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OBWALDEN: Theater war immer schon seine Passion

Christian Sidler war über 17 Jahre Obwaldner Kulturbeauftragter. Wie viele kulturelle Ereignisse er geprägt hat, wird einem erst klar, wenn er nun Abschied nimmt.
Romano Cuonz
Christian Sidler. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 3. April 2017))

Christian Sidler. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 3. April 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Jedes Jahr im Juli gehen Hunderte und Aberhunderte Besucher über den Waldweg hinunter zum Festzelt im «Gsang». Freuen sich auf ein einzigartiges Ereignis: das Volkskulturfest Obwald. Und in all den Jahren war da – wenn auch eher bescheiden und im Hintergrund – auch Christian Sidler, der Leiter des Obwaldner Amts für Kultur und Sport, mit dabei. Erteilte Auskunft, wies Plätze an, half einfach, wo Hilfe nötig war. Was heute nur noch wenige wissen: Eigentlich war er es, der die Ausgangsidee zum Obwald hatte. Vor 13 Jahren monierte die Obwaldner Regierung, dass der kleine Kanton jenseits seiner Grenzen ein eher unbeschriebenes Blatt sei. Man erbat Ideen von Leuten in der Verwaltung. «Damals regte ich an, dass wir in Obwalden ein weit ausstrahlendes Kulturfestival initiieren sollten», erinnert sich Christian Sidler. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Inzwischen sei es – auch dank der klug besetzten Leitung mit Martin Hess – ein tolles Kulturprojekt voller Emotionalität, meint Sidler. Plötzlich hätten sich Leute für Volksmusik interessiert, die damit zuvor nichts am Hut hatten.

«Lust, noch einmal etwas anderes zu machen»

Nicht weniger als siebzehneinhalb Jahre war Christian Sidler nun die Anlaufstelle für Anliegen von zig Obwaldner Kulturschaffenden. Dieser Tage aber hat er sich verabschiedet. Arbeitet neu auf dem Ballenberg als Geschäfts- und Produktionsleiter des ­Landschaftstheaters. «Ich bin 50-jährig und hatte einfach Lust, noch einmal etwas anderes zu machen», begründet Sidler seinen Schritt. Einen Schritt, den viele Kulturschaffende sehr bedauern. Zwar habe auch er ein weinendes Auge, meint der Obwaldner. Das lachende Theaterauge aber dominiere: Ja, Theater liege ihm am Herzen. In jungen Jahren hatte Sidler im Kollegitheater den Bürgermeister in «Der Drache» von Jewgenij Schwarz und wenig später im Osterspiel von Muri gar den Teufel gemimt! Auf dem Ballenberg könne er nun gleichsam Theaterleidenschaft und seine grosse Erfahrung als Kulturmanager einbringen. «Dass dieses Jahr mit Veronika Gut eine historische Persönlichkeit aus Nidwalden im Mittelpunkt steht, freut mich als Innerschweizer und Historiker besonders», schwärmt Sidler.

In 17 Jahren wurde vieles anders: «Als ich in Obwalden 1999 meine Stelle antrat, war ich Leiter einer Kulturabteilung. Ab 2010 wurde ich Amtsleiter für Kultur und Sport», erzählt Sidler. Nun war er bei allen Sitzungen der Geschäftsleitung dabei. Übernahm auch im Sport Führungs- und Strategieaufgaben. Wichtig war Sidler stets auch die Zentralschweizer Zusammenarbeit: Etwa beim Kulturlastenausgleich oder bei gemeinsamen Projekten oder den Ateliers in New York und Berlin.

Swisslos-Gelder und Begehren verdoppelten sich

Auch die Begehren nahmen zu. «Wenn wir zu Beginn rund 70 Gesuche pro Jahr zu bearbeiten hatten, waren es zuletzt mehr als doppelt so viele», bilanziert er. Geändert hätten sich auch die Dimensionen bei den Finanzen: «Am Anfang erhielt Obwalden knapp eine Million von Swisslos. Heute sind es bis zu 1,9 Millionen pro Jahr.» Für den Kulturlastenausgleich oder Kulturinstitutionen mit einer Leistungsvereinbarung – Museen etwa – wird Steuergeld eingesetzt. Projekte aber werden über Swisslos unterstützt. «Oft keine einfache Aufgabe, dabei das Augenmass zu finden», weiss er. «Ja, Kultur ist professioneller und damit teurer, das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis der Obwaldner Kulturschaffenden grösser geworden», ist sich Sidler gewiss.

Viel Anerkennung zollt er seinem Vorgesetzten, Kulturdirektor Franz Enderli: «Dank seinem grossen Einsatz für ein Kulturgesetz besteht der Grundsatz, dass der Kanton Kultur fördert!» So müsse man nicht mehr jedes Mal von neuem zu argumentieren beginnen.

Gefragt nach Sternstunden in der langen Tätigkeit, weiss Christian Sidler beinahe nicht, womit er beginnen soll. Da seien mehrere Kulturpreisverleihungen gewesen. Jede abgestimmt auf den Preisträger. Immer sehr eindrücklich und mit der Botschaft: «Seht her, was wir in Obwalden zu bieten haben!» Auch monumentale Ausstellungen in der Turbine Giswil mit Jo Achermann, Josef Maria Odermatt oder Kurt Sigrist blieben in Erinnerung. «Ich entschied da nie allein, stets mit Gremien oder mit unserer Kulturkommission», betont der Kulturbeauftragte.

Grosse Freude an Projekten mit der Jugend

Grosse Freude, so Sidler, hätten ihm Projekte mit Kindern und Jugendlichen bereitet, die in seiner Amtszeit stark ausgebaut wurden: «Etwa als 400 Kinder am Jodlerfest in Sarnen mit ihrem Gesang Tausende von Herzen berührten. Oder die wichtige und engagierte Arbeit, die im Juko-Pavillon geleistet wird.»

Mit Recht freut sich Christian Sidler darüber, wie er nach dem verheerenden Hochwasser als Leiter «Kulturgüterschutz» mit viel Unterstützung Kulturgüter besser schützen konnte. Ja, vieles sei getan. Ebenso vieles noch zu tun.

Neuer Kulturbeauftragter ist der Engelberger Marius Risi. Ihm bleibe ein weites Feld, meint Sidler. «Wir könnten Obwalden inhaltlich noch viel besser positionieren, man denke nur an Alleinstellungsmerkmale wie Bruder Klaus, das Weisse Buch von Sarnen, den Pilatus oder das Kloster Engelberg.» Aber für solch einmalige Geschichten brauche es Räume und Ressourcen. Eine grosse Chance für Obwalden, ist Sidler überzeugt.

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