OBWALDEN: Strom ab fremden Dächern

Die Gemeinde Alpnach erweist ihrem Energiestadt-Label alle Ehre. Der neuste Clou: Ein Ehepaar produziert mit gemieteten Dächern Solarstrom.

Robert Hess
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Walter Odermatt, hier auf einem Gebäude der Korporation, hat mehrere Dächer in Alpnach gemietet und darauf Solaranlagen installiert. (Bild Corinne Glanzmann)

Walter Odermatt, hier auf einem Gebäude der Korporation, hat mehrere Dächer in Alpnach gemietet und darauf Solaranlagen installiert. (Bild Corinne Glanzmann)

Zehn Solarstromanlagen, die auf verschiedenen gemieteten Dachflächen installiert sind, umfasst das jüngste Alpnacher Fotovoltaikprojekt. Der neue Solaranlagenpark weist eine Gesamtleistung von 1,52 Megawatt-Peak (Messung der Spitzenleistung). Damit kann der Stromverbrauch von rund 1350 Personen abgedeckt werden, was knapp einem Viertel der Alpnacher Bevölkerung entspricht.

«Nicht abseitsstehen»

Realisiert worden ist das Projekt von der Alpnach Sonnenstrom AG als Bauherrin. Inhaberin und alleinige Verwaltungsrätin dieser Firma ist Theres Odermatt-Unternährer aus Stans. Als Initiant und «Techniker» des Projektes steht ihr Ehemann, Kaufmann Walter Odermatt, im Vordergrund. «Die Idee, eine Solarstromanlage zu bauen, keimte seit Jahren in unseren Gedanken», berichtet das Ehepaar aus Stans. «Und nach dem Ausstiegsentscheid aus der Atomstromerzeugung war konsequenterweise Handeln angesagt. Wir wollten nicht abseitsstehen, sondern einen Mosaikbeitrag für die Energiezukunft Schweiz im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten leisten», begründen Theres und Walter Odermatt.

Was ist speziell am Konzept der Alpnach Sonnenstrom AG? «Vorab», so Odermatt, «das System haben nicht wir erfunden. Wir mieteten mit Nutzungsverträgen geeignete Dachflächen auf Gewerbe- und Industriebauten von neun KMU.» Dazu gehören unter anderem die Firmendächer auf Baurechtsgrundstücken der Korporation Alpnach, deren eigenes Holzheizwerk und zwei weitere Gewerbehäuser.

Bereitschaft muss vorhanden sein

Auf diesen Dächern hat die BE Netz AG aus Ebikon im Auftrag der Bauherrin die Solaranlagen konzipiert, geplant und erstellt. Auf total 12 000 Quadratmetern konnten rund 10 500 Quadratmeter mit 6100 Solarmodulen belegt werden. Die Bewirtschaftung dieser Flächen übernehmen Odermatts selber. Die Verhandlungen mit den beteiligten Firmen, Behörden, Körperschaften und Organisationen wie etwa der Swissgrid oder dem Elektrizitätswerk führte ebenfalls die Sonnenstrom AG. «Wir tragen auch das finanzielle Risiko, inklusive Investitionskosten und der Bewirtschaftung der Solaranlage», sagt Walter Odermatt. Bis heute hätten sie rund 4,5 Millionen Franken ins Projekt investiert. «Ohne die Bereitschaft der Dachvermieter und Grundeigentümer hätte nichts umgesetzt werden können», sagt Walter Odermatt. Die Vermieter erhalten als Gegenleistung einen Mietzins aufgrund der effektiven Stromproduktionsergebnisse. Der von allen Gewerbebetrieben benötigte Strom beziehen diese nach wie vor vom Elektrizitätswerk Obwalden, wie wenn keine Solaranlage auf dem Dach installiert wäre. Die Dachvermieter können die installierte Solaranlage jederzeit aber auch von der Alpnach-Sonnenstrom AG kaufen und anschliessend selber bewirtschaften. «Eine Win-win-Situation für beide Seiten», sagen Theres und Walter Odermatt. Selbstverständlich sind sie auch für die Realisierung von Solarstromprojekten in anderen Gemeinden und Kantonen bereit. Offenbar steigt das Interesse an diesem Modell zusehends (siehe Kasten).

Energiestadt Alpnach «lebt»

Dass das 2011 erhaltene Label Energiestadt Alpnach «mit Inhalt gefüllt wird», freut auch den zuständigen Gemeinderat Remo Küchler. «Besonders stark ist Alpnach in den Bereichen Sonnen- und Holzenergie», schreibt er im neusten Gemeindeinformationsheft. Die Liegenschaften der Gemeinde seien am Wärmeverbund der Korporation angeschlossen, und auf dem Schulhaus 58 sei eine Fotovoltaikanlage installiert. Eine bedeutende Rolle in Sachen erneuerbarer Energie spielt in Alpnach seit Jahren die Korporation. Heute versorgt das eigene Holzheizwerk im Gebiet Chilcherli 155 Gebäude über ein 12 Kilometer langes Fernwärmenetz mit Wärme. Die Versorgung von weiteren 100 Gebäuden ist möglich.

Auch der Militärflugplatz Alpnach mit rund 250 Mitarbeitern setzt seit Jahren auf erneuerbare Energie. Heute sind die Anlagen am Wärmeverbund der Korporation angeschlossen, und nach Abschluss der Sanierungsarbeiten der Flugzeughallen wird die eigene Fotovoltaikanlage den gesamten Bedarf an elektrischer Energie abdecken können.

HINWEIS

Am Samstag, 26. Oktober, können am Tag der offenen Tür von 13.30 bis 19 Uhr das Holzheizwerk mit den Solaranlagen und die neuen Verwaltungsräume im «Chilcherli» besichtigt werden. Am Vormittag findet die Eröffnungsfeier des Solaranlagenparks mit Referaten zum Thema Energiezukunft Schweiz statt.