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OBWALDEN: «Soziales Obwalden» – Martin Hafen: «Die Politik wäre besonders wichtig»

Die Jugend stand während eines ganzen Tages im Zentrum einer Konferenz im Alten Gymnasium in Sarnen. Referent Martin Hafen wüsste, wie solche Tagungen noch mehr bewirken könnten.
Matthias Piazza
Martin Hafen, Projektleiter und Dozent: «Obwaldner Jugendliche haben dieselben Probleme wir ihre Kollegen in Luzern.» (Bild: Matthias Piazza)

Martin Hafen, Projektleiter und Dozent: «Obwaldner Jugendliche haben dieselben Probleme wir ihre Kollegen in Luzern.» (Bild: Matthias Piazza)

«Gestresst, pragmatisch, angepasst, verstummt. Wie steht es wirklich um unsere junge Generation?» Vorgestern setzten sich rund 100 Personen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zusammen mit Interessierten aus Politik und Gesellschaft mit dieser Frage auseinander. Organisiert wurde die Konferenz «Soziales Obwalden 2018» im Alten Gymnasium Sarnen von der Fachstelle Gesellschaftsfragen Obwalden zusammen mit der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Martin Hafen (60), Projektleiter und Dozent am dortigen Institut für Sozialmanagement, Sozialpolitik und Prävention, blickt im Gespräch auf den Tag zurück.

Martin Hafen, wie fällt Ihr Résumé aus?

Wenn wir wollen, dass es unserer Jugend gut geht, dass sie eigenverantwortliche und mündige Bürger werden, müssen wir sie unterstützen.

Wie denn?

Unser Schulsystem fördert die Schüler nicht angemessen. Stattdessen findet eine sehr frühe Selektion statt. Der Fokus liegt immer noch stark auf dem Auswendiglernen. Die skandinavischen Schulen machen es anders. Dort findet die erste Selektion erst am Ende des neunten Schuljahres statt und das selbstbestimmte Lernen hat eine viel grössere Bedeutung. Die zweite Ebene betrifft die politischen Prozesse, sie dauern zu lange, um in der Jugendförderung etwas zu bewirken und Programme umzusetzen, etwa um Mobbing zu bekämpfen. Ein weiterer Aspekt betrifft die Wirtschaft, denn auch in der Förderung der psychischen Gesundheit von Lehrlingen gibt’s noch Potenzial.

Jugendstudien zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Generation Y, also der zwischen 1980 und 2000 Geborenen. Trifft dies auch in Obwalden zu?

Studien belegen, dass 50 Prozent der Jugendlichen eher oder sehr gestresst sind. Ländliche Kantone wie Obwalden unterscheiden sich diesbezüglich nicht massgeblich von städtischeren Gebieten, wie auch diese Tagung gezeigt hat. Obwaldner Jugendliche haben dieselben Probleme wie ihre Kollegen in Luzern, leiden teilweise unter Leistungsdruck in der Schule, sind mit den neuen Medien konfrontiert und sorgen sich um die Entwicklung auf dem immer stärker digitalisierten Arbeitsmarkt.

Was bringt eine solche Tagung?

Das grosse Problem ist, dass vor allem Fachleute teilnehmen, die sich gerne inspirieren lassen und viel wissen. Doch die politischen Entscheidungsträger sind leider nicht so zahlreich vertreten, das war auch an dieser Tagung nicht anders. Aber genau auf diese Politiker ist man angewiesen, um etwas bewirken zu können, denn sie treffen Entscheidungen, welche praktisch alle Lebensbereiche der Jugendlichen betreffen. Die Politik mit ins Boot zu holen, wäre besonders wichtig.

Das heisst, Ihre Erwartungen in Hinblick auf die Wirkung solcher Tagungen halten sich in engen Grenzen?

Ich bin realistisch und pragmatisch, aber ganz so negativ sehe ich das nicht. Immerhin dokumentieren und würdigen solche Anlässe die wertvolle Arbeit, die in der Praxis geleistet wird. Und die wissenschaftlichen Ergebnisse zeigen, dass die Praxis auf einem guten Weg ist. Und sicher gibt es auch Politiker, die sich durch solche Anlässe motivieren lassen, sich im politischen Betrieb dafür einzusetzen, dass die Praxis möglichst gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit für und mit den Jugendlichen erhält.

Interview: Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

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