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OBWALDEN: Thailändische Austauschschülerin entdeckt die Schweizer Küche

Seit diesem Sommer leben vier ausländische Schüler der Stiftsschule Engelberg am Wochenende bei einer Gastfamilie. Eine von ihnen ist die 17-jährige Thailänderin Paan. Dabei entdeckt sie auch die Schweizer Küche.
Franziska Herger
Paan und Gastvater Joe Kretz kochen jedes Wochenende zusammen. (Bild: Franziska Herger (Engelberg, 18. November 2017))

Paan und Gastvater Joe Kretz kochen jedes Wochenende zusammen. (Bild: Franziska Herger (Engelberg, 18. November 2017))

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

«Was macht man denn mit dieser Sauce?», fragt Joe Kretz und schaut neugierig auf ein fremdländisch beschriftetes Glas. «Das brauchen wir nur für Suppen, nicht für Nudeln», erklärt Pa­shaya Faisaikram, und salzt das Nudelwasser. Die 17-jährige, genannt Paan, lebt seit vergangenem Sommer jedes Wochenende bei Joe Kretz und seiner Frau Maria in Engelberg. Unter der Woche besucht die Thailänderin die Stiftsschule. «Am Sonntag mache ich Hausaufgaben», erzählt Paan. «Aber am Samstag gehen wir zusammen ins Kino, bei schönem Wetter Velo fahren, und wir kochen immer zusammen.»

Heute gibt es ein thailändisches Gericht mit Spezialitäten, die Paan aus den Ferien mitgebracht hat. Sie mag aber auch Schweizer Hausmannskost. «Gleich am ersten Abend gab es bei uns Käseschnitte», erzählte Joe Kretz lachend. «Ich dachte, das könnte schwierig werden, aber sie hat es geliebt.» Paan ist eine von vier ausländischen «Internen» der Stiftsschule, die seit diesem Schuljahr das Wochen­ende nicht im Internat, sondern bei einer Gastfamilie aus dem Dorf verbringen.

Teenager vermissten die Geborgenheit einer Familie

Es sei schwierig gewesen, der kleinen Gruppe mit ganz verschiedenen Kulturen und Interessen ein geeignetes Wochenendprogramm zu bieten, sagt Rektor Matthias Nüssli. «Zu viert in dem grossen Gebäude mit neunzig Plätzen vermissten einige die Geborgenheit einer Familie.» Auch war die Versuchung gross, nur in Englisch oder der Muttersprache zu reden. «Daher kamen wir auf die Idee, die Vier in Gastfamilien unterzubringen.»

Doch leichter gesagt als getan. «Gastfamilien zu finden, war nicht einfach», meint der Rektor. «Die Idee ist neu für Engelberg, Interessierte konnten niemanden nach Erfahrungen fragen.» Mithilfe von Inseraten und Mundpropaganda gelang es schliesslich, für die Teenager aus Italien, Russland, Luxemburg und Thailand geeignete Familien zu finden. Maria und Joe Kretz gefiel die Idee sofort. Als sie auf das Inserat der Stiftsschule reagierten, hatten sie nur ein Anliegen: «Nachdem wir zwei nun erwachsene Söhne grossgezogen haben, wünschten wir uns eine Wochen­end-Tochter, um diese Erfahrung auch einmal zu machen», meint Joe Kretz.

Dem 59-Jährigen, selber Schulleiter der Gemeindeschule, war es nach dem Auszug der Söhne zu ruhig im Haus. «Jetzt belebt Paan unser Wochenende. Wir nehmen sie wie eine Tochter an Familienfeiern und in die Stammbeiz mit.»

Pilotprojekt soll zwei Jahre dauern

Gab es bis jetzt auch schwierige Momente? Kretz verneint, und meint lachend zu Paan: «Bisher die grösste Herausforderung war, dir die Gangschaltung am Velo zu erklären.» «In Bangkok bin ich nie Velo gefahren», antwortet diese grinsend. «Die Schweizer machen sowieso viel lieber Sport als die Thailänder. Das liegt wohl an der frischen Luft.» Doch nicht nur die Schweizer Kultur habe sie kennen gelernt, erklärt Paan in fliessendem Deutsch. «Mit der Sprache geht es ebenfalls besser. Ich muss am Montag jeweils nicht mehr ins Deutsch zurückfinden.»

Auch die Rückmeldungen der anderen drei Schüler und ihrer Gastfamilien seien sehr positiv, meint Rektor Nüssli. «Wir haben sehr kommunikative Familien gefunden, die bringen die Teenager so richtig aus sich heraus.» Die Eltern der Kinder zahlen immer noch gleich viel Schulgeld, mit einem Teil davon werden die Gastfamilien entschädigt. Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre ausgelegt. Eine Weiterführung sei gut möglich, sagt Nüssli. Ab einer gewissen Gruppengrösse der Internen sei aber auch eine Rückkehr zum Sieben-Tage-Internat denkbar.

Paan und ihre Gasteltern können sich jedenfalls gut vorstellen, die Wochenenden gemeinsam zu verbringen, bis Paan in knapp drei Jahren ihren Abschluss macht. Danach will sie Wirtschaft studieren und in anderen Ländern Erfahrungen sammeln. Ob sie dann noch nach Engelberg zu Besuch kommen wird? «Ja natürlich», meint Paan bestimmt. «Hier gibt es immer ein Zimmer für dich», fügt ihr Gastvater an.

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