OBWALDEN: So funktioniert es nicht mehr

Wer nicht hören will, muss fühlen: Ab sofort wird die Kunststoffsammlung im ganzen Kanton eingestellt. Es landete zu viel Abfall in den Sammelstellen der Gemeinden.

Adrian Venetz
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Spraydosen, Saftverpackungen, Plastik – gehört alles in den Kehricht, landete aber oft in der Kunststoff-Hohlkörpersammlung. (Bild: PD)

Spraydosen, Saftverpackungen, Plastik – gehört alles in den Kehricht, landete aber oft in der Kunststoff-Hohlkörpersammlung. (Bild: PD)

Umständlich ist nicht nur der Begriff «Kunststoff-Hohlkörpersammlung», umständlich war offenbar auch das bisherige Recycling dieser Kunststoff-Hohlkörper. Der Entsorgungszweckverband Obwalden hat nun entschieden, die Sammlung aufzuheben. Der Grund: Viele Leute haben sich nicht an die Regeln gehalten und alles Mögliche in diese separaten Behälter für Kunststoff-Hohlkörper geworfen – beispielsweise Fleischverpackungen, Plastiksäcke, Getränkekartons. All dies gehört eigentlich in den normalen Kehricht.

Zu viel «fremder» Abfall

Sepp Amgarten, Geschäftsführer des Entsorgungszweckverbands Obwalden, begründet den Entscheid: «Man muss es leider so direkt sagen: Einige Leute schalten das Hirn aus, sobald sie an einer Sammelstelle sind, und wollen ein paar Rappen sparen.» In den Sammelbehältern für Kunststoff-Hohlkörper sei bis zu 70 Prozent Material gelandet, das nicht recycelt werden kann. «Viele haben dort ganz einfach ihren Abfall entsorgt», sagt Amgarten. Die Sortierung und die Entsorgung dieses «fremden» Materials habe viel Aufwand und hohe Kosten verursacht. «Ein Grossteil des bisher gesammelten Kunststoffs musste der Verbrennung zugeführt werden.»

Sammlung sinnvoll oder nicht?

Eine Kurzschlusshandlung aus Ärger über Abfallsünder ist die Aufhebung der Sammlung allerdings nicht, wie Sepp Amgarten betont. In der Schweiz steht ohnehin schon seit längerer Zeit zur Diskussion, ob die separate Sammlung von Kunststoff-Hohlkörpern wirklich notwendig und sinnvoll ist. Eine umfassende Studie im Auftrag der Renergia Zentralschweiz AG sowie der kantonalen Umweltschutzämter der Zentralschweiz hat mögliche Entsorgungsmodelle für Kunststoffverpackungen untersucht und diese nach ökologischen, ökonomischen und gesellschaftsrelevanten Kriterien bewertet. Die Studie zeigt nun: Das separate Sammeln von Kunststoffabfällen mit anschliessender Verwertung – also Recycling – ist ökologisch und ökonomisch etwa gleich sinnvoll wie die normale Entsorgung im Kehricht. Das mag auf den ersten Blick überraschen. Doch: Der Kunststoff liefert bei der Verbrennung wertvolle Energie. Dadurch kann eine Menge Öl ersetzt werden. Sepp Amgarten ist über die Ergebnisse der Studie nicht erstaunt: «Viele hören das nicht gern, aber beim ganzen Thema Recycling geht es oft auch einfach nur darum, das eigene Gewissen zu beruhigen.»

PET-Flaschen nicht betroffen

Die Kunststoff-Hohlkörpersammlung wird also in den Sammelstellen der Gemeinden Alpnach, Engelberg, Kerns, Sachseln und Sarnen ab sofort eingestellt – in Giswil und Lungern gabs ohnehin keine Sammelbehälter dafür. Wohin nun mit dem Material? «Kunststoffflaschen können teilweise bei den Grossverteilern und dem Detailhandel zurückgegeben werden», hält der Entsorgungszweckverband in einer Mitteilung fest. «Der Rest muss über den Kehricht entsorgt werden.» PET-Flaschen sind von dieser Massnahme übrigens nicht betroffen, sie werden weiterhin in den entsprechenden Sammelstellen entgegengenommen.

Wer trotzdem versucht, normalen Hauskehricht in Recycling-Behältern (zum Beispiel für PET oder Papier) zu entsorgen, muss mit einer Busse rechnen – die Sammelstellen sind videoüberwacht. «Bezahlt der fehlbare Entsorger die Busse nicht, wird eine Strafanzeige eingeleitet», hält Sepp Amgarten fest.
 

Adrian Venetz