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OBWALDEN: Somalia gegen Sommerflieder – 1:0

Asylbewerber krampfen derzeit entlang des Steinibachs in Giswil: Sie machen dem Sommerflieder den Garaus. Ihre Arbeit wird enorm geschätzt.
Adrian Venetz
Asylbewerber bekämpfen Neophyten entlang des Steinibachs in Giswil. Instruiert werden sie von Walter Ettlin (hinten mit schwarzer Mütze) und ORS-Betreuer Beat Herger (rechts). (Bild Corinne Glanzmann)

Asylbewerber bekämpfen Neophyten entlang des Steinibachs in Giswil. Instruiert werden sie von Walter Ettlin (hinten mit schwarzer Mütze) und ORS-Betreuer Beat Herger (rechts). (Bild Corinne Glanzmann)

Schön anzuschauen ist er ja, der Sommerflieder – besonders im Frühling und Sommer, wenn die Blütenrispen in sattem Violett strahlen und mit ihrem zarten Duft Bienen und Hummeln anlocken. Eigentlich sind die Sträucher in tropischen und subtropischen Gebieten daheim. Doch weil der Sommerflieder hierzulande oft als Zierpflanze gehalten wird, konnten sich die Samen auch ausserhalb der Balkone und Gärten verbreiten – die Pflanze gilt heute als typischer Neophyt, als «Fremdling» in der einheimischen Flora.

Wer sonst macht die Arbeit?

Der Giswiler Walter Ettlin hat – auf private Initiative hin – solchen invasiven Pflanzen den Kampf angesagt. Denn einige Neophyten vermehren sich rasant und verdrängen die einheimischen Pflanzen. Doch nicht nur das: «Hier entlang des Steinibachs drängen die Wurzeln des Sommerflieders unter die Steine am Bachlauf», erklärt Walter Ettlin. Dadurch werde das Bachbett instabiler. «Der Kampf gegen die Neophyten dient also auch der Prävention vor Hochwasserschäden.»

Allerdings ist es ein Kampf, der kaum zu gewinnen ist – eine Sisyphusarbeit. «Leider fehlen einfach die Zeit und das Geld, um die Ausbreitung der Pflanzen wirksam zu bekämpfen», sagt Ettlin.

Als er im Sommer in unserer Zeitung las, dass die Alpnacher Asylbewerber für gemeinnützige Arbeiten «engagiert» werden könnten, griff er zum Telefonhörer und rief die Alpnacher Gemeindepräsidentin Kathrin Dönni an. «Da hab ich zu ihr gesagt: ‹Ich hätte schon genug Arbeit!›», erzählt Walter Ettlin lachend. Sein Angebot wurde registriert, und tatsächlich kamen später die Gemeinde und die ORS Service AG als Betreiberin der Asylunterkunft wieder auf Walter Ettlin zu.

Über 2700 Arbeitsstunden

Nachdem die Asylbewerber in den vergangenen Monaten bereits wertvolle Arbeiten für die Korporation Alpnach erledigt – beispielsweise Schwemmholz aus Bachläufen entfernt – haben, helfen sie nun beim Kampf gegen invasive Pflanzen. Bereits haben sie in Alpnach und Giswil über 2700 Arbeitsstunden geleistet und dabei Neophyten wie Goldrute und Sommerflieder entlang der Bäche ausgerissen. Die Beteiligung an solchen gemeinnützigen Arbeitseinsätzen ist für die Asylbewerber freiwillig. Pro Tag verdienen sie 30 Franken. Sie erhalten das Geld vom Bund aber erst, wenn sie die Asylunterkunft in Alpnach wieder verlassen.

«Sind sehr motiviert»

Für die Neophytenbekämpfung ist derzeit eine Gruppe von 16 Männern im Einsatz – in ständig wechselnder Zusammensetzung. «Es würden alle gern öfters arbeiten», betont ORS-Betreuer Beat Herger, der ebenfalls vor Ort am Steinbach tatkräftig mit anpackt. «Die Leute arbeiten wirklich sehr gut und sind motiviert.»

Auch Walter Ettlin lobt den Fleiss und die Einsatzbereitschaft der jungen Männer. «Einige waren nach ihrem Einsatz richtig enttäuscht, dass sie nicht mehr weiterarbeiten durften, sondern anderen den Vortritt lassen mussten.»

Er möge die Arbeit, sagt ein 18-jähriger Mann aus Somalia im Gespräch mit unserer Zeitung. Natürlich auch deshalb, weil man dabei etwas Geld verdienen könne. Seit zwei Wochen ist er im Asylzentrum in Alpnach untergebracht. Kein Problem, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu schuften? «No problem», sagt er und zeigt auf seine warmen Arbeitskleider, die von der ORS-Betreuungsfirma zur Verfügung gestellt werden. Dann verschwindet er wieder in den Sträuchern und macht dem Sommerflieder den Garaus.

Die Arbeit sei ideal, weil es dafür nicht allzu viele Instruktionen brauche, sagt Walter Ettlin. «Man muss ihnen einfach zeigen, welche Pflanzen ausgerissen werden müssen.» Zwar wären der Frühling oder der Sommer idealere Jahreszeiten, um Neophyten zu entfernen. «Wenn der Boden gefroren ist, kriegt man die Wurzeln kaum aus dem Boden.» Dennoch aber lohne sich die Arbeit auch im Winter. Die ausgerissenen Sträucher und Äste werden gleich im nahe gelegenen Wald im Schatten «entsorgt». Dort können die Pflanzen, die viel Licht zum Blühen benötigen, keinen Schaden mehr anrichten. «Eine Entsorgung via Grüngut-Abfuhr wäre in diesem Gelände schlichtweg zu aufwendig», erklärt Walter Ettlin.

Im Februar ist Schluss

Weil das Asylzentrum in Alpnach nur sechs Monate lang – also bis Februar – in Betrieb ist, kommen weitere Einsätze im Frühling oder im Sommer nicht mehr in Frage. Walter Ettlin schmunzelt: «Ich muss ehrlich sagen, ich bedaure es, dass die Asylunterkunft im Februar schliesst. Es hätte genug Arbeit für ein ganzes Jahr.»

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