Obwalden
Spiel mit Schriftkörpern und textilen Farben: Vier Künstler präsentieren im Kulturraum Kägiswil ihre Werke

Das Drucken von Kunst hat in Obwalden seit Martin Wallimann Tradition. Daran knüpft der Kulturraum Kägiswil mit vier Kunstschaffenden an.

Romano Cuonz
Merken
Drucken
Teilen
Sie stellen im Kulturraum Kägiswil aus (von links): Andreas Traber, Andrea Röthlin, Werner Birnstiel und Charlie Lutz.

Sie stellen im Kulturraum Kägiswil aus (von links): Andreas Traber, Andrea Röthlin, Werner Birnstiel und Charlie Lutz.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 1. Mai 2021)

Früher beheimatete das schmucke alte Haus an der Kägiswiler Kreuzstrasse eine Sattlerei und ein Möbelgeschäft. Heute stellt Inhaberin Elisabeth Hartmann die zwei ebenerdigen, hellen Räume Kulturschaffenden und Kulturinteressierten als Treffpunkt zur Verfügung. In den einstigen Werkstätten werden Kunstkurse angeboten, und im Kulturraum initiiert die kunstaffine Yvonne Gnos regelmässig Ausstellungen.

Die Einladungen – diese werden von der Grafikerin Miranda Comeaux als eigene Kleinkunstwerke gestaltet – verfehlten ihre Wirkung nicht: Mittlerweile kann die jüngste Obwaldner Galerie auf ein festes Publikum aus nah und fern zählen. Mit «Drucke» wählt Yvonne Gnos für die neuste Ausstellung zudem ein Thema, das in Obwalden Tradition hat. In der kunsthandwerklichen Druckerei des verstorbenen Martin Wallimann entstanden – und entstehen immer noch – bedeutende Werke mit verschiedenen Drucktechniken.

Die Kernserin Andrea Röthlin und der Sarner Charlie Lutz bespielen einen ganzen Galerieraum. Kein Zufall, dass ihre erste Begegnung vor Jahren bei Martin Wallimann stattfand. «Ich hatte in meinem Atelier grosse Buchstaben auf Metallplatten aufgestapelt», erzählt Andrea Röthlin. «Als wir diese anschauten, den wunderschönen, angesetzten Rost bemerkten, war die Idee für unser Werk geboren.» Charlie Lutz ergänzt: «Unser Ziel war es, verschiedene Buchstaben übereinander zu lagern und zu kombinieren. So konnten wir die Zeichenhaftigkeit, die ihnen eigen ist, zeigen.»

Arbeit in der Druckerei ausgeführt

Die eigentliche Arbeit führten die beiden in der Druckerei Martin Wallimann aus. «Auf die Oberfläche der Stahlplatten mit Buchstaben trugen wir Farben auf. Im Hochdruckverfahren wurden dann diese in verschiedenen Gängen kopiert, vom Metall abgezogen und schliesslich aufs Papier übertragen», schildert Charlie Lutz den Entstehungsprozess. So sei die Installation mit dem Titel «Schriftkörper» entstanden. Andrea Röthlin legt die eher poetische Sichtweise dar: «Wenn man unser Spiel mit Buchstaben im ganzen Raum betrachtet, kann man gar nicht mehr nachvollziehen, wie es entstanden ist. Aus den Buchstaben werden Geschichten, die erzählt sein wollen.» Man könnte es auch so sagen: Der Kulturraum Kägiswil hat zurzeit vier erzählende Wände.

Die Schriftkörper von Andrea Röthlin und Charlie Lutz.

Die Schriftkörper von Andrea Röthlin und Charlie Lutz.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 1. Mai 2021)

Den früheren Möbel-Ausstellungsraum mit grossen Schaufenstern hin zur Strasse teilen sich auch zwei weitere Künstler. Der gebürtige Luzerner Textilgestalter Werner Birnstiel arbeitet im Tessiner Bleniotal. «Ich besitze in der Casa Lucomagno in Olivone ein Atelier. Gleichzeitig empfange ich dort zusammen mit meiner Frau auch Feriengäste.» In Kägiswil zeigt der Künstler einige raumfüllende Arbeiten, in denen sich Muster wiederholen. Aus zwei Stoffen bestehend und direkt vor den Schaufenstern platziert, vermitteln die Bilder den Betrachtern mit ihrer zauberhaften Farbigkeit ständig wechselnde Eindrücke. Scheint draussen die Sonne, schillert das Äussere des Bildes. Ist es grau und trüb, entfaltet es seine Magie im Innern. «In diesem Kulturraum spielt die Lichtdurchlässigkeit meiner im Siebdruck angefertigten Textilkunst besonders schön», so Birnstiel. Auf Tischen bietet er auch angewandte Kunst an: Kunst zum Anschauen und genauso zum Anziehen. Handbedruckte, leuchtend farbige Foulards sind es. «Diese Kunstwerke sind erst dann fertig, wenn sie jemand trägt.»

Zwei Textildrucke als Raumbilder von Werner Birnstiel.

Zwei Textildrucke als Raumbilder von Werner Birnstiel.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 1. Mai 2021)

Physiker bringt Leben in Bilder

Als vierten Gast hat Yvonne Gnos den Kernser Andreas Traber eingeladen. Er erfüllt die Galerie mit zu Papier gebrachter Natur. Der gelernte Mathematiker und Physiker, der vor seiner Pensionierung zuletzt am Kollegium St.Fidelis in Stans unterrichtete, liebt die Natur als Forscher seit eh und je. Aber auch das Gestalten hat es ihm seit dem Kindesalter angetan. Diese beiden Zuneigungen bringt er nun als Künstler unter einen Hut. Das Handwerk hat er in Ölmal- und Porträtzeichenkursen bei Doris Windlin in ebendiesem Haus, in dem er nun ausstellen darf, erlernt. In Kursen an der Hochschule Luzern befasste er sich mit weiteren Techniken. In der gegenwärtigen Ausstellung zeigt Traber ausschliesslich Linoldrucke von Landschaften und Pflanzen. Dabei macht er anschaulich, wie gekonnt man mit harten Kontrasten – meist schwarz auf weiss – Effekte erzielen und Leben in Bilder bringen kann.

Andreas Traber findet die Motive für seine Holzdrucke in der Natur.

Andreas Traber findet die Motive für seine Holzdrucke in der Natur.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 1. Mai 2021)

Hinweis: Die Ausstellung «Drucke» läuft noch bis am 16. Mai. Mehr Infos: www.kulturraum30.ch.