfzwecke oft auf Achse ist, fehlt er hin und wieder in seinem Lehrbetrieb, der Schreinerei Gehrig in Buochs. «Ich habe aber einen sehr kulanten Chef und bekomme immer frei, wenn es der Sport erfordert», sagt Manuel Lüscher. Die gleiche Flexibilität wird ihm auch seitens des BWZ Obwalden zuteil, wo er jeweils freitags die Berufsfachschule besucht. Für Rektor Dani Henggeler eine Selbstverständlichkeit: «Ambitionierten jungen Leuten wie Nico und Manuel legen wir keine Steine in den Weg.» Ganz egal, ob es sich um talentierte Sportler, Musiker oder Tänzer handelt. «Wir finden immer eine Lösung», so Henggeler.

... und der in Obwalden wohnhafte Thurgauer Ruderer Nico Stahlberg profitieren vom Label «Leistungssportfreundliche Lehrbetriebe» in Obwalden. (Bild PD)

... und der in Obwalden wohnhafte Thurgauer Ruderer Nico Stahlberg profitieren vom Label «Leistungssportfreundliche Lehrbetriebe» in Obwalden. (Bild PD)