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OBWALDEN: So wurde Niklaus von Flüe 1917 gefeiert

Mitten im Ersten Weltkrieg wurde in Sachseln das 500-Jahr-Jubiläum zum Gedenken an Bruder Klaus gefeiert. Damals war er noch kein Heiliger. Dies tat der Festfreude aber keinen Abbruch.
Adrian Venetz
Das Büchlein mit den Festerinnerungen von Pater Emmanuel Scherer. Bild: Adrian Venetz

Das Büchlein mit den Festerinnerungen von Pater Emmanuel Scherer. Bild: Adrian Venetz

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Das 600-Jahr-Jubiläum von Bruder Klaus wird übers ganze Jahr hinweg mit verschiedensten Anlässen gefeiert. Doch wie war das eigentlich 1917? Damals – notabene mitten in der Kriegszeit – jährte sich der Geburtstag von Niklaus von Flüe zum 500. Mal. Und tatsächlich wurde auch dieses Jubiläum in Obwalden ausgiebig gefeiert. Im schweizerischen Bundesarchiv finden sich verschiedene amtliche Dokumente, die auf das Jubiläumsjahr 1917 und Bruder Klaus Bezug nehmen. Zudem hatte der Benediktinerpater Emmanuel Scherer (1876–1929) im Auftrag der Bruderklausenkommission, so der damalige Name des Organisationskomitees, die verschiedenen Ansprachen und seine persönlichen Erinnerungen an das Fest in einer knapp 100-seitigen Publikation festgehalten.

Ist der Todestag auch der Geburtstag?

«Längst galt es als selbstverständlich, dass die 500. Wiederkehr des Geburtstages von Bruder Klaus in einer der Bedeutung dieses Tages würdigen Weise zu begehen sei», beginnt Emmanuel Scherer seinen Rückblick auf das 500-Jahr-Jubiläum. Dieses wurde am 20. und 21. März gefeiert. Das Datum war nicht zufällig gewählt. Den genauen Geburtstag von Niklaus von Flüe kennt man nicht, lediglich das Geburtsjahr 1417. Historisch verbürgt ist dagegen der Todestag: 21. März 1478. Lange Zeit wurde der Todestag deshalb dem Geburtstag gleichgesetzt.

Roland Gröbli, Vorstandsmitglied des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe und Präsident des wissenschaftlichen Beirats, erklärt: «Die Festlegung des Geburtsdatums hielt sich, bis Robert Durrer, der Nidwaldner Staatsarchivar, gewissermassen als Geschenk zum 500. Geburtsjahr das Quellenwerk zu Bruder Klaus publizierte.»

Diese bis heute massgebende Grundlagenarbeit, die er in enger Zusammenarbeit mit dem Sarner Benediktiner Emmanuel Scherer verfasste, sei ab 1917 in vier Halbbänden bis 1921 erschienen. «Im Gedenkjahr von 1917 waren also seine massgebenden Kommentare zu vielen Quellen noch nicht bekannt und verbreitet.»

«Der fürchterlichste aller Kriege»

Das Jubiläum stand ganz im Zeichen der kriegsgeplagten Welt. Auf diese Umstände nimmt auch Emmanuel Scherer Bezug:

«Wann hätten uns die Zeitumstände eindringlicher dazu gemahnt, den Geist des Seligen herabzuflehen, als in unseren Tagen, wo rings um unser Vaterland der fürchterlichste aller Kriege tobt?»

Zur 500-Jahr-Feier wurden eine Erinnerungsmedaille und eine Ansichtskarte herausgegeben. Die eidgenössische Münzverwaltung fertigte 200 silberne Bruder-Klaus-Medaillen für die Regierung von Obwalden an, wie aus den alten Bundesdokumenten hervorgeht. Bruder Klaus war damals bereits seliggesprochen, ein Heiliger war er aber noch nicht.

