OBWALDEN: Strassentunnels: Wird Obwalden zum Transitkanton?

Vom Lopper bis Lungern reihen sich heute fünf Strassentunnels. In Kaiserstuhl ist ein weiterer projektiert, und der Brünigtunnel existiert als Vision. Das Landenbergforum befasst sich mit dem Thema.

Robert Hess
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Kommt nach dem Tunnel Lungern (im Bild das Nordportal) auch noch ein Brünigtunnel? (Bild Robert Hess)

Kommt nach dem Tunnel Lungern (im Bild das Nordportal) auch noch ein Brünigtunnel? (Bild Robert Hess)

Der zunehmende Verkehr im Sarneraatal ist Thema des Landenbergforums im Schützenhaus vom kommenden Sonntag, 10 Uhr. «Wird durch den weiteren Ausbau der A 8 in Obwalden, mit der Umfahrung Kaiserstuhl und einem Brünigtunnel noch mehr Verkehr angezogen, und wird Obwalden zum Transitkanton?», schreibt die SP Obwalden, welche das Landenbergforum bereits zum 15. Mal durchführt, dazu.

Die Haltung der SP zu weiteren Tunnelprojekten ist eindeutig: Sie lehnt den 2,5 Kilometer langen Kaiserstuhl-Tunnel ab, dessen 300-Millionen-Projekt der Regierungsrat im Sommer 2012 und der Bundesrat Mitte 2013 genehmigt haben. Die SP wehrt sich aber auch gegen den Bau eines Brünigtunnels, weil «dadurch noch mehr Durchgangsverkehr, vor allem Schwerverkehr, angezogen würde».

Noch kein Brünigprojekt

Die Aussage der SP zum Brünigtunnel kommt vielleicht etwas verfrüht, denn es besteht überhaupt noch kein Projekt. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat aber im März 2011 angekündigt, dass es zum «Thema Brünig (Passstrasse respektive Tunnel)» eine Zweckmässigkeitsstudie erarbeiten wolle. Diese soll laut SP Obwalden 2015 vorliegen.

Wie stellt sich der Obwaldner Regierungsrat zu einem Brünigtunnel? In der Antwort auf eine entsprechende Interpellation von SP-Kantonsrätin Ruth Koch und Mitunterzeichnende im Januar 2013 heisst es: «Der Regierungsrat hat kein Interesse, dass das Sarneraatal zwischen Luzern und Bern zur Transitachse ausgebaut wird.» Und weiter: «Konkret steht im kantonalen Richtplan, dass ein Brünigtunnel aus kantonaler Sicht abgelehnt wird.» Auch der Berner Regierungsrat wünsche keinen Ausbau am Brünig, so die Obwaldner Regierung.

Bern sagte schon früher Nein

Was aber halten die Nachbarn in der Region Brienz-Haslital von der Idee eines Brünigtunnels? Einen politischen Vorstoss, «man soll mit dem Kanton Obwalden Kontakt aufnehmen und die Realisierung eines Basistunnels Brienz­wiler–Obwalden vorantreiben», gab es 2003. Damals reichte der inzwischen verstorbene Brienzer SVP-Grossrat Hans Michel im Kantonsparlament eine entsprechende Motion ein. «Obwohl der Brünig nur 1000 Meter hoch ist, gilt er vor allem im Winter als starke Barriere. Dies wirkt sich für den Wirtschaftsraum Oberland Ost sehr nachteilig aus. Gewerbliche Kreise stehen hinter meinem Anliegen», lautete Michels Begründung. Für die Berner Regierung entsprach die Realisierung des Brünigtunnels aber «nicht erster Dringlichkeit», und sie beantragte, die Motion abzulehnen. Der Grosse Rat folgte ihr mit 107 gegen 23 Stimmen bei 5 Enthaltungen.

Druck derzeit nicht so gross

Der Motion Michel folgte bis heute kein weiterer politischer Vorstoss, erklärt der Meiringer SVP-Grossrat Gerhard Fischer auf Anfrage. Ihm sei derzeit auch keine Gruppierung bekannt, die sich konkret für einen Brünigtunnel starkmache. «Persönlich stehe ich aber aus voller Überzeugung hinter der Idee eines Brünig-Scheiteltunnels», ergänzt er. «Für das östliche Berner Oberland wäre dieser volkswirtschaftlich von sehr grosser Bedeutung», so Fischer weiter.

In Schwung gekommen ist die Brünigtunnel-Diskussion nach der Ankündigung der Zweckmässigkeitsstudie durch das Astra im März 2011. «Es ist höchste Zeit, das Projekt eines Scheiteltunnels neu zu überprüfen», verlautete damals aus dem Brienzer Gemeinderat. «Nicht nur die Region Oberhasli-Brienz würde von dieser wetterfesten Verbindung mit der Zentralschweiz profitieren, auch Interlaken und Thun wären von Luzern her besser erreichbar.»

«Brünigtunnel wird realisiert»

«Kein offizielles Thema war der Brünigtunnel bei den bisherigen drei Wirtschaftstreffen Obwalden-Oberhasli-Brienz», sagte Bettina Wüthrich, Leiterin Standortmarketing und Regionalentwicklung Haslital-Brienz. Er könnte aber künftig zum Thema werden, wenn das Projekt und die Planung konkreter werden. Derzeit sei eine inhaltliche Stellungnahme dazu nicht möglich.

«Grossmehrheitlich mitgetragen», so Andreas Michel, Präsident Haslital Tourismus, «wird die Idee eines Brünig- Scheiteltunnels in Wirtschafts- und Politikkreisen im Haslital.» Eine bessere Verkehrsanbindung des Haslitals an die Zentralschweiz sowie Zürich und Basel sei aus touristischer Sicht «auf jeden Fall wünschenswert». Konkrete Vorstösse speziell aus dem Tourismus lägen aber keine vor. «Meines Erachtens wird der Brünigtunnel realisiert», fuhr Michel fort, «doch ist der Zeitpunkt die grosse Frage.» Der politische und wirtschaftliche Druck sei derzeit für eine rasche Realisierung noch nicht so gross.