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OBWALDEN: Tell hat ihn immer irgendwie begleitet

Kulturdirektor Franz Enderli legte in Luzern sein ganz persönliches Bekenntnis zu Tell ab. Anlass dazu gab ihm eine Buch­vernissage.
Romano Cuonz
Franz Enderli blättert im Weissen Buch von Sarnen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Franz Enderli blättert im Weissen Buch von Sarnen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Romano Cuonz

Obwaldens Bildungs- und Kultur­direktor Franz Enderli zieht die weissen Samthandschuhe an, dann wird er ganz ehrfürchtig: Staatsarchivar Alex Baumgartner reicht ihm nämlich im Sarner Hexenturm das berühmte Weisse Buch von Sarnen. «Zum ersten Mal halte ich dieses monumentale Werk, das so viel bewirkt hat, in eigenen Händen», sagt Enderli.

Dafür, dass er dieser Tage in seinen Erinnerungen zu kramen begann – und anschliessend in der Zentral-und Hochschulbibliothek Luzern ein ganz persönliches Bekenntnis zum Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell abgelegt hat – gibt es zwei Gründe. Zum einen fand dort die Vernissage des neuen Buches «Wilhelm Tell: Import – Export» von Michael Blatter und Valentin Groebner statt. Zum andern hat Enderli noch in wacher Erinnerung, wie das wertvolle Weisse Buch (anlässlich des Sechseläutens) von Sarnen nach Zürich ins Landesmuseum gebracht und von zahllosen Besuchern bewundert worden war. «Die Ausstellung im Landesmuseum war denn auch der Anstoss für die Publikation des neusten Buches, das ja den Helden auf all seinen Wegen begleitet», sagt Enderli. Und er präzisiert: «Mich interessiert dabei vor allem der Bezug zu Obwalden oder eben die unglaubliche Wirkungsgeschichte unseres Weissen Buches.»

Tells Zitate für den Alltag in der Familie

Franz Enderlis Reminiszenzen wurden an dieser Vernissage fast ein wenig zur Geschichte in der Geschichte. Er sei am Fusse des Telldenkmals in Altdorf aufgewachsen und habe den Helden von klein auf bewundert, bekannte er. «Als ich in der dritten Primarklasse war, durfte ich während des Jungwachtlagers Visperterminen vor den fremden Dorfbewohnern den Tell mimen», erinnert er sich. Noch heute höre er, wie ihm ein Kollege zugerufen habe: «Vater, der Apfel ist gefallen!» Max Frischs kritischer «Wilhelm Tell für die Schule (1971)» sei natürlich nicht auf der Lektüreliste der Urner Gymnasiasten gestanden. Und trotzdem: Noch heute stehe das blaue Taschenbuch in seiner privaten Bibliothek. A propos privat: Tell habe in seiner Familie auch sonst immer eine gewichtige Rolle gespielt. «Meine Jugendfreundin wurde später zu meiner Frau – sie ist unmittelbar neben dem Tellspielhaus aufgewachsen und hat als Kind im Tellspiel mitgewirkt», erzählt Enderli. So kam es, dass im Hause Enderli viele Stellen aus Schillers Tell wie eine Zitatensammlung bis heute stets zur Verfügung stehen. «Meinen Kindern auf Wanderungen den Tell aus dem Stegreif zu erzählen, war mir stets eine Wonne», erinnert sich Enderli.

Mehr Wissen übers Weisse Buch

«Ich erlebe immer wieder – auch in Obwalden –, dass das Weisse Buch wenig bekannt ist und vor allem in seiner Bedeutung kaum richtig eingeschätzt wird», bedauert Franz Enderli. Dabei bewahre Obwalden mit ihm einen ganz besonderen Schatz auf. Geschrieben hat diese älteste Aufzeichnung der Tellgeschichte 1470 der Obwaldner Landschreiber Hans Schriber. So gut und spannend und in so gestochen scharfer Handschrift ist der Mythos ab-gefasst, dass Literaturprofessor Peter von Matt voll Bewunderung festhält: «Dieser Schriber ist eigentlich der Mann, der auf ein Denkmal müsste! Doch keiner kennt ihn.»

Franz Enderli ist glücklich, dass sich dies – dank der Ausstellung des Weissen Buches in Zürich und dank des neuen Buches von Valentin Groebner und Michael Blatter – ein wenig geändert hat und wohl noch ändern wird. «Die beiden Autoren haben ein spannendes Buch mit vielen Facetten und Beispielen geschrieben, ein Buch das anregt, auch über die Bedeutung von Geschichte und Geschichten nachzudenken», lobt Enderli. «Bei diesen Geschichten geht es nicht nur um Vergangenheit, immer geht es in diesen Geschichten auch um Sinn und um Orientierung in der Gegenwart, um Mut, Ermächtigung und Zuspruch.»

HINWEIS

«Wilhelm Tell: Import – Export. Ein Held unterwegs.» Michael Blatter/Valentin Groebner. Erschienen im Hier und Jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte in Baden. Bestellungen: admin@hierundjetzt.ch

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