Im Vorfeld der Feier gab es Diskussionen, ob man alle Kantonsregierungen der Schweiz einladen soll oder nur jene der Alten Eidgenossenschaft (die sogenannten Acht Alten Orte). Man einigte sich schliesslich auf Letzteres (Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Luzern, Zürich, Zug, Bern und Glarus) – plus Freiburg und Solothurn. Der damalige Obwaldner Landammann Peter Anton Ming drückte am 1. März 1917 in einem Schreiben an die Kantonsregierungen sein Bedauern aus:

«Wie gerne hätten wir diese Einladungen auf alle Kantone der Schweizerischen Eidgenossenschaft ausgedehnt, um sie alle, wie die Glieder einer Familie, am Grabe des Vaters des Vaterlandes versammelt zu sehen. Die Platzverhältnisse in Sachseln haben dies schlechterdings nicht zugelassen.»

Während sich das Wetter am 20. März 1917 eher garstig präsentierte, sah es am Hauptfesttag, dem 21. März, etwas besser aus. Der Benediktiner Emmanuel Scherer hält seine Erinnerungen folgendermassen fest:

«Trotz allen Befürchtungen sah das Wetter nicht übel aus, kein erstklassiges Festwetter, aber auch kein Regentag. Schon in den Frühstunden eilten fromme Wallfahrer auf allen Strassen scharenweise dem Landesheiligtum in Sachseln zu. Von 7 Uhr weg flutete bereits eine ungeheure festlich gestimmte Menge Volkes durch die einzige Hauptstrasse vom Bahnhof bis zur Kirche. Einige Minuten nach 8 Uhr fuhr der Sonderzug mit der Abordnung des Bundesrates, dem Generaladjutanten, der zugleich den durch Unwohlsein ferngehaltenen General vertrat, und den Abordnungen der eingeladenen Regierungen, soweit diese nicht schon am Vorabend in Sachseln eingetroffen waren, im Bahnhof Sachseln ein.»

Ständerat Wirz liest Telegramme vor

Über Mittag folgte im Hotel Kreuz ein Festmahl mit verschiedenen Reden. Scherer beschreibt die Feierlichkeiten:

«Unterdessen waren von auswärts zahlreiche telegraphische Festgrüsse eingelaufen; diese Telegramme wurden durch Herrn Ständerat Adalbert Wirz der Tafelrunde zur Kenntnis gebracht.»

Nachmittags versammelte sich dann eine rund 6000-köpfige Festgemeinde zwischen Geburtshaus und Wohnhaus von Bruder Klaus. Auch wie sich der Festtag dem Ende zuneigte, hielt Emmanuel Scherer fest:

«Als die letzten Festbesucher abends vom Flüeli niederstiegen gegen das bereits in nächtliche Schatten versunkene Sachseln, da glänzten auf einmal die Lichter im Dörfchen tausendfältig auf, von den Bergeshöhen flammten Freudenfeuer auf, und vom Firmamente strahlten die funkelnden Gestirne nieder auf die stille Erde.»

Kanonenschüsse und eine Ausstellung für 50 Rappen

Das Jubiläum von 1917 konzentrierte sich auf wenige Tage. Präsident des Organisationskomitees war der Landammann Peter Anton Ming (1851–1924).

  • Montag, 19. März: Auf dem Landenberg in Sarnen werden um 13.30 Uhr zwölf Kanonenschüsse abgefeuert. Um 14 Uhr läuten die Glocken aller Obwaldner Kirchen und Kapellen während einer Viertelstunde.
  • Dienstag, 20. März: Am Morgen um 5 Uhr erneut «feierliches Betenläuten in allen Kirchen und Kapellen». Tagsüber treffen Prozessionen aus den Obwaldner Gemeinden in der Sachsler Pfarrkirche ein. Kirchliche Würdenträger halten Ehrenpredigten.
  • Mittwoch, 21. März: Wieder läuten am Morgen um 5 Uhr alle Glocken. An der Feier vom Morgen in der Sachsler Pfarrkirche nimmt unter vielen anderen Politikern und Geistlichen auch eine Bundesratsdelegation teil. Die Ehrenpredigt hält der Churer Bischof Georg Schmid von Grüneck. Am Nachmittag folgt eine Prozession nach Flüeli-Ranft.
  • Während mehrerer Tage kann zudem in Sachseln eine Ausstellung besichtigt werden. Gezeigt werden «Gegenstände, welche in Beziehung stehen zum seligen Bruder Klaus», oder solche, die «vom Seligen benützt wurden». Der Eintritt zur Ausstellung kostet 50 Rappen, an Sonntagen 20 Rappen. (ve)

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