OBWALDEN: Stirbt Swiss-Award-Feier auf Älggialp?

Auf der Älggi- alp soll weiter ein Schweizer des Jahres gefeiert werden. Doch das Schweizer Fernsehen lässt trotz Absetzung der Sendung die Marke schützen.

Philipp Unterschütz
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Skilangläufer Dario Cologna bei seiner Ehrung zum «Schweizer des Jahres 2012» auf der Älggialp, dem geografischen Mittelpunkt der Schweiz. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Skilangläufer Dario Cologna bei seiner Ehrung zum «Schweizer des Jahres 2012» auf der Älggialp, dem geografischen Mittelpunkt der Schweiz. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Wird Polo Hofer als letzter «Schweizer des Jahres» in die Geschichte eingehen? Das Schweizer Fernsehen (SRF) setzt die Sendung aus Spargründen ab. Der jährliche Empfang des Lieblingsschweizers im Sommer auf der Sachsler Älggi- alp beim Mittelpunkt der Schweiz gerät damit ebenfalls in Gefahr. Organisiert wird der Anlass auf der Älggialp von Obwalden Tourismus. Dessen Präsident Florian Spichtig, der ebenfalls an der vom Fernsehen übertragenen Wahl letzte Woche dabei war, hatte von der Absetzung vorgängig aus den Medien erfahren. «Das Fernsehen hat uns das Aus nicht offiziell mitgeteilt», sagt Spichtig, der nun dafür kämpfen will, dass auch 2017 ein «Schweizer des Jahres» auf der Älggi Alp gefeiert werden kann.

Neue Partner gesucht

Der Empfang sei aus touristischer Sicht enorm wichtig für Obwalden. «Erst dank diesem Anlass wurde der Mittelpunkt der Schweiz auf der Älggialp so richtig wahrgenommen. Vorher fristete er ein Mauerblümchendasein», erzählt Spichtig und betont, dass man sich kaum ein besseres Marketinginstrument vorstellen könne als dieses Schaufenster für Obwalden im Schweizer Fernsehen. Die Absetzung des Swiss Awards aus Spargründen kann Florian Spichtig nicht nachvollziehen. «Das war eine der grossen Eigenproduktionen, die auch beim breiten Publikum angekommen ist. Ich glaube, SRF hat sich mit der Absetzung keinen grossen Gefallen getan.» An der Gala selbst sei das «Wie weiter?» denn auch das Hauptthema bei den Fernsehleuten, Prominenten und Medienschaffenden gewesen. Konkrete Ideen zu einer künftigen Wahl will Florian Spichtig noch nicht bekannt geben, aber die Suche nach neuen Partnern hat er bereits aufgenommen. «Vertreter der Ringier-Gruppe zeigten sich an der Gala sehr interessiert, dass auch 2017 ein Schweizer des Jahres gewählt werden kann.» Entsprechende Gespräche sollen demnächst stattfinden. Auch das Fernsehen werde dazu eingeladen, sagt Spichtig.

SRF hat das Sagen

Soll die Wahl zum Schweizer des Jahres und der Anlass auf der Älggialp weiter bestehen, führt tatsächlich kein Weg an SRF vorbei. Obwohl die Absetzung damals bereits beschlossen war, hat SRF am 18. November die Marke «Schweizer des Jahres» beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum mit 550 Franken für 10 Jahre schützen lassen (Gesuch 64 500/2015, Datenbank Swissreg). «Wir haben in den letzten 14 Jahren enorm viele Ressourcen für den Aufbau der Marke investiert. Es ist deshalb üblich für uns, diesen Markenschutz zu beantragen», erklärt SRF-Sprecherin Saskia Wegmann auf Anfrage. Kritiken, dass der Staatssender das Monopol über die Ehrung wolle und es mit seinem Vorgehen verunmögliche, dass Private in die Bresche springen, weist man bei SRF zurück. Saskia Wegmann meint, man sei selbstverständlich zu allen Gesprächen bereit, sobald konkrete Anfragen vorliegen. «Für SRF ist es vor allem wichtig, über alles, was im Rahmen von TV-Sendungen unter diesem Label gemacht würde, mitzureden.» Selber habe man zwar derzeit keine konkreten Pläne, «für SRF sind aber auch nach Absetzung der Sendung andere Nutzungen der Marke ‹Schweizer des Jahres› denkbar».

Polo Hofer passts am Abend besser

Auf diese Gesprächsbereitschaft von SRF setzt Florian Spichtig. «Ich kann den Markenschutz nachvollziehen, und wir wollen SRF als Erfinderin des Swiss Awards auch keinesfalls übergehen. Es wäre aber schade, wenn sie verhindern, dass es die Wahl und den Anlass auf der Älggialp weiterhin gibt. Marken kann man auch abtreten.» Im kommenden Sommer findet die Veranstaltung auf der Älggialp sicher statt, bestätigen sowohl SRF als auch Spichtig. «Polo Hofer hat bereits zugesagt, wir sind jetzt an der Terminsuche», freut sich Florian Spichtig und schmunzelt, es werde sich aber etwas ändern: «Zum ersten Mal findet der Anlass am Nachmittag mit anschliessendem Nachtessen statt. Polo Hofer ist ein Nachtmensch, ihm war der Empfang am Morgen um 9.30 Uhr in Sachseln zu früh.» Die spannende Frage, ob Florian Spichtig es schafft, Polo Hofer dann auch zum Singen zu bringen, muss vorderhand noch offen bleiben.

Sie wurden geehrt

Die Auszeichnung «Schweizerin/Schweizer des Jahres» mit der Ehrung auf dem Älggi gibt es seit zwölf Jahren. Alle Preisträger (ausser Roger Federer und Stan Wawrinka) waren jeweils im Frühsommer für die Zeremonie vor Ort. Die Preisträger waren: 2002 Beat Richner, Kinderarzt; 2003 Roger Federer, Tennisspieler; 2004 Lotti Latrous, Entwicklungshelferin; 2005 Peter Sauber, Formel-1-Rennstallbesitzer; 2006 Köbi Kuhn, Nati-Trainer; 2007 Jörg Abderhalden, Schwingerkönig; 2008 Eveline Widmer-Schlumpf, Bundesrätin; 2009 René Prêtre, Herzchirurg; 2010 Marianne Kaufmann und Rolf Maibach, Haiti-Helfer; 2011 Didier Cuche, Skifahrer; 2012 Dario Cologna, Langläufer; 2013 Stanislas Wawrinka, Tennisspieler; 2014 Didier Burkhalter, Bundesrat.

(red)

Philipp Unterschütz