OBWALDEN: Tempo 205 auf der A8: Töfffahrer verurteilt

Mit 205 statt der erlaubten 100 km/h wurde ein Töff auf der A 8 geblitzt. Das Obergericht verurteilt den Fahrer, obwohl direkte Beweise fehlen.

Robert Hess
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Der Töfffahrer war mit über 100 statt den erlaubten 50 km/h unterwegs. (Symbolbild Neue LZ)

Der Töfffahrer war mit über 100 statt den erlaubten 50 km/h unterwegs. (Symbolbild Neue LZ)

Insgesamt drei Jahre dauerte das Verfahren vom Tag der Radarkontrolle am 29. April 2011 bis zum nun vorliegenden Urteil des Obwaldner Obergerichts. Dass der Fall die Gerichte über Gebühr lange beanspruchen könnte, hatte sich bereits bei der damaligen Geschwindigkeitskontrolle abgezeichnet. An diesem Tag wurde um 15.51 Uhr auf der Autostrasse A 8 im Gebiet zwischen Alpnach und Sarnen ein Richtung Luzern fahrender Töff mit einer Geschwindigkeit von 205 km/h vom Radargerät der Polizei erfasst. 100 km/h wären an dieser Stelle erlaubt.

Entscheid aufgrund Indizien

Die Frage drehte sich nun um die Person des Fahrers. Denn auf dem Radarfoto ist weder das Kontrollschild noch der Lenker des Töffes erkenntlich. Zudem wurde der Lenker nach der Geschwindigkeitsmessung von der Polizei nicht angehalten. Damit fehlte ein direkter Beweis für eine Verurteilung, und die Gerichte mussten aufgrund der Indizien entscheiden. Woher aber hat die Polizei Angaben über den zu schnellen Töfffahrer? Die Antwort: Kurz vorher, um 15.49 Uhr, filmte die Polizei auf der A 8 – rund 2,9 Kilometer vor der Stelle mit dem Radargerät – zwei in Richtung Luzern fahrende Töffs mit klar erkennbaren Kontrollschildern.

«Kann mich nicht erkennen»

Sowohl das Kantonsgericht wie auch das Obergericht haben die Videoaufnahmen von der vorgelagerten Kontrollstelle zur Beweiswürdigung im konkreten Fall heran­gezogen. Kontrollschild, Töff und Bekleidung der beiden aufgenommenen Lenker seien ersichtlich. Dazu kommt, dass laut Polizei ausser den beiden Töffs mit Nidwaldner Kontrollschildern in dieser Zeit keine weiteren Töffs in Richtung Luzern gefahren seien.

Das Obergericht hat mit Urteil vom 24. April die Berufung des Angeklagten abgewiesen und ihn der groben Verletzung der Verkehrsregeln durch Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 98 km/h schuldig gesprochen. Er wird mit einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen à 110 Franken und einer Busse von 1500 Franken bestraft. Die Geldstrafe wurde bei einer Probezeit von zwei Jahren bedingt ausgesprochen